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Gaby Keck (r.) und Heike Zabel achten beim Memory genau auf die Aussprache von Hero (l.) und Marietta. Die beiden Erzieherinnen aus der städtischen Kita Heidkamp leiten seit August die Fachstelle für Sprachbildung bei der Hansestadt Lüneburg.
Gaby Keck (r.) und Heike Zabel achten beim Memory genau auf die Aussprache von Hero (l.) und Marietta. Die beiden Erzieherinnen aus der städtischen Kita Heidkamp leiten seit August die Fachstelle für Sprachbildung bei der Hansestadt Lüneburg.

Spielend zur Sprache finden

sp Lüneburg. Marietta (6) und Hero (5) spielen gemeinsam mit ihren Erzieherinnen Memory. Das macht nicht nur Spaß und trainiert das Gedächtnis  ihre Erzieherinnen Gaby Keck und Heike Zabel aus der städtischen Kita Heidkamp haben dabei auch die Möglichkeit, ganz genau auf die Aussprache der Kinder zu achten. Fachleute sprechen von alltagsintegrierter Sprachbildung.

„Sprachförderung findet immer und überall statt“, erklärt Gaby Keck, stellvertretende Leiterin der Kita Heidkamp. „Wichtig ist, dass ich als Erzieherin das Kind nie aktiv verbessere, auch wenn es ein Wort falsch ausgesprochen hat. Besser ist es, die Aussage des Kindes zu spiegeln. Das heißt, ich stelle das, was das Kind gesagt hat, in einer kurzen Antwort richtig.“ Marietta und Hero haben keine Probleme, sich auszudrücken, andere Kinder aber brauchen Unterstützung, wenn es ums Sprechen geht. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Heike Zabel leitet Keck die Fachstelle für Sprachbildung in Kindertagesstätten bei der Hansestadt Lüneburg. Mit ihrer Arbeit setzen die beiden Frauen eine Richtlinie der Niedersächsischen Landesregierung zur Sprachbildung und Sprachförderung in Kindertagesstätten um.

Das Ziel des Lüneburger Konzeptes: Sprachbildung und Sprachförderung sollen auf alle Schultern verteilt werden. Bislang gab es in den städtischen Kitas und den Einrichtungen anderer Träger vereinzelt Erzieherinnen und Erzieher, die eine Zusatzausbildung zur Fachkraft für Sprachkompetenz absolviert haben. Sie waren quasi alleine verantwortlich für die separierte Sprachförderung in ihrem Haus, abseits vom Alltag. Das soll sich ändern, denn Sprachbildung ist eine Querschnittsaufgabe, die alle Erzieherinnen und Erzieher betrifft. Heike Zabel erläutert: „Kita-Kinder lernen ganz viel über Beziehungen. Viele Kinder suchen sich schnell eine Bezugsperson in ihrer Einrichtung, die sich dann ganz gezielt Zeit nehmen und mit dem Kind arbeiten kann.“

Die Erzieherin oder der Erzieher kann bei der Sprachförderung verschiedene Rollen einnehmen. Deshalb ist es entscheidend, dass alltagsintegrierte Sprachbildung bewusst und reflektiert abläuft. Wie kann ich ein schüchternes Kind locken und dessen Interesse wecken, sich zu äußern? Gaby Keck sagt: „Wenn ich als Erzieherin zum Beispiel offene Fragen stelle, auf die das Kind nicht bloß mit Ja oder Nein antworten kann, komme ich ganz schnell auch mit zurückhaltenden Kindern ins Gespräch.“ Die zweite Säule der alltagsintegrierten Sprachbildung ist die Reflexion: Dabei geht es darum, Fortschritte der Kinder wahrzunehmen, diese zu notieren und sich im Dialog mit anderen Erzieherinnen und Erziehern über die Beobachtungen auszutauschen. „Nur wenn ich weiß, wo das Kind gerade steht, kann ich ihm gezielt Förderung anbieten“, so Keck.

Logopädische Probleme können die Fachkräfte in den Einrichtungen nicht behandeln. Sie kümmern sich vielmehr um Kinder, die einen zu geringen Wortschatz haben oder beim Sprechen einzelne Silben verschlucken. Dabei ist die Elternarbeit ein ganz wichtiger Faktor. Heike Zabel sagt: „Die Kita kann nicht alles regeln und richten. Häufig reicht es schon, wenn wir den Eltern kleine Übungen zeigen, mit denen die Kinder zu Hause zum Beispiel spielerisch ihre Mundmotorik trainieren können. Wir kennen aber auch Adressen und wissen, wo Eltern und Kindern professionell geholfen werden kann.“ Diese Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern, aber auch darüber hinaus in einem Netzwerk von Unterstützern und Fachleuten ist explizit Teil des neuen Lüneburger Sprachbildungskonzeptes.