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Ortsbürgermeister Jens-Peter Schulz, Fahrer Martin Wutke und Initiator Hartmut Deja (v.l.) mit dem Kleinbus am Edgar-Schaub-Platz in Ochtmissen.
Ortsbürgermeister Jens-Peter Schulz, Fahrer Martin Wutke und Initiator Hartmut Deja (v.l.) mit dem Kleinbus am Edgar-Schaub-Platz in Ochtmissen.

Ochtmissen fährt die starke Linie

ca Lüneburg. Kürzlich erst hatte die SPD im Stadtrat dafür geworben, Bürgerbusse einzurichten, die Stadtteile wie etwa Wilschenbruch besser an das Zentrum anbinden. Nun hat Hartmut Deja für Ochtmissen die Initiative ergriffen: Dienstags und donnerstags soll im Rahmen eines Versuchs ein Vierteljahr lang ein Kleinbus zwischen dem Edgar-Schaub-Platz und dem Thorner Markt auf dem Kreideberg rollen. Premiere ist am 1. April. Die Fahrgäste müssen nichts bezahlen. Deja finanziert die Kosten zunächst aus eigener Tasche: „Das sind 100 Euro pro Woche.“ Deja sitzt für die SPD im Ortsrat und ist zugleich Präsident des Sportvereins MTV. Die Verbindung nutzt er jetzt, er mietet den Bus vom Verein, Martin Wutke setzt sich als Fahrer ehrenamtlich hinter das Steuer: „Das mache ich im Verein auch für verschiedene Projekte.“

Konkreter Anlass für die neue Verbindung ist die Schließung der Automaten-Zweigstelle der Sparkasse mitten in Ochtmissen. Das Kreditinstitut hatte wirtschaftliche Gründe angeführt, Bürger fühlen sich quasi abgenabelt, sie müssen, um Geld zu holen oder Überweisungen auszuführen, andere Filialen wie auf dem Kreideberg ansteuern. Darin sehen Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz und sein Parteifreund Deja ein Problem: Nicht jeder besitze ein Auto oder sei körperlich so fit, um zum Thorner Markt zu radeln oder zu laufen. Und eine direkte Busverbindung zwischen den beiden Stadtteilen, die eigentlich als Einheit gesehen werden, existiere nicht.

Nun soll der Kleinbus mit acht Plätze dienstags und donnerstags jeweils um 10 Uhr am Edgar-Schaub-Platz starten, einen Zwischenstopp am Krähornsberg einlegen und dann zum Thorner Markt fahren. Um 11 Uhr geht es zurück. Um 11.10 Uhr startet die nächste Tour in Ochtmissen, um 12.15 Uhr geht es zurück in Richtung Heimat. Donnerstags ist Marktag auf dem Kreideberg, zudem könnten der Bürgertreff Parlü, das Stadtteilzentrum Kredo und Paulusgemeinde eventuell in dieser Zeit Angebote machen, die etwa Senioren nutzen können. Da sei aber noch nichts geklärt.

Deja sieht sein Vorhaben als Test. Nach drei Monaten habe man Zahlen, wie viele Menschen in den Bus einsteigen. „Sind das nur zwei, hat es sich erledigt.“ Doch könne am Ende ein Bedarf abgelesen werden, dann wolle Deja mit Stadt und der KVG beziehungsweise dem HVV sprechen, um eine Buslinie zwischen Ochtmissen und Kreideberg einzurichten. Für denkbar halten sie aber auch, dass etwa Geschäftsleute vom Kreideberg und die Stadt den Service bezuschussen. Auch wenn die „Kunden“ kein Ticket lösen müssten, so Deja, „hat niemand etwas dagegen, wenn jemand dem Fahrer ein Trinkgeld in die Hand drückt“.