Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Wie erklärt man die EU?
Oliver Krentz ist EU-Mitarbeiter und ehemaliger Schüler des Gymnasiums Oedeme, im Rahmen des Programms ,,Back to School berichtete er über seine Arbeit.
Oliver Krentz ist EU-Mitarbeiter und ehemaliger Schüler des Gymnasiums Oedeme, im Rahmen des Programms ,,Back to School berichtete er über seine Arbeit.

Wie erklärt man die EU?

us Lüneburg. „Wenn Ihr mehr über diese Krise wisst, wisst Ihr mehr über mich und die EU“, kündigte Oliver Krentz vor den rund 200 Schülern des Gymnasiums Oedeme an, die am Montag zur ersten Stunde in die Schulmensa gekommen waren. Acht Jahre nach seinem Abitur am Gymnasium Oedeme war Oliver Krentz noch einmal in seine alte Schule zurückgekehrt allerdings nicht, um dort noch einmal die Schulbank zu drücken, sondern um in seiner neuen Rolle als Mitarbeiter der Europäischen Union ans Rednerpult zu treten. Und dazu hatte er ein aktuelles Thema im Gepäck: die Krise in der Ukraine.

Seit 2012 ist der aus Westergellersen stammende Oliver ­Krentz Mitarbeiter im Sekretariat des Auswärtigen Ausschusses des EU-Parlaments und dort für die Länder USA, Kanada, Australien und Neuseeland zuständig. „Für die Abgeordneten, die Informationen zu diesen Ländern haben wollen, bin ich das Mädchen für alles“, berichtete er. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Parlamentarier über aktuelle Themen zu informieren, er organisiert Treffen und macht Vorschläge für Veranstaltungen. „Der eigene Gestaltungsspielraum ist sehr groß“, sagt Krentz, überhaupt findet er, „dass die EU ein Segen ist“, auch wenn die öffentliche Wahrnehmung bisweilen „wenig akkurat bis grau“ sei.

In Brüssel hatte er sich beworben, weil er sich immer schon für internationale Politik interessiert habe. Nach dem Studium der Internationalen Politik in London hatte er sich im Online-Verfahren gegen mehrere Tausend andere Bewerber durchgesetzt und es auf „die Liste“ mit den Kandidaten geschafft, die zwar grundsätzlich als Mitarbeiter in Frage kamen, ein Jobangebot aber erst erhalten sollten, wenn auch eine entsprechende Nachfrage aus den Ressorts vorlag. Zwei Jahre später war es so weit.

„Das Geschehen in der Ukraine hat niemanden von uns unberührt gelassen“, sagte Krentz, als er sich seinem eigentlichen Vortragsthema näherte. Doch wie stellt man es an, wenn man erklären will, welche Rolle die EU in den Vorgängen um die Ukraine gespielt hat? „Um das zu verstehen, müssen wir zurück ins Jahr 1989“, sagte er und berichtete von Rechtsstaatlichkeit, freiem Handel und Wohlstand, dem Unterschied zwischen Polen und Italienern der eigentlich gar keiner sei , der Rolle Deutschlands als Außenhandelspartner, dem Gründungsvertrag von Rom, den Kopenhagener Kriterien und von der schwierigen Aufgabe des EU-Erweiterungskommissars. „Vermittlungen, Vermittlungen, Vermittlungen“, das sei das Geschäft der Diplomaten, und mit Blick auf die Ukraine fügte er hinzu: „Uns ist eine komplizierte politische Lösung lieber als Blutvergießen auf der Straße.“

Dass während seiner Ausführungen im Hintergrund eine Schülerband der benachbarten Oberschule probte und in der Mensa, die ja gerade als Vortragssaal genutzt wurde, auch die Getränkeausgabe für alle übrigen Schüler geöffnet war, störte EU-Mitarbeiter Oliver Krentz ebenso wenig wie die Gymnasiasten, die bewundernd aufmerksam dem einstündigen Krentz-Vortrag lauschten.

Zu dem Vortrag war es überhaupt nur durch Zufall gekommen. „Wir haben uns beim letzten Ehemaligen-Treffen wiedergesehen und dabei dann die Veranstaltung geplant“, sagt Uta Würdemann, die als Lehrerin am Gymnasium Oedeme Oliver Krentz unterrichtet hatte. Dieser hatte sich daraufhin einem Programm angeschlossen, das die Brüsseler Behörde ihren Mitarbeitern anbietet und das sich „Back to School“ nennt. „Ein guter Weg, die Arbeit der EU vor Ort transparenter zu machen“, wie Oliver Krentz findet. Seine Schule würdigte sein Kommen nicht nur mit einem vollen Saal und viel Applaus, sondern auch mit Fragen zum Freihandelsabkommen zwischen Deutschland und den USA, zu den Flüchtlingsbooten im Mittelmeer und zur Verständigung innerhalb der EU-Behörde. Und während er zu seinem „beruflichen Werdegang und wie man zu dem EU-Job kommt“ befragt wurde, hätte sich Schüler Joshua Dittmer „gern ein paar Gegenstimmen zur EU-Position“ gewünscht.