Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Wieder Ärger um den Weißen Turm
Noch ist die Geschichte um die Wohnungen Am Weißen Turm noch nicht abgeschlossen. In dem neuesten Kapitel geht es um eine zweifelhafte Nebenkostenabrechnung. Foto: A
Noch ist die Geschichte um die Wohnungen Am Weißen Turm noch nicht abgeschlossen. In dem neuesten Kapitel geht es um eine zweifelhafte Nebenkostenabrechnung. Foto: A

Wieder Ärger um den Weißen Turm

ca Lüneburg. Die Gebäude sind verkauft, die Hausverwaltung ausgetauscht, doch trotzdem geht die Geschichte rund um den Weißen Turm weiter. Denn Mieter wie Dietrich K. liegen mit den Alt-Eigentümern, dem holländischen Ibus-Fonds, und deren Hausverwaltung weiter über Kreuz. Das Amtsgericht verhandelte seinen Fall, ein Urteil liegt noch nicht vor. Rund 114 Euro sollte K. an Nebenkosten für das Jahr 2011 nachzahlen. K. ist ein akribischer Mann, er ging die Posten durch, schaltete einen Anwalt ein und kam zu einem ganz anderen Ergebnis: Er habe ein Guthaben von rund 470 Euro und eben die will K. von seinem Vermieter wiederhaben. Mal gehe es um Posten von 32 Cent, aber auch ein Brocken von 96 Euro ist dabei. Der Anwalt der Firma Ibus wies die Forderungen zurück. Manches sei abstrus: „Ich bin nicht bereit, mich über 32 Cent zu unterhalten.“

Das wollte der Richter zunächst auch nicht. Er fragte, ob ein Vergleich möglich sei. Denn „chirurgisch fein“ seien die vielen Punkte kaum auseinanderzuschneiden.

Das könne ja sein, sagte K., aber er will die Sache geklärt haben. Er und sein Anwalt lassen einen ganzen Strauß von angeblichen Unzulänglichkeiten der Nebenkostenabrechnung aufblühen. Da sollen, so K., anteilig Kosten für einen Kindergarten auf dem Gelände berechnet worden sein: „Was hat die Wohnung damit zu tun?“ Auch Flächen, für die Nebenkosten umgelegt werden, seien falsch berechnet worden, Instandhaltungskosten, die Sache des Vermieters seien, würden auf die Mieter umgelegt. Müllgebühren würden zum Teil wohl doppelt berechnet, da für den Hausmeisterservice auch noch einmal Abfallabgaben fällig würden. Der Anwalt der Vermieter nahm zum Detail keine Stellung, forderte, die Klage abzuweisen. Das Gericht will seine Entscheidung Anfang April verkünden.

K. gehört zu einer Gruppe von Mietern, die sich seit Jahren kritisch mit den alten Eigentümern beschäftigt hatte. Er hatte darauf bestanden, in Unterlagen zur Nebenkostenberechnung Einsicht zu nehmen, was ihm gesetzlich zusteht. Vor Gericht sagte er, dies sei aber zunächst nicht einfach gewesen. Er habe gar ein Hausverbot für das Verwaltungsgebäude erteilt bekommen. Der Richter stellte fest, dass sich dieser Streit aber erledigt habe. Das Schicksal von K. ist kein Einzelfall, andere Mieter hatten sich in der Vergangenheit gegenüber der LZ ähnlich geäußert.

Ein zweiter Rechtsstreit gärt weiter. Wie berichtet, hatte eine Mieterin gegen die Firma Abitare geklagt: Die hatte für die Vermieter Makleraufgaben übernommen und von der Frau Courtage verlangt, das Konto war aber dasselbe, auf das sie die Miete überweisen musste. Ihr Anwalt Jens-Uwe Thümer belegte eine wirtschaftliche Verflechtung zwischen Abitare und der Ibus als Vermieter. Er forderte das Geld zurück, da es nicht erlaubt ist, für das Vermitteln eigener Wohnungen eine Gebühr zu verlangen.

Eine Odyssee begann. Denn unter der Geschäftsadresse war die Abitare nicht zu erreichen. Veränderungen waren aber nicht im Handelsregister vermerkt worden das ist eigentlich verpflichtend. Die Post teilte schließlich mit, die Firma sei ins Ausland verzogen. Thümer fand trotzdem die Anschrift des Geschäftsführers schließlich heraus, in Schenefeld bei Hamburg. Das zuständige Amtsgericht Berlin-Spandau verurteilte Abitare schließlich zu einer Zahlung von 1133,29 Euro.

Doch das Geld kann Thümer nicht eintreiben. So stellte sich heraus, dass Abitare nicht einmal über das für eine GmbH nötige Stammkapital von 25000 Euro verfügt, laut Vermögensverzeichnis fehlen 5250 Euro. Als Thümer die Zahlung des Betrages bei dem Geschäftsführer für seine Mandantin vollstrecken wollte, kam er nicht weiter. Denn gegen die Abitare läuft ein Insolvenzverfahren. Aufgrund des Gebarens der Firma schließt Jens-Uwe Thümer nicht aus, dass gegen sie ein Anfangsverdacht wegen möglicher Straftaten wie Untreue oder Insolvenzverschleppung vorliegen könnte.