Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Wenn Wasser den Berg hinauf fließt
Mit ganzer Lungenkraft presst Erstklässler Matteo Wasser von Glas zu Glas, auch seine Mutter Martina Vieck staunt, dass Wasser bergauf fließen kann. Foto: be
Mit ganzer Lungenkraft presst Erstklässler Matteo Wasser von Glas zu Glas, auch seine Mutter Martina Vieck staunt, dass Wasser bergauf fließen kann. Foto: be

Wenn Wasser den Berg hinauf fließt

mm Lüneburg. Manuel aus der dritten Klasse macht Musik mit einem Stromkabel. Das reibt er mit Plus- und Minusende auf einem Blatt Papier, auf das er vorher mit Bleistift gemalt hat. „Klingt wie der Sound einer schrammeligen E-Gitarre“, findet seine Lehrerin Deborah Hobel. Durch die Bleistifttonleiter erfahren Grundschüler bei der Miniphänomenta in der Hermann-Löns-Schule nicht nur, dass Blei Strom leitet, sondern auch der eigene Körper, Hand in Hand bildete ein kleiner Pulk einen geschlossenen Stromkreislauf. Auch andere naturwissenschaftliche Phänomene und Kuriositäten lernen die Schüler kennen, für die sie eigene Erklärungen finden sollen. Dafür sind 26 Experimentier-Stationen aufgebaut, die präsentierten sie nun ihren Eltern.

Hierzu pustet Erstklässler Matteo kräftigt in einen Strohhalm, er zeigt seiner Mutter, wie Wasser durch Überdruck einen Berg hinauf laufen kann. Die Station „Wasserberg“ ist eigentlich eine Waage, kräftiges Pusten drückt Wasser aus einem Glas über einen Plastikschlauch in ein leeres Gefäß, dabei kippt die Waage. Bei der Miniphänomenta, die Stationen werden Schulen von der Stiftung NiedersachsenMetall zur Verfügung gestellt, darf auch gezündelt werden. Lennart entfacht ein Teelicht nach dem anderen, überstülpt diese dann mit einem Glasbecher. Die Flamme erlischt, „wegen Sauerstoffmangel“, stellt der Schüler richtig fest.

Feuer ist während der Experimentierwochen auch Thema im Sachunterricht von Deborah Hobel. Die Miniphänomenta nahm sie zum Anlass, um ihren Schülern die Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft näher zu bringen. „An den Stationen können sie dazu erleben und lernen, wie etwas passiert“, beschreibt Hobel. Es gäbe kein Richtig und kein Falsch und auch keine Merksätze. Denn wie etwas passiert, sollten sie durch ihre eigenen Erklärungen verstehen.

Als Lehrerin kann Hobel aber natürlich nicht anders, ein wenig Anleitung gibt sie durch gezielte Fragen an den Stationen. Im Schulalltag wünscht sie sich mehr Möglichkeiten zum Experimentieren. „Für den Sachunterricht gibt es im Jahr 200 Euro, wenn ich davon beispielsweise eine große Landkarte kaufe, ist schon kein Geld für ein Reagenzglas mehr da“, erklärt Hobel. Sie bemängelt auch, dass es in Grundschulen keine Fachräume gebe. Umso wichtiger seien Stiftungen wie die NiedersachsenMetall, im Vorlauf zur Miniphänomente nahmen die Lehrkräfte hier an einer zweitägigen Fortbildung teil, bei der sie die zahlreichen Versuchsaufbauten kennenlernten. Auch deshalb wissen Hobels Schüler nun, dass es einen Blinden Fleck gibt, wie Pendel schwingen, dass überlappende Farbfolien wie etwa gelbe und blaue einen Grünstich ergeben. Und eben, dass Wasser nicht nur bergab fließt.