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Grit Hartkopf weiß noch genau, was am 7. April 1945 passierte. Ihre Familie verlor damals ihr Haus, andere gar ihr Leben. Foto: kg
Grit Hartkopf weiß noch genau, was am 7. April 1945 passierte. Ihre Familie verlor damals ihr Haus, andere gar ihr Leben. Foto: kg

Erinnerungen an den Bombenangriff + + + Mit LZplay-Video

kg Lüneburg. Die Bombenfunde an der Wittenberger Bahn rufen bei Grit Hartkopf düstere Erinnerungen wach. Die 84-jährige lebt heute wieder in ihrem Geburtshaus am Eulenweg im Wilschenbruch, in dem sie 15 Jahre ihrer Kindheit verbrachte bis es bei den Bombenangriffen der Briten und Amerikaner am 7. April 1945 getroffen wurde.

„Wenn Alarm war, haben wir uns angezogen und sind mit Koffer und Kinderwagen losgezogen Richtung Teufelsbrücke“, erinnert sich die Seniorin. „Da war so eine Ausbuchtung im Wald, wo sich immer alle getroffen haben. Raus aus diesem Bahnhofsgebiet, da fühlten wir uns immer bedroht.“ Nach einem ersten Alarm am Morgen des 7. Aprils gab es zunächst Entwarnung. „Meine Mutter hatte Erbsensuppe gekocht“, weiß sie noch ganz genau. „Mittags wollten wir uns hinsetzen, da ging es wieder los.“ Diesmal flüchtete die Familie in den Wald hinter das Haus, wo der Großvater aus Eisenbahnschwellen selbst einen Bunker gebaut hatte. Der Weg zur Teufelsbrücke schien in diesem Moment zu weit. „Im Bunker haben wir uns hingesetzt und dann ging es auch schon los. Die Bomben fielen und es heulte.“ Nach der ersten Angriffswelle wagte die Familie einen Blick nach draußen. Da stand ihr Haus noch.

Als der zweite Angriff losging, konnten sie Dutzende Häftlinge, die sich befreit hatten, über den Bahndamm rennen sehen, wie sie im Wald Schutz suchen wollten. Der Transportwagen, der sie ins Konzentrationslager bringen sollte, machte an diesem Tag Halt in Lüneburg. Viele von ihnen schafften den Weg nicht, doch zwei Männer erreichten den selbst gebauten Bunker der Familie Hartkopf, harrten dort mit ihnen während der Angriffe aus. „Das müssen Franzosen oder Belgier gewesen sein“, erinnert sich Grit Hartkopf. Voller Angst warteten sie dort gemeinsam die Angriffe ab, die den Boden zum Beben brachten.

Eine Bombe traf ihr Haus am Eulenweg von der Seite und legte die Wasserversorgung lahm. „Wir durften das Haus nicht mehr betreten, sonst kam gleich der Blockwart. Das war sofort gesperrt. Dabei brauchten wir doch ein paar Sachen für uns.“

Nach dem Krieg baute nicht nur ihre Mutter ihr Haus wieder auf, auch rundherum wuchs das Wohngebiet Wilschenbruch. Anders als heute auf dem Gebiet Ilmenaugarten sei dort damals nicht tiefer gebuddelt worden, obwohl die Angriffe zahlreiche Explosionskrater und Blindgänger hinterlassen hätten, so Hartkopf. „Die wurden zugeschüttet und der Boden begradigt. Die Grundstücke waren ja begehrt“, erzählt sie. „Da habe ich so oft gesagt: Wenn die wüssten, was da unten noch drin liegt.“

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