Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Hier wird das Ilmenauflussbett im alten Hafen nur ausgebaggert. Wenn jetzt der Wasserstand generell fällt, könnte das die Gründung der Häuser am Wasser angreifen. Foto: A
Hier wird das Ilmenauflussbett im alten Hafen nur ausgebaggert. Wenn jetzt der Wasserstand generell fällt, könnte das die Gründung der Häuser am Wasser angreifen. Foto: A

Wasserviertel ohne Wasser?

us/jk Lüneburg. Droht Lüneburgs Wasserviertel, bald auf dem Trockenen zu stehen? Ein solches Szenario wäre denkbar, wenn die Pläne des Bundes, die Ilmenau nicht mehr als Bundeswasserstraße einstufen zu wollen, Wirklichkeit werden. „Der Wasserspiegel der Ilmenau könnte sich um bis zu 70 Zentimeter senken“, berichtete Volker Schulz, Leiter des Bereichs Umwelt bei der Stadt, in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses.

Grund könnte ein ungebremstes Abfließen der Ilmenau sein, wenn die Schleusen und Wehre der Ilmenau auf ihrem Weg von Lüneburg zur Elbe der Teil der Ilmenau, der den Status einer Bundeswasserstraße hat nicht mehr erhalten bleiben und in der Folge auch nicht mehr für eine Aufstauung des Flusses sorgen. Die Stadt befürchtet deshalb unabsehbare Folgen für die Standsicherheit der Häuser im Wasserviertel.

Aber auch flussabwärts drohen Gefahren. Bei einer Begehung des Ilmenau-Umfeldes bei Wittorf haben kürzlich die Mitglieder des Vereins „Historische Ilmenau“ erfahren, welche möglichen Schäden das Fehlen von Wehren und Schleusen haben könnte. Denn Feuchtwiesen, Laichgebiete und Gräben waren trockengefallen, nachdem im Herbst die Nadelwehre von Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg (WSA) gezogen wurden, um die Ilmenau wie gewohnt in den Wintermonaten Oktober bis März abfließen zu lassen.

Einer Machbarkeitsstudie zufolge würde eine Sanierung der Bauwerke den Bund schätzungsweise 19 Millionen Euro kosten Geld, das der Bund einsparen könnte, wenn die Ilmenau keine Bundeswasserstraße mehr ist, da Berlin dann nicht mehr für die Pflege und Instandhaltung der technischen Anlagen zuständig wäre.

Bereits vor einem Jahr hatte der Rat der Hansestadt einen Forderungskatalog beschlossen, um den Folgen einer Herabstufung der Ilmenau entgegenzuwirken. Zentrale Punkte: Vermeidung von Setzungsschäden bei Gebäuden und Erhalt der Schiffbarkeit mindestens bis Bardowick sowie die Berücksichtigung jahrzehntelang gemessener Wasserstände bei einer weiteren Variantenbetrachtung.

In der Sitzung des Umweltausschusses machte Schulz jetzt deutlich, dass der Weg zu einer Herabstufung der Ilmenau erst begonnen habe und dass es durchaus noch Spielraum für Verhandlungen gebe. Denn neben dem Bundeswasserstraßengesetz sei auch das Wasserhaushaltsgesetz sowie das Wasserverbandsgesetz zu berücksichtigen. Die Rechtsverhältnisse des Verbandes werden durch eine Satzung geregelt, zu deren Änderung es der Genehmigung der Aufsichtsbehörde bedarf. „Die zuständige Behörde hierfür aber ist der Landkreis Lüneburg“, so Schulz. Darüber hinaus gebe es das Niedersächsische Wassergesetz, das regelt, welche Gewässer schiffbar sind. „Zuständige Behörde ist das Niedersächsische Verkehrsministerium“, erläuterte Schulz.

Die Stadt will jetzt darauf hinwirken, „dass die Ilmenau zumindest ein schiffbares Gewässer wird“. Zugleich strebt sie an, dass entweder der Bund Eigentümer bleibt oder das Land Niedersachsen Eigentümer der Ilmenau wird.

Dass etwas geschehen muss, um ein Trockenfallen ganzer Gebiete zu verhindern, fordert auch Bernd-Jürgen Strauch, zweiter Vorsitzender des Vereins „Historische Ilmenau“: „Das Wasserwirtschaftsamt kann die Ilmenau nicht einfach sich selber überlassen“, bringt er die Situation auf den Punkt. Er vermutet: „Hier soll jahrelanges Versagen durch eine Machbarkeitsstudie kaschiert werden. Das ist der falsche Weg.“ Der Mann weiß, wovon er spricht: Bis zu seiner Pensionierung war Strauch selbst Mitarbeiter der Lauenburger Behörde und dort zuständig für Wasserbau und Unterhaltung der Bereiche Elbe sowie Ilmenau.