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Drei Stolpersteine erinnern vor dem Haus Wilschenbrucher Weg 20 an die Familie Dublon. Foto: t&w
Drei Stolpersteine erinnern vor dem Haus Wilschenbrucher Weg 20 an die Familie Dublon. Foto: t&w

Die Erinnerung bewahren

rast Lüneburg. ,,Es ist wichtig, Stolpersteine zu setzen. Sie zeigen, welche Opfer der Nationalsozialisten wo wohnten und vermitteln etwas über ihr Leben. So bleibt Geschichte in unseren Köpfen.“ Das sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge am Sonnabend zum Auftakt einer Aktion, bei der in Lüneburg elf weitere sogenannte Stolpersteine verlegt wurden. Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort, Arbeitsplatz oder Lernort mit einer Messingplatte versehene Gedenksteine in den Bürgersteig verlegt. Die Inschrift gibt Auskunft über Name, Geburtsjahr und das weitere Schicksal der Opfer des Naziregimes. 1996 startete er seine Aktion illegal in Berlin: ,,Seit 2000 mache ich das legal, habe in 931 Orten in Deutschland knapp 45000 Messingplatten verlegt.“ Die Stolperstein-Initiative Lüneburg, eine Arbeitsgemeinschaft der Geschichtswerkstatt, hat in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit seit 2005 inklusive der elf neuen Platten 47 Gedenksteine von Demnig in Gehwege setzen lassen.

Jochen Fischer von der Initiative erinnerte daran, dass die Steine nicht nur an Juden, sondern an alle in der Nazi-Zeit Verfolgten erinnern Zum Auftakt wurden drei Steine vor das Haus Wilschenbrucher Weg 20 gesetzt, wo Henny, Daniel und Hilde Dublon lebten. Olaf Heiser von der Initiative skizzierte kurz deren Daten: Henny, geboren 1893 in Lüneburg, musste 1939 unfreiwillig nach Hamburg umziehen, wurde am 19. Juli 1942 von dort nach Theresienstadt deportiert, am 23. Januar 1943 zum KZ Auschwitz überführt und dort ermordet. Sein Bruder Daniel, geboren 1895, wurde am 19. Juli 1942 mit Frau, Tochter und Schwester nach Theresienstadt gebracht, er überlebte als einziges Familienmitglied das Konzentrationslager. Hilde Dublon, 1924 als Tochter von Daniel geboren, wurde am 15. Mai 1943 in Theresienstadt umgebracht. Beim Verlegen der Gedenkplatten waren unter den 30 Zuschauern auch Vertreter der nahen Stiftung Kühnausche Gründung dabei, die die Putzpatenschaft für die Platten übernimmt.

Fünf Messingplatten verlegte Demnig vor dem Gebäude Salzbrückerstraße 69-71a. Justin Hinrichs, Schüler der IGS Kaltenmoor, erinnerte hier an Hirsch, Berta und Jakob Lengel sowie an Toni und Max Hesse. Die Familie Lengel stammte ursprünglich aus Dabrowa in Polen, lebte in Lüneburg. Berta und Jakob Lengel wurden im Vernichtungslager Treblika ermordet, Sonja Lengel im KZ Stutthoff. Dort starb auch die Lüneburgerin Toni Hesse, ihr Mann wurde in Litzmannstadt (Lodz) umgebracht.
Vor dem Haus Am Sande 4 erinnerte Maren Hansen von der Geschichtswerkstatt Lüneburg an Siegmund und Paula Less. Das Ehepaar wurde im März 1943 im KZ Auschwitz ermordet.

Mehr Infos gibt es unter www.stolpersteine-lueneburg.de, dort melden sich auch Interessierte, die Patenschaften für die Platten übernehmen wollen.