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Wer seine Sache gut gemacht hat, wird gelobt. Der Ansatz: Wer oft ausgegrenzt wurde, braucht Anerkennung. Dann hält er sich eher an die Regeln der Gruppe.
Wer seine Sache gut gemacht hat, wird gelobt. Der Ansatz: Wer oft ausgegrenzt wurde, braucht Anerkennung. Dann hält er sich eher an die Regeln der Gruppe.

Eine gemeinsame Tochter

ca Lüneburg. Bei Britta Kämpfer und ihren Kollegen landen die, deren Beliebtheit bei Lehrern zumindest überschaubar ist. „Das sind Schüler, die über Tische und Bänke gehen, widersprechen, sich nicht an Regeln halten. Doch in der Mehrzahl haben wir die, die sich in sich zurückziehen, unsicher sind“, sagt Britta Kämpfer. Sie leitet SteP, das steht für Soziale Trainings, Elternberatung und Prävention und zeigt das Anliegen des Unternehmens, das gestern im Glockenhaus mit zahlreichen Gästen seinen zehnten Geburtstag feierte. Und einen neuen Weg: Denn Diakonieverband und Herbergsverein gliedern SteP als gemeinsames Tochterunternehmen in ihre Verbände ein.

Das ist auch ein Zeichen für die Zukunft, denn beide Verbände denken seit Monaten über eine engere Zusammenarbeit nach. So begrüßt denn auch Superintendentin Christine Schmid, die auch in der Leitung des Diakonieverbandes aktiv ist, diesen Schritt.

Britta Kämpfer leitet das Unternehmen mit seinen zwölf Mitarbeitern noch ein Jahr weiter als Geschäftsführerin, um den Übergang zu gewährleisten. Aus familiären Gründen zieht sie dann ganz nach Flensburg. Die Sozialarbeiterin erklärt das Konzept: Drei Betreuer erlernen in kleinen Gruppen mit sechs Kindern Alternativen zum gewohnten Verhalten. Wer sich beispielsweise still verhält und sich in die Gemeinschaft einfügt, wer nicht aggressiv reagiert, sondern den anderen anspricht, um ihm zu sagen, was ihn stört, bekommt Lob, etwa eine Karte, auf der „super“ steht. Das Verhalten der Mädchen und Jungen hält eine Kamera fest. Sie können so hinterher sehen, wie sie sich gegeben haben und merken, was besser laufen könnte.

Auch die Eltern arbeiten mit. Sie sollen verstehen, wie sie zu Hause mit ihren Töchtern und Söhnen anders umgehen, um deren und eben auch ihr eigenes Benehmen zu ändern. Bis zu fünf Hausbesuche machen die Pädagogen in dem Betreuungsjahr. Aber auch Schule, Jugendämter und sofern nötig die Kinder- und Jugendpsychiatrie sind in das Training eingebunden. Britta Kämpfer sagt: „Die Kinder sollen ein Selbstwertgefühl erfahren, dann sind sie weniger unsicher und können sich anders verhalten.“ Der Ansatz sei so erfolgreich, dass sechs Jugendämter mit dem Institut an der Neuen Sülze zusammenarbeiten, darunter die von Stadt und Kreis. Die 60 Plätze seien fast immer belegt: „Wir haben eine lange Warteliste.“

Diakonie-Chef Gabriel Siller und Michael Elsner, Geschäftsführer des Herbergsvereins, sind überzeugt, dass ihre neue Tochter gut zu ihnen passt. Wirtschaftlich sei der Betrieb gesund, inhaltlich füge sich die Arbeit in die Anliegen der Organisationen ein, man kenne Einrichtung und Britta Kämpfer seit Jahren, wisse, dass sie einen guten Job macht.

SteP ist zu erreichen unter der Telefonnummer709961.