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Die Lehrer am Johanneum nutzten die Pause, um gegen die Erhöhung der Wochen-Unterrichtszeit an den Gymnasien zu protestieren.
Die Lehrer am Johanneum nutzten die Pause, um gegen die Erhöhung der Wochen-Unterrichtszeit an den Gymnasien zu protestieren.

Protest um fünf vor zwölf

us Lüneburg. „Mehr Arbeitszeit bringt Stress und Leid“ oder „Entspannte Lehrer sind gute Lehrer“ ­ mit diesen und anderen Plakatsprüchen haben die Lehrer der Lüneburger Gymnasien gestern gegen die geplante Erhöhung der Wochen-Unterrichtszeit an den niedersächsischen Gymnasien protestiert. Auch die Lehrer des Gymnasiums in Bleckede hatten sich am Vormittag dem Protest ihrer Lüneburger Kollegen angeschlossen.

„Wir lieben unseren Beruf und wir möchten guten Unterricht machen“, sagt Ingrid Lönngren, Lehrerin am Johanneum und Mitglied im Personalrat des Gymnasiums. Das aber sei durch die geplante Erhöhung der Wochen-Unterrichtszeit um eine Stunde auf 24,5 Stunden gefährdet.

„Die Gymnasiallehrer haben bereits jetzt eine enorme Belastung“, sagt Lönngren und führt dazu an, dass zusätzlich zu den geforderten Unterrichtszeiten nicht nur der Unterricht vorbereitet und Klausuren korrigiert, sondern auch die Abiturprüfungen geplant und begleitet werden müssten. Hinzu kämen auch die psychischen Belastungen, die in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. Dadurch seien mehr Elterngespräche erforderlich, auch die Klassenleitung sei „kräftezehrender und zeitaufwändiger“ geworden.

Fridtraut Herrmann-Eberlein empfindet es als „absolute Zumutung, dass wir noch mehr arbeiten sollen“. Ihre Empörung zieht sie aus einem Gutachten, das angeblich bei der niedersächsischen Landesregierung „in der Schublade“ liegen soll und in dem nachgewiesen sei, dass die Lehrer bereits jetzt schon 50 Stunden und mehr arbeiten, „inklusive der Ferien, aber ohne die Sommerferien“, berichtet die Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Werte und Normen am Johanneum.

Der Protest richtet sich aber nicht nur gegen die geplante Erhöhung der Stundenzahl. „Die versprochene Altersermäßigung für Lehrer über 60 soll auch reduziert werden, und zwar um eine Stunde“, sagt Lönngren. Besonders empört sie sich darüber, dass die zwischen 1998 und 2008 angefallenen zwei Zusatzstunden pro Woche, zu denen die Lehrer damals verpflichtet wurden und die ihnen gutgeschrieben werden sollten, „damit unterm Strich wegfallen“.

Anlass ihrer Aktion, die symbolträchtig fünf Minuten vor zwölf während der Pause an den beteiligten Schulen lief, ist eine Anhörung zu dem Thema, die heute im Kultusausschuss des Landtags stattfindet. Pünktlich um 12 Uhr war die Aktion beendet, denn bekanntlich dürfen Lehrer ja nicht streiken.

2 Kommentare

  1. Hab ich da was falsch verstanden? Gemeint sind doch wohl Unterrichtsstunden, und da hat eine „Stunde“ ziemlich genau 45 Minuten.

    Nicht dass dadurch die Situation irgendwie besser wäre, wenn sie denn wirklich schlecht ist, aber es rückt für den „Normalbürger“ den zeitlichen Anteil für Unterricht im Verhältnis zur Wochenarbeitszeit doch in ein etwas anderes Licht.

  2. Werner Schneyder

    Das von den alten Landesregierungen beschlossene „Vorarbeiten“ sollte nicht zurückgenommen werden, es blamiert die Politik an sich.
    Die Erhöhung der Unterrichtszeit ist falsch, weil Unterrichtszeit in Deutschland generell zu hoch ist. Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für Beratung usw. Der Gedanke, alle Lehrkräfte müssen gleich viel unterrichten sollen, ist altbacken, weil des Korrekturfächer und Nicht-Korrekturfächer gibt.
    Der Protest hingegen ist unglaubwürdig: Studienräte an den Gesamtschulen haben immer schon die neu beschlossene Unterrichtszeit ableisten müssen. Und dort die Schülerschaft heterogener, man kennt kein Sitzenbleiben und kein Abschulen.