Mittwoch , 28. September 2016
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So könnten die Gebäude im Ilmenaugarten, also im Baugebiet Wittenberger Bahn, später aussehen. Erschlossen wird das Gebiet durch eine Brücke, die an die Ebert-Brücke andockt. Die Animation hat die Investorengruppe zur Verfügung gestellt. Grafik: nh
So könnten die Gebäude im Ilmenaugarten, also im Baugebiet Wittenberger Bahn, später aussehen. Erschlossen wird das Gebiet durch eine Brücke, die an die Ebert-Brücke andockt. Die Animation hat die Investorengruppe zur Verfügung gestellt. Grafik: nh

Die nächste „Bombe“

ca Lüneburg. Drei Bomben wurden auf dem Gelände an der Wittenberger Bahn in den vergangenen Monaten bereits unschädlich gemacht. Doch jetzt könnte juristischer Sprengsatz das Baugebiet Ilmenaugarten bedrohen: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat gestern den Bebauungsplan für das Areal vorläufig gestoppt. Das OVG gab damit einem Eilantrag von Anliegern statt, die durch die neue Siedlung eine Lärmbelästigung befürchten. Sie glauben, dass die geplante sogenannte Riegelbebauung den vorhandenen Bahnlärm in Richtung ihrer Häuser im Bereich Blümchensaal/Deutsch Evern Weg reflektieren und dadurch verschlimmern könnte. Auch der Verkehr werde um rund 1000 Fahrzeuge pro Tag zunehmen und für mehr Krach sorgen. In einer Erklärung des OVG heißt es: „Das Gericht ist dieser Argumentation gefolgt.“ Allerdings könne das Rathaus beim B-Plan nachbessern.

Die Verwaltung will genau das tun, möchte „aktiven und passiven Schallschutz“ hochfahren. Stadtsprecherin Suzanne Moenck erklärt: „Für die Anwohner soll es durch das Baugebiet zu keinen Verschlechterungen kommen.“ An der bisherigen Konzeption halte man fest. Die Erschließungsarbeiten gingen weiter. Ähnlich sieht es Manfred Schulte, der zu den Investoren zählt, die an der Ilmenau zwischen Altenbrückertorstraße und Ebert-Brücke Hunderte Wohnungen errichten wollen. So setzen Fachleute die Sondierungsarbeiten fort, um Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges ausfindig und unschädlich zu machen. 30000 Quadratmeter haben die Experten in 25-Meter-Schritten bereits durchkämmt, 50000 weitere stehen in den nächsten Monaten an.

Die Richter nehmen in ihrer Entscheidung auf die aktuelle Lage Bezug: Ein von der Stadt eingeholtes Gutachten habe zwar ergeben, dass die zusätzliche Lärmzunahme akustisch nicht wahrnehmbar sei. Allerdings habe die Stadt in ihrer Abwägung nicht ausreichend berücksichtigt, „dass die Lärmbelastung der Antragsteller bereits jetzt nachts oberhalb der Schwellenwerte für eine Gesundheitsgefährdung liegt. In einem solchen Fall sind auch geringfügige zusätzliche Belastungen von Bedeutung.“ Im Klartext: Jedes Dezibel zusätzlicher Lärm ist eigentlich zuviel.

Im Rathaus spricht Suzanne Moenck davon, sich die Lage nun noch einmal genau anzuschauen, um „auszuloten, was an aktivem und passivem Schallschutz möglich ist.“ Das soll nun in der Bauverwaltung geschehen, auch wolle man zügig mit den Investoren ins Gespräch kommen. Doch was konkret geschehen kann, da scheinen die Mitarbeiter um Stadtbaurätin Heike Gundermann ein wenig ratlos zu sein. Vielleicht bringe ein Tempolimit für den zusätzlichen Autoverkehr etwas, vielleicht zusätzliche Schallschutzwände. Alles sei sehr frisch, sagt Suzanne Moenck: „Wir müssen sehen, wie wir nachbessern können.“ Auch auf die Frage, wer die zu erwartenden Mehrkosten tragen wird, bleibt die Antwort vage. Darüber müsse man mit den Bauherren sprechen.

Für die Investorengemeinschaft sagt Schulte, das Projekt selber stehe in seiner Konzeption nicht infrage. „Ich kenne das Urteil noch nicht, aber unser Anwalt sagt, dass Hauptproblem sei der Autoverkehr.“ Dafür werde man eine Lösung finden. Klar sei aber auch, zusätzliche Maßnahmen kosten Geld. Da man noch im Vorentwurfsstadium sei, könne manches aufgefangen werden. Aber höhere Ausgaben müssten entsprechend berücksichtigt werden. Ergo: Wer dort eine Wohnung kauft, wird den Lärmschutz mitbezahlen müssen.