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Rache aus enttäuschter Liebe

aja Lüneburg. Die 4. Große Strafkammer des Lüneburger Landgerichts hat den 43-jährigen Kraftfahrzeugmechaniker aus Hambühren vom Vowurf des sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter freigesprochen. „Damit entfällt auch das Motiv für eine Tötung“, begründete der Vorsitzende Richter am Landgericht, Franz Kompisch, den Freispruch vom versuchten Mord, den die Staatsanwaltschaft Celle dem Mann zum Vorwurf gemacht hatte.

Der 43-Jährige war im vergangenen Jahr auf das Auto seiner Stieftochter losgefahren, nachdem er einen Schuss aus einer illegal beschafften Waffe in ihre Richtung abgegeben hatte. „Er wollte sie stoppen“, sagte der Vorsitzende. Das Gericht verurteilte den Mann daher wegen versuchter Nötigung, illegalen Waffenbesitzes sowie gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

„Man kann mit wenigen Worten sehr viel Schlimmes anrichten“, resümierte Franz Kompisch, nachdem die Strafkammer zur Überzeugung gelangt war, dass die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs in ihrer Kindheit gegen den Stiefvater von ihr erdacht waren. Hinter der Geschichte der inzwischen 23-jährigen Stieftochter sah die Kammer eine „enttäuschte erste große Liebe“.

Überzeugt sind die Richter davon, dass der Angeklagte und die Stieftochter seit ihrem 17. Lebensjahr eine einvernehmliche Liebesbeziehung unterhielten. „Schlimm wurde das Ganze durch das Verschweigen“, sagte Kompisch. Denn nachdem die Geliebte den Stiefvater vor die Wahl gestellt hatte und sich nach seinem Zögern einem anderen Mann zuwenden wollte, sei sie in Erklärungsnöte geraten. Als ihr Umfeld sie fragte, warum sie mit 22 Jahren noch nie einen Freund hatte, warum sie so abgenommen hätte und immer so viel weinte, deutete sie der Kollegin, der Lehrerin und ihrem neuen Freund den väterlichen Missbrauch an.

Als der Stiefvater dann am 6. September vor dem Arbeitsplatz auf die Kindergärtnerin losgefahren war und auf sie geschossen hatte, weil er sie zur Rede stellen wollte, konnte die Beziehung nicht mehr im Verborgenen bleiben. Von der Polizei nach einem Motiv für den Angriff des Vaters befragt, sprach sie von einem Missbrauch in ihrer Kindheit. „Wird das Wort Missbrauch und Stiefvater in einem Zusammenhang genannt, dann geht die Reise los“, hatte Verteidiger Martin Fricke in seinem Plädoyer die von Anfang an falsche Ermittlungsrichtung kritisiert.

Dem hat sich das Gericht insoweit angeschlossen, dass es keine Anhaltspunkte erkannte, die einen Missbrauch in der Kindheit tatsächlich belegen konnten, sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch.