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Zebin Gernlach ist eine Frau, die gerne lacht. Sie versteht sich als Anschubser, will mit anderen Rollstuhlfahrern gemeinsam etwas erleben. Foto: t&w
Zebin Gernlach ist eine Frau, die gerne lacht. Sie versteht sich als Anschubser, will mit anderen Rollstuhlfahrern gemeinsam etwas erleben. Foto: t&w

Mit dem Rolli in die Disco

us Lüneburg. „Eine Rollstuhl-Rallye, das wärs“, schwärmt Zebin Gernlach, „aber das kommt später. Erstmal müssen wir uns finden.“ Wir, damit meint die 60-Jährige Rollstuhlfahrer, für die sie in Lüneburg eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen will. „Die Leute trauen sich allein zu wenig zu, in der Gruppe geht das besser“, glaubt sie. Seit 1995 ist Zebin Gernlach auf den Rollstuhl angewiesen, wenn auch nicht immer. Den Weg von ihrer Wohnung nahe der Hindenburgstraße in die Stadt schafft sie zu Fuß, „nur wieder zurück reicht die Kraft nicht.“ Doch sie möchte mehr erleben, und das nicht allein.

„Ich denke da an gemeinsame Ausflüge, auch mal mit dem Bus“, sagt sie. Wie das gehen soll, recherchiert sie bereits, surft im Internet und telefoniert mit Anbietern der Region. Um den Aktionsradius möglichst weit ausdehnen zu können, will sie deshalb zunächst auch nur Rollstuhlfahrer ansprechen, die sich mittels Elektroantrieb fortbewegen. „Außerdem kommen die anderen sonst nicht hinterher, die E-Rollis sind in der Regel ja doch schneller.“

Auf den gemeinsamen Ausflügen will sie auch gleich prüfen, welche Wege und Strecken und vor allem welche Ausflugslokale, Restaurants oder andere Einrichtungen auch nutzbar, sprich barrierefrei sind. Ob daraus dann mal ein Ratgeber oder ähnliches entstehen wird, ließ sie offen. Zuzutrauen wäre es ihr durchaus, denn Zebin Gernlach ist nicht nur Botschafterin der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe oder Gründerin der Selbsthilfegruppe Schlagseite um nur zwei zu nennen , sondern hat bereits ein Buch herausgegeben, in dem sie ihre Erlebnisse während eines Komawachzustands niedergeschrieben hat, in den sie durch einen Schlaganfall geraten ist, ausgelöst durch eine Thrombose am Hirnstamm.

Doch bei der Selbsthilfegruppe sollen weniger die eigenen Probleme als vielmehr das gemeinsame Erleben im Mittelpunkt stehen. „Man kann vieles machen, wenn man es will“, sagt die aktive Junggebliebene. Durchaus vorstellbar ist für sie, auch mal in eine Disco zu gehen, „tanzen geht auch mit zwei Rädern“. Ihr größter Wunsch aber ist eine Rollstuhl-Rallye. „Natürlich soll da niemand um die Wette fahren, es geht mehr um Geschicklichkeit“, sagt sie und denkt etwa an einen Parcours, den man gemeinsam entwickeln könnte. Dabei könnte dann auch Jung gegen Alt antreten, denn eine Altersbegrenzung für die Selbsthilfegruppe hat sie nur nach oben festgelgt. „Ich denke, bei 70 ist Schluss.“

Viel vorgeben will sie aber gar nicht, „ich verstehe mich eher als Anschubser.“ Zwei Mitstreiter hat sie bereits gefunden, fünf müssen es mindestens sein, um eine anerkannte Selbsthilfegruppe werden zu können, wichtig für mögliche finanzielle Hilfen, die gelegentlich für Ausflüge oder andere Aktivitäten gewährt werden. Die Obergrenze sieht sie bei 20 Mitgliedern, wobei sie davon ausgeht, dass nicht immer alle zu den wöchentlichen Treffen kommen werden. Die sind zunächst immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr in dem barrierefreien Pavillon der Seniorenwohnanlage in der Straße Westädts Garten geplant. „Dort haben wir ausreichend Platz, sogar eine Küche. Kaffee und Kuchen muss natürlich mitgebracht werden.“ Außerdem hält in der Nähe die Buslinie 5014 und selbst Parkplätze finde man eigentlich auch immer. Start ist am 3. April, wer mitmachen möchte, kann Zebin Gernlach „der Name passt ganz gut zu mir“ unter Tel. (0178)7163362 oder per E-Mail an mail@zebingernlach.de.