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Mit Sprüchen wie ,,Wir sind es wert demonstrierten am Montag auch Erzieherinnen in Lüneburg. Sie forden mehr Gehalt. Foto: be
Mit Sprüchen wie ,,Wir sind es wert demonstrierten am Montag auch Erzieherinnen in Lüneburg. Sie forden mehr Gehalt. Foto: be

Lehre zum Traumberuf nur durch Nebenjobs möglich

mm Lüneburg. Denise Schiminski ist arm. Der Grund ist ihre Ausbildung. Sie und ihre Freundin Imke Erbuth wollen Erzieherinnen werden und absolvieren an den Berufsbildenden Schulen in Oedeme gerade das dritte von vier Ausbildungsjahren. „Das ist unser Traumberuf“, sagen die jungen Frauen. Um diesen zu verwirklichen, nehmen sie sogar Armut in Kauf. Denise stand schon Schlange bei der Tafel, um ein warmes Mittagessen zu bekommen, „andere Auszubildende sollen es mal besser haben“, sagt die 23-Jährige. Besser wollen es auch die aktuell schon Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben, dafür gingen sie am Montag auch in Lüneburg auf die Straße. Sie fordern ein Gehaltsplus von 100 Euro im Monat und eine zusätzliche Gehaltssteigerung von 3,5 Prozent (LZ berichtete).

Ein Gehalt bekommen die Erzieherinnen während ihrer Ausbildung nicht. Für Wohnung, Lebensunterhalt, Nahrungsmittel und Kleidung, eben alles was zum Leben benötigt wird, hat Denise knapp 600 Euro monatlich zur Verfügung der Betrag liegt unter dem sächlichen Existenzminimum, das sind derzeit 638 Euro. Vom Jobcenter gibt es keinen Zuschuss für die Fachschule. „Als Arbeitslose hätten wir mehr Geld“, sagt Denise. Ihr Taschengeld bessert sie noch durch einen Aushilfsjob im Mutter-Kind-Heim auf. Doch wenn sie im Praktikum ist, muss sie darauf verzichten, es wäre zeitlich nicht zu schaffen.

Imke Erbuth (l.) und Denise Schiminski plagen Geldsorgen. Die Pädagoginnen wollen ihre Ausbildungssituation für Folgegenerationen erträglicher machen. Foto: mm
Imke Erbuth (l.) und Denise Schiminski plagen Geldsorgen. Die Pädagoginnen wollen ihre Ausbildungssituation für Folgegenerationen erträglicher machen. Foto: mm

Eng eingespannt ist auch Freundin Imke. Drei bis vier Mal in der Woche verdingt sie sich durch einen Nebenjob bei der Lebenshilfe. Um ihre Ausbildung zu stemmen, hat sie sich verschuldet, das Darlehen der N-Bank umfasst 10000 Euro für zwei Jahre. Auch Imke bekommt Bafög, 206 Euro im Monat, aber nicht für die Zeit eines Praktikums. Die Praktika sind übrigens unentgeltlich. Denise arbeitet zurzeit auf der Klärungs- und Diagnostikstation der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, Imke bei der Kinder- und Jugendhilfe. „Bei dem, was wir tun, tragen wir schon viel Verantwortung, auch als Praktikanten“, verdeutlicht Denise. An Urlaub ist für sie und Imke nicht zu denken, denn auch in den Ferien müssen sie rackern, um über die Runden zu kommen. Für Denise gibt es dann auch kein Schüler-Bafög, das bedeutet 220 Euro weniger in ihrem ohnehin klammen Geldbeutel.

„Erzieherinnen werden doch gesucht, warum werden uns solche Steine in den Weg gelegt?“, fragen sich beide. Für manchen sind die finanziellen Hürden gar zu groß. Um knapp ein Viertel sei die Zahl an Auszubildenden allein in ihrem Jahrgang zurückgegangen, aus vier Klassen wurden drei. „Einige Mitschüler betreffen die Geldsorgen auch noch nicht so wie uns.“ Die wohnten dann meist noch zu Hause. Den „Luxus“ gibt es für Denise und Imke nicht, die aus Schneverdingen und Hannover zugezogen sind, um in Lüneburg ihre Ausbildung zu beginnen. „Noch halten wir irgendwie durch, auch weil es eine tolle Ausbildung ist“, sagt Denise. Sie rechnet heute schon durch, wieviel Geld sie einmal als Erzieherin verdienen wird. „Das ist natürlich mehr als jetzt ­ und ich weiß gar nicht, wie sich das anfühlt, so viel Geld auf dem Konto zu haben.“ Reichtümer werden Denise und Imke aber wohl nicht anhäufen können.