Mittwoch , 28. September 2016
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Das Ostpreußische Landesmuseum will wachsen. Das Modell zeigt die Ansicht von der Heiligengeiststraße mit dem Scharffschen Haus, dahinter der geplante Neubau (gelb) neben dem höheren Brauereimuseum. Foto: us
Das Ostpreußische Landesmuseum will wachsen. Das Modell zeigt die Ansicht von der Heiligengeiststraße mit dem Scharffschen Haus, dahinter der geplante Neubau (gelb) neben dem höheren Brauereimuseum. Foto: us

Neue Projekte für Lüneburg

us Lüneburg. Durchgängig viel Lob gab es in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses für den geplanten Neubau der Montessorischule zwischen Häcklingen und Rettmer. Wie berichtet, plant der Trägerverein der Schule dort ein Gebäude zu errichten, das Platz bieten soll für insgesamt 96 Schüler der Klassen 1 bis 4 und für bis zu 40 Kinder der Elementar- und Krippengruppe. Der Neubau, der auf dem rund 10000 Quadratmeter großen Gelände neben dem Bonhoeffer-Haus errichtet werden und die dort seit acht Jahren aufgestellten Container ablösen soll, ist in drei Bereiche gegliedert: die Schule mit vier Klassenräumen, das Kinderhaus, in dem die Elementar- und Kindergruppe untergebracht werden, sowie den Übermittagsbereich für die Mittagsversorgung. Die Kosten sind mit 2,5 bis 3 Millionen Euro veranschlagt.

„Man kann Sie zu dem Entwurf nur beglückwünschen“, stellte Dr. Gerhard Scharf (CDU) nach der Vorstellung der Pläne durch Montessori-Projektleiter Markus Keuter und Architekt Henry Reimers vom Architektur-Büro Henschke Schulte Reimers aus Lüneburg fest. „Es ist nicht nur erfreulich, dass endlich die Container wegkommen, begrüßenswert ist auch, dass das Angebot der freien Schulen in Lüneburg erweitert wird“, sagte Dr. Scharf.

Anerkennung fanden die Pläne auch bei Susanne Puschmann (Grüne), sie begrüßte, dass die Schule auch dem Aspekt der Inklusion Rechnung trage und es bei entsprechendem Bedarf auch Erweiterungsmöglichkeiten gebe. Rettmers Ortsvorsteherin Carmen Maria Bendorf bezeichnete die Pläne als „perfekt“, Dr. Uwe Plath, Ortsvorsteher von Häcklingen, stellte fest, dass der Bau sehr gut zum Bonhoeffer-Haus passe.

Rainer Petroll (Linke) bedauerte, dass für den Besuch der Schule Schulgeld verlangt werde. „Wer kann sich monatlich 200 Euro pro Kind leisten?“, fragte Petroll. Er plädierte stattdessen dafür, mehr Geld für das staatliche Schulsystem auszugeben, musste sich aber von Projektleiter Keuter daran erinnern lassen, dass der Bau der Schule privat finanziert werde und die Schule lediglich 50 Prozent der Landesmittel erhalte, die staatliche Schulen für den Schulbetrieb bekämen. „Wir hoffen aber, dass wir von der Stadt Lüneburg einen Baukostenzuschuss erhalten“, sagte Keuter, der den ersten Spatenstich noch für dieses Jahr ankündigte.

Zustimmung der Ausschussmitglieder gab es auch für die Erweiterungspläne des Ostpreußischen Landesmuseums (OL). Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert stellte die Pläne vor, die eine Erweiterung des bestehenden Museums an der Ritterstraße durch einen Verbindungstrakt zum Scharffschen Haus an der Heiligengeiststraße vorsehen. Damit soll nicht nur die Ausstellungsfläche um 500 auf rund 2000 Quadratmeter erweitert werden, auch der Hauptzugang zum Museum soll an die Heiligengeiststraße verlegt werden.

Besonderes Augenmerk richtete Dr. Mähnert auf den Neubau, der im Innenhof zwischen Ritter- und Heiligengeiststraße entstehen und südlich an das bestehende Brauereimuseum angrenzen soll. Hier soll im Erdgeschoss das neue Foyer mit Veranstaltungsräumen entstehen, das fensterlose Obergeschoss ist für Sonderausstellungen vorgesehen. In das denkmalgeschützte Scharffsche Haus sollen die Verwaltung und die Bibliothek einziehen, im Erdgeschoss ist ein Café geplant.

Christian Burgdorff vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt empfahl, im Scharffschen Haus die historische Windeanlage und auch das Treppenhaus in ihren jetzigen Zuständen zu erhalten. „Wir nehmen den Denkmalschutz sehr ernst“, betonte Dr. Mähnert. Der einzige größere Eingriff dort sei der Einbau eines Fahrstuhls, „allerdings in einem unproblematischen Bereich.“ Die Treppe bleibe erhalten, zudem gebe es Überlegungen, die Windeanlage durch eine vertikale Verglasung zu schützen, „das ist aber noch eine Frage der Kosten“, so Dr. Mähnert. Für den gesamten Umbau rechnet das Museum mit Kosten in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro, davon etwa zwei Millionen Euro für den Neubau.

Beschlossen wurde im Ausschuss auch die Instandsetzung des Brunnens in der Neuen Straße, der seit 2007 aufgrund baulicher Mängel außer Betrieb genommen werden musste. Angesetzte Kosten: 35000 Euro. 5000 Euro will der Bürgerverein als Spende beisteuern. Ferner soll durch einen Landschaftsplaner ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, wie die Sanierung und Gestaltung der historischen Wallanlagen und der Wegebeziehungen im Bereich des Liebesgrunds umgesetzt werden kann. Kostenanschlag hierfür: 15000 Euro. Die Finanzierung beider Projekte soll mittels vorhandener Rückstellungen erfolgen.

Mehrere Ausschussmitglieder empfahlen, den Schwerpunkt zunächst auf den Erhalt der Wallanlagen zu setzen. Auch wurde in den Beschluss aufgenommen, dass der Bürgerverein sich für ein höheres Spendenaufkommen für die Renovierung des Brunnens über die bereits angekündigten 5000 Euro hinaus einsetzen möge.