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Werner Preuß stellt sein neues Buch ,,Lüneburger Miniaturen vor. Zwei Jahre hat er daran gearbeitet, es wurden 750 Exemplare gedruckt.
Werner Preuß stellt sein neues Buch ,,Lüneburger Miniaturen vor. Zwei Jahre hat er daran gearbeitet, es wurden 750 Exemplare gedruckt.

Ein Bummel durch die Stadtgeschichte

ca Lüneburg. Das Rondell im Asphalt vor der Ritterakademie erinnert an Lüneburgs mittelalterliche Vergangenheit, dort reckte sich einst der Springintgutturm mehr als 80 Meter in die Höhe, zum Vergleich: Der Wasserturm erhebt sich gerade mal knapp 55 Meter über das Gelände. Wie er wohl einst aussah, zeigt eine der ältesten Ansichten Lüneburgs. Sie findet sich auf dem Heiligenthaler Altar in der Nicolaikirche. Der Hamburger Maler Hans Bornemann hat ihn Mitte des 15. Jahrhunderts gestaltet. Der Turm wurde als Gefängnis genutzt, der berühmteste Häftling Johann Springintgut gab ihm seinen Namen.

Diese Geschichte erzählt Prof. Dr. Werner Preuß in seinem neuen Buch „Lüneburger Miniaturen“ und hat sich einmal mehr als Stadtchronist bewiesen. Denn er hat zuvor fachkundig und heiter über das Wasserviertel geschrieben, über die Biedermeier-Zeit, aber hat auch ein düsteres Thema beleuchtet: das Lager Kaland, eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme. Nun bummelt er in Episoden durch Lüneburger Jahrhunderte.

Eben auch bei Springintgut. Der spielte ein Rolle im sogenannten Prälatenkrieg. Es ging damals darum, wer die drückenden Schulden der Stadt zahlen soll. Auch die Kirche, die bestens an der Salzproduktion verdiente, sollte einen Anteil leisten. Die wollte sich daran so gern beteiligen, wie Franz-Peter Tebartz-van Elst sich in Limburg einen kleineren Bischofssitz gegönnt hätte. Jedenfalls wurde Bürgermeister Spring­intgut mit einem päpstlichen Bann belegt, abgesetzt und eingekerkert. Nach zwölf Wochen in Haft hauchte der arme Kerl sein Lebenslicht aus: Eine zeitgenössische Darstellung zeigt den Stadtherren, wie eine kleine Figur, seine Seele, aus ihm gen Himmel aufsteigt. Grund genug, für die später wieder stolzen Lüneburger, den Turm nach Springintgut zu benennen.

Preuß erzählt auch von den dicken Häusern bekanntlich wölben sich einige Mauern so stark, als würden sie einen mächtigen Bauch vor sich tragen, etwa an der Waage- und an der Ecke Bäcker-/Münzstraße finden sich solche Lüneburger Moppel. Die Treibkraft des Gipsmörtels soll angeblich die Schuld haben an den Verformungen. Die Geschichte geht schräg weiter, führt in die Michaeliskirche. Mächtige Säulen sind dort gewaltig aus dem Lot geraten, der unruhige Lüneburger Untergrund trägt seinen Anteil bei.

Auch das Treiben im Hafen vor Jahrhunderten, als der Kran mit reiner Muskelkraft betrieben wurde und die Schiffe mit Salz in Richtung Lübeck belud, wird bei Preuß lebendig. Dabei räumt der Autor auch mit dem Glauben auf, Koggen wären die Ilmenau hinaufgeschippert, um als Handelsschiffe Waren in die alte Großstadt Lüneburg zu bringen, die sich von ihren Einwohnerzahlen mit der Hanseschwester Hamburg vergleichen konnte. Koggen waren zu groß für die Ilmenau, sie segelten etwa über die Ostsee. Über den Fluss fuhren Ewer, ein Modell ziert heute die Spitze der Fassade des Alten Kaufhauses.

Das Heft ist im Buchhandel zu haben und kostet 19,80 Euro.