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Von wegen Männersache: Beim Motorsägenkursus für Frauen beweisen Kristina Belz, Sabine Höing und Sandra Kölling (v.l.), dass Bäumefällen keine Frage des Geschlechts ist. Wie man mit Motorsäge, Hammer und Metermaß umgeht, lernten sie bereits im Theorieunterricht des Volkshochschullehrgangs. Am Praxistag heißt es dann, das Gelernte am echten Baum in die Tat umsetzen. Und schnell wird aus anfänglicher Skepsis echte Begeisterung.  Foto: t&w
Von wegen Männersache: Beim Motorsägenkursus für Frauen beweisen Kristina Belz, Sabine Höing und Sandra Kölling (v.l.), dass Bäumefällen keine Frage des Geschlechts ist. Wie man mit Motorsäge, Hammer und Metermaß umgeht, lernten sie bereits im Theorieunterricht des Volkshochschullehrgangs. Am Praxistag heißt es dann, das Gelernte am echten Baum in die Tat umsetzen. Und schnell wird aus anfänglicher Skepsis echte Begeisterung. Foto: t&w

Wenn Frau zur Säge greift + + + Mit LZplay-Video

jae Lüneburg. Die Schweißperlen stehen Sabine Höing auf der Stirn, als sie den Motor der Säge mit einem kräftigen Zug zum Surren bringt. Ein letztes Mal atmet sie die Waldluft ein, bevor sie beweisen muss, was sie eine Woche zuvor im Theorieunterricht gelernt hat: einen Baum zu fällen.

Sabine Höing ist eine von elf Teilnehmerinnen, die beim Kettensägenkurs für Frauen der Volkshochschule lernen, wie man Bäume richtig zu Fall bringt. „Die Idee fand ich total klasse. Dass es nur Frauen sind, die nicht mit dicker Hose dastehen sondern ein bisschen vorsichtiger sind“, sagt sie. Es gehe nicht darum, einfach drauflos zu sägen, man müsse viel beachten. Schließlich seien es kleine Höllenmaschinen, die viel anrichten könnten. Dass ihre beste Freundin sich zum Kettensägenkurs anmeldete, kam Höing da gelegen, denn um im eigenen Kleingarten mal den ein oder anderen Ast zu entfernen, sei auch ihr der sichere Umgang mit der Säge wichtig.

Den lehren sie Heinrich Matzke und seine Kollegen. Seit zwölf Jahren erklärt der gelernte Forstwirt den angehenden Baumfällern, wie Motorsäge, Fällheber und Co. funktionieren. Dabei sei schon die Säge an sich eine Herausforderung, einen mitteldicken Baum umzulegen, eine Kunst. „Wir verzichten auf eine schriftliche Prüfung, eigentlich ist der gesamte Praxistag eine Prüfung“, sagt Matzke. Doch wer glaubt, mit ein paar Schnitzereien den Motorsägenschein zu bekommen, liegt daneben. „Wenn wir noch große Defizite sehen, nehmen wir die Teilnehmer nochmal speziell in die Mangel“, sagt der 56-Jährige.

Das ist bei Kristina Belz nicht nötig. Wie alle ihre Mitstreiterinnen hat auch sie an diesem Tag das erste Mal eine Motorsäge in der Hand. „Es ist beeindruckend, ich hatte viel Respekt“, sagt sie. Wann sie wieder zur Säge greifen wird, ist aber noch unklar: „Ich habe weder einen Garten noch Bäume. Ich hatte einfach Bock darauf, das mal auszuprobieren“.

„Eins, zwei, drei“ murmeln die Frauen, bevor sie sich gegen den Fällheber werfen. Plan A haben Sabine Höing, Sandra Kölling und Kristina Belz hinter sich gelassen. Die störrische Birke hat sich in den Baumkronen der anderen Bäume aufgehängt. Nun ist Frauenpower gefragt, alle müssen mit anpacken, um den Gegenspieler doch noch zu Boden zu bringen.

Heinrich Matzke schätzt die Genauigkeit der Baumfällerinnen: „Frauen sind vom Naturell her lernbereiter. Die Herren haben eher das Rangehen, dass sie eigentlich schon alles wissen und nicht mehr viel lernen müssen. Sie führen sich dann oft als allwissend auf. Und die Frauen haben durchweg den Anspruch, dass sie es von Grund auf lernen.“

Welches der Geschlechter sich an der Motorsäge besser behauptet, kann Matzke nicht beurteilen. Im Gegensatz zu den Frauen hätten die meisten Männer aber schon Erfahrungen mit der Säge gemacht. „Da ist das Problem, die alteingeschliffenen Fehler wieder auszutreiben, das ist manchmal schlimmer, als neu zu lernen.“

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