Dienstag , 27. September 2016
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Ein Blick in die Zukunft

pet/us Lüneburg. Deutlich leerer als normal war es gestern in vielen Schulen. Mehr Betrieb war dafür in zahlreichen Behörden, Unternehmen und Büros. Der Grund: Es war Mädchen- und Jungen-Zukunftstag, der Tag, an dem Mädchen in überwiegend von Männern besetzte Berufe hineinschnuppern können, während Jungen Arbeitsplätze besuchen, die vorwiegend von Frauen besetzt sind.

Zehn Mädchen aus den Klassen 6 bis 8 waren auch für einen halben Tag bei der Landeszeitung zu Gast. Dort erklärte ihnen Chef vom Dienst Joachim Zießler die Abläufe in der Redaktion, danach ging es auf Recherchetour an Plätze, an denen ebenfalls Jugendliche Arbeitsluft schnupperten, zur Polizei und zur Leuphana Universität, in die Ratsbücherei und zur Avacon.

Wie die Profis: Max Groß (v.r.) und Moritz Gückel mit Polizeikommissar Henning Witte am Arbeitsplatz in der Einsatzstelle. Foto: t&w
Wie die Profis: Max Groß (v.r.) und Moritz Gückel mit Polizeikommissar Henning Witte am Arbeitsplatz in der Einsatzstelle. Foto: t&w

48 Schüler waren in die Wache der Lüneburger Polizeiinspektion Auf der Hude gekommen. Unter anderem informierten sie sich über die Arbeit in der Wache mit den Gewahrsamzellen, über die Lasermessstation und die Arbeit des Erkennungsdienstes. Ein „komisches Gefühl“ hatte Johanna Schimming vom Gymnasium Oedeme beim Betreten der Zellen, „vor allem, wenn die Tür zugeht“, sagte die Zwölfjährige. Für Jette Lade von der Realschule Scharnebeck war es bereits der dritte Zukunftstag. Ob sie mal Polizistin wird, will sie sich aber noch überlegen.

Ganz anders Chantal Kieling. „Ich würde gern Bibliothekarin werden“, sagte die Zwölfjährige von der Wilhelm-Raabe-Schule. Sie war gestern die einzige Teilnehmerin beim Zukunftstag in der Ratsbücherei. „Das andere Mädchen ist leider nicht gekommen“, bedauerte Bibliothekarin Antje Bechly. Chantal kam das zugute. „Ich helfe oben bei der Information, die richtigen Titel zu finden, und frage auch nach, was der Leser genau sucht“, berichtete sie. Bücher sind ihr Leben, mehr als 200 habe sie bestimmt schon gelesen, schätzt sie, „am liebsten Krimis“. Ihr Fazit des Tages fiel eindeutig aus: „Ich fand alles gut!“

Chantal Kieling möchte gern Bibliothekarin werden. Ihren Zukunftstag in der Ratsbücherei fand sie "super". Foto: t&w
Chantal Kieling möchte gern Bibliothekarin werden. Ihren Zukunftstag in der Ratsbücherei fand sie „super“. Foto: t&w

Zwölf Mädchen und Jungen hatte die Avacon an der Lindenstraße zu Gast. Für die ging es unter anderem auch ganz hoch hinaus mit dem 14 Meter hohen „Steiger“, einer hydraulischen Arbeitsbühne, wie Avacon-Kommunalreferent Hartmut Jäger erklärte. „Ich fand es nicht so schlimm“, erzählte Kyra Petermann, Siebtklässlerin aus der Herderschule. Klassenkameradin Sonja Hammer hat eigentlich Höhenangst, „aber dann war es doch cool“. Gemeinsam mit Auszubildenden der Avacon löteten die Jugendlichen eine Solarzellen-Lampe, Patrick Blüthner zeigte ihnen das Blockheizkraftwerk.

„Die Mädchen waren immer mit viel Spaß dabei, unsere Zeit hat kaum gereicht“, berichtete Prof. Dr. Kai Niebert vom Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie der Leuphana Universität. Insgesamt 22 Schülerinnen waren zu Gast. Niebert zeigte ihnen, ,,dass es in der Chemie nicht nur darum geht, irgendwelche Experimente zu machen, sondern darum, gemeinsam ein Problem zu lösen“. Sieben Gläser mit weißen Pulvern standen auf dem Arbeitstisch. Mit Kittel und Brille geschützt, mit Hilfe von Wasser, Hitze und Mikroskop, versuchten die Gäste herauszubekommen, was die einzelnen Gläser enthalten.

Prof. Dr. Kai Niebert (v.l.) erklärt Anna Großmann, Wiebke Grannemann und Stefanie Burmester, wie es im Chemielabor zugeht. Foto: be
Prof. Dr. Kai Niebert (v.l.) erklärt Anna Großmann, Wiebke Grannemann und Stefanie Burmester, wie es im Chemielabor zugeht. Foto: be

Die Mädchen, die auf dem Campus Scharnhorststraße zu Gast waren, erfuhren einiges über Chemie, sie besuchten das Rechenzentrum und das Medienzentrum, berichtete Caroline Prawitt vom Gleichstellungsbüro der Hochschule. 15 Jungen sahen sich bei den Kulturwissenschaftlern um, zehn weitere Mädchen bauten am Standort Volgershall Roboter.

Nach vier, fünf Stunden ging der Schnupper-Arbeitstag für die Mädchen und Jungen zu Ende, viele nahmen nützliche Anregungen mit nach Hause. Janko Skorning vom Gymnasium Oedeme war mit dem Tag bei der Landeszeitung jedenfalls zufrieden: „Es war interessant, den Redakteuren bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen zu können.“ Ein Video von den Schülern, die ihren Zukunftstag bei LZplay gemaht haben, gibt es unter www.facebook.com/lzplay.