Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sie nehmen Ihr Publikum in der Ritterakademie mit in die Welt der Märchen (v.l.): Maria-Kathleen Zorn, Thorsten Tsoye, Hans- Günter Seifert, Tanja Minter-Stoye, Kay Lorenz und Katja Breitling. Foto: t&w
Sie nehmen Ihr Publikum in der Ritterakademie mit in die Welt der Märchen (v.l.): Maria-Kathleen Zorn, Thorsten Tsoye, Hans- Günter Seifert, Tanja Minter-Stoye, Kay Lorenz und Katja Breitling. Foto: t&w

Im Land der Feen

ca Lüneburg. Der Gast aus Herdecke war an jedem der sieben Abende da, um den Geschichten aus aller Welt zu lauschen so viel Begeisterung klingt fast märchenhaft. Aber dass es bei den Lüneburger Märchentagen ein wenig zauberhaft zugeht, ist eigentlich zu erwarten. Wer sich auf die Magie der Erzählungen einlässt, taucht in einen Kosmos der Fantasie ein, in dem es drei Konstanten gibt, den Beginn „Es war einmal…“, ein gutes Ende und eine Botschaft, die Mut macht. Und wer bräuchte den nicht? Am Sonnabend ging der Reigen in der Ritterakademie zu Ende.

Mut bewiesen haben Katja Breitling, Karin Ulex und Kay Lorenz, sie haben die Märchentage zum zweiten Mal in Lüneburg organisiert. Ob ihr Abenteuer finanziell gut ausgeht, wissen sie noch nicht, das klärt sich, wenn sie jetzt Bilanz ziehen. Doch ein Gewinn sei das kleine Festival auf jeden Fall gewesen. Zwischen 30 und 70 Zuhörer seien pro Veranstaltung gekommen, nachmittags die kleinen, am Abend die großen. Sie konnten den Geschichten von Hexen, Prinzessinnen und Kobolden an Orten mit einem Charme lauschen, die selber Aufregendes aus mehreren Jahrhunderten erzählen könnten, etwa der Huldigungssaal im Rathaus oder das Heinrich-Heine-Haus. Das Trio ist daher Oberbürgermeister Ulrich Mädge als Schirmherren dankbar, der ihnen die Räume im Namen der Stadt überließ.

Einige Erzähler seien nach Lüneburg gereist, um ihre Kunst zu zeigen oder besser, zum Hören zu bringen. Wer erzählen kann, der nimmt sein Publikum mit in eine andere Welt. Katja Breitling findet: „Märchen werden verschenkt.“ Doch es funktioniert auch anders herum, nämlich als Geschenk: „Märchen finden ihren Erzähler.“ So habe ihr ein alter Herr vor Jahren einen ganzen Schatz an Büchern mit alten Geschichten überlassen. Vorher hatten die Bücher ohne große Beachtung in irgendeiner Kiste auf ihre „Wiederbelebung“ gewartet.

Es sind nicht nur die Märchen, die einst die Gebrüder Grimm zusammengetragen haben, sondern auch die Geschichten anderer Völker, die Karin Ulex faszinieren und die sie dann vorträgt, etwa aus Südamerika, Asien oder Arabien. Es ist dann ein bisschen so, als ob es auf einem fliegenden Teppich in das Reich von Tausend und einer Nacht geht. Die Erzählerin sagt: „Der Ablauf in den Märchen ähnelt sich, egal woher sie kommen.“

Wer sich aufmacht ins Land der Feen, Riesen und Zwerge, freut sich über den passenden Klang. So zählte in der Ritterakademie auch Thorsten Stoye zur magischen Reisebegeleitung. Der Musiker und Instrumentenbauer aus Rellingen ließ Nyckel Harpas erklingen, eine Schlüsselfiedel, die aus Schweden stammt. Nach altem Wiener Vorbild hatte er auch ein „diatonisches Knopfakkordeon“ dabei, das auch in Italien und Frankreich gespielt wurde. „Die Instrumente besitzen etwas Melancholisches“, erklärte er. „Das passt zu den Märchen.“

Gibt es eine Neuauflage der Märchentage? Katja Breitling sagt: „Und wenn sie nicht gestoben sind, dann leben sie noch heute.“ Das klingt nach einem Ja.