Dienstag , 27. September 2016
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Drei Bomben wurden in den vergangenen Wochen An der Wittenberger Bahn gefunden. Nun weitet die Stadt das Suchgebiet aus. Foto: A/t&w
Drei Bomben wurden in den vergangenen Wochen An der Wittenberger Bahn gefunden. Nun weitet die Stadt das Suchgebiet aus. Foto: A/t&w

Wo die Bomben liegen könnten

us Lüneburg. Drei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind in den letzten Wochen auf dem freigeräumten Gelände An der Wittenberger Bahn gefunden worden, „mehr als anhand der Kartenauswertung zu vermuten war“, berichtete Lüneburgs Umweltdezernet Markus Moßmann in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Grund für diese „Unwägbarkeiten“, wie Moßmann es nannte, sei die nicht immer eindeutige Auswertung von Luftbildaufnahmen, die als Grundlage für die gezielte Suche nach den Blindgängern dienen.
2008 hatte die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, um feststellen zu lassen, wo auf dem Gebiet der Hansestadt Bomben niedergegangen sind. Mehr als 1200 Aufnahmen sind daraufhin gesichtet und ausgewertet worden, die Ergebnisse inzwischen in eine Übersichtskarte eingearbeitet.

„Die Karte zeigt, wo ein Bombentrichter auf den Luftbildaufnahmen ausgemacht werden konnte“, erläuterte Moßmann in der Sitzung. Die meisten Trichter wurden erwartungsgemäß um das Gebiet des Lüneburger Bahnhofs festgestellt, zwei weitere Schwerpunkte gibt es bei der Scharnhorst-Kaserne im Südwesten und bei der Theodor-Körner-Kaserne im Osten. Ziel der Angriffe war auch der benachbarte damalige Fliegerhorst.

Das Gebiet um den Bahnhof bildet den Schwerpunkt der Bombardierungen (rote Punkte) von Lüneburg. Montage: LZ
Das Gebiet um den Bahnhof bildet den Schwerpunkt der Bombardierungen (rote Punkte) von Lüneburg. Montage: LZ

Das Problem: Nicht jeder Trichter, so Umweltdezernent Moßmann, sei auch auf den Aufnahmen erkennbar sei es, weil Baumkronen den Einschlag verdecken, oder weil sie in Gewässer, also die Ilmenau oder den Lösegraben, gefallen sind. Hinzu kommt, dass Bomben in bereits vorhandene Trichter gefallen sein können. „Ob diese dann auch explodiert sind oder sich noch als Blindgänger im Boden befinden, lässt sich anhand der Aufnahmen nicht feststellen.“

Doch es gibt noch weitere Ungewissheiten: So sei beispielsweise nicht bekannt, ob nicht bereits kurz nach den Bombenabwürfen oder nach dem Krieg nach Blindgängern gesucht und ob diese entfernt worden seien. „Auch über mögliche Bombenfunde und -räumungen in den Jahren danach gibt es keine Aufzeichnungen“, informierte Moßmann.

Um mögliche Detonationen, die durch Erschütterungen bei Bauarbeiten auf dem Gebiet der Wittenberger Bahn ausgelöst werden könnten, auszuschließen, hat die Stadt in den letzten Wochen den Grünstreifen zwischen Ilmenau/Lösegraben und Baugebiet und die Ilmenau selbst nach möglichen Blindgängern abgesucht. Die Ergebnisse aus der Auswertung sollen in Kürze vorliegen.

Auch westlich der Ilmenau auf dem Gebiet der Kleingartenkolonie, DLRG und Schröders Garten soll jetzt genau nachgeschaut werden, ob sich nicht auch dort noch explosive Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs im Boden befinden. Großflächige Sondierungen, wie sie entlang des Grünstreifens oder auf der Ilmenau stattgefunden haben, seien allerdings nicht geplant „dazu ist das Gebiet zu kleinteilig“, sagte Moßmann.

Stattdessen will man sich zunächst „weiter an das Gelände heranzoomen“, sprich die Luftbilder noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und auch neueres Kartenmaterial heranziehen. Die Stadt rechnet mit Zusatzkosten in Höhe von rund 10000 Euro. Sollten sich im Rahmen der weiteren Auswertung Verdachtsgründe ergeben, werde gezielt vor Ort sondiert und gegebenenfalls der Kampfmittelbeseitigungsdienst eingeschaltet. „Wie dann weiter vorgegangen wird, entscheiden die Experten“, so Umweltdezernent Moßmann.

Sobald das Ergebnis der neuen Auswertung vorliegt, will die Stadt die Anwohner erneut zu einem Informationsgespräch einladen. Bei einem ersten Gespräch, das bereits Anfang des Jahres stattgefunden hat, wurden ihnen bereits erste Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben. So seien Erdarbeiten nur mit äußerster Vorsicht durchzuführen.