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Dieter Weihser (r.) und Alexander Gröger, Student der Nachhaltigkeitswissenschaften, gehören zu den Initiatoren der Tagung. Sie berichten, dass rund 45 Fischarten in der Ilmenau zu Hause sind. Fischtreppen, wie hier an der Ratsmühle, können aber nur starke Schwimmer bewältigen.
Dieter Weihser (r.) und Alexander Gröger, Student der Nachhaltigkeitswissenschaften, gehören zu den Initiatoren der Tagung. Sie berichten, dass rund 45 Fischarten in der Ilmenau zu Hause sind. Fischtreppen, wie hier an der Ratsmühle, können aber nur starke Schwimmer bewältigen.

Eine Initiative für die Ilmenau

ca Lüneburg. Viele Erwartungen gibt es an die Ilmenau: Die einen möchten sie schiffbar halten, Wehre und Schleusen sollen instand gesetzt werden, auch damit Nebenarme nicht trockenfallen. Doch das zuständige Wasser- und Schifffahrts­amt hält wenig davon: Es fahren kaum Boote auf dem Fluss, der einst eine Lebensader der Hanse war, 19 Millionen Euro Kosten für entsprechende Baumaßnahmen seien zu viel. Der Flusslauf zwischen Stintmarkt und Elbe soll seine Eigenschaft als Bundeswasserstraße verlieren. Unabhängig von dieser Diskussion möchte die Ilmenau-Initiative einen anderen Aspekt beleuchten, wie etwa die Wehre und Fischtreppen, die aus Sicht der Gruppe ihren Zweck nur bedingt erfüllen. Sie lädt für Donnerstag, 5. April, zu einer Informationsveranstaltung in die Uni ein. Titel: „Zurück in die Zukunft.“

Schon seit einem Jahr beschäftigen sich Studenten der Umweltwissenschaften um Prof. Dr. Birgitt Brinkmann, wie berichtet, mit diesem Thema. Zu ihrer Initiative ist Dieter Weihser dazugestoßen, seit 30 Jahren ein begeisterter Angler an der Ilmenau. Gemeinsam haben sie mehrere Widrigkeiten ausgemacht, die dem Fluss und seinen Bewohnern das Leben schwer machen. Dazu gehören Wehre und Mühlen. Zwar gebe es beispielsweise an der Abtsmühle im Wasserviertel und an der Ratsmühle in Höhe der alten Nordlandhalle Fischtreppen, sagt Weihser. Doch die könnten nur „starke Schwimmer“ nutzen, um weiter in den Oberlauf des Flusses zu gelangen: „Lachse und Aale schaffen das, Karpfen aber beispielsweise nicht und auch nicht Wirbellose, die sich am Boden fortbewegen.“ Und es gehe nicht nur um den Auf-, sondern auch um den Abstieg: Denn mancher Fisch ende in den Turbinen, die unter den Mühlen Strom erzeugen.

Probleme sehen die Aktiven darin, dass es über die Wehre zu einem Rückstau kommt mit im Wortsinne weit reichenden Folgen: Durch das Verlangsamen der Fließgeschwindigkeit komme es zu Sandablagerungen. Sandbänke finden sich nicht nur im alten Hafen, sondern auch an der Brücke an der Roten Schleuse.

Dies und weitere Faktoren haben Auswirkungen. So gebe es nur am Oberlauf und den beiden Zuflüssen, die sich zur Ilmenau vereinen, ursprüngliche Forellenarten. Weiter unten sorgen Anglervereine für frischen Besatz sonst gäbe es kaum noch Forellen im Unterlauf. Die Initiatoren sehen durch die Eingriffe beziehungsweise mangelnde Pflege des Flusses über kurz oder lang auch Folgen für die Qualität des Trinkwassers, denn das werde quasi im Einzugsgebiet der Ilmenau gewonnen.

Handlungsbedarf leiten Weihser und seine Mitstreiter aus der Wasserrahmenrichtlinie der EU ab. Sie wurde bereits 2001 verabschiedet, bis Ende 2015 sollen Oberflächengewässer in einem ersten Schritt in einen guten Zustand versetzt werden. Für die Ilmenau-Initiative sind dafür beispielsweise andere Fischtreppen erforderlich, die durchaus unauffällig aussehen könnten und sich etwa am Stintmarkt nicht mit dem Denkmalschutz und der Stadtbildpflege ins Gehege kommen müssten.

Am Ende solle die „bestmögliche Lösung für die Ilmenau“ stehen, sagt Weihser: „Das wird nicht die billigste sein, um dem Fluss seine Natürlichkeit wiederzugeben.“
Wie es weitergehen kann am Fluss, über den Lüneburg bis in das vergangene Jahrhundert Waren transportierte, dazu äußern sich Fachleute bei der Tagung in der Uni. Stellung nehmen sie zu rechtlichen, biologischen und technischen Fragen. Die Tagung beginnt um 14 Uhr in Hörsaal5. Mehr Infos bei Dieter Weihser unter Tel. 64176.