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Wie man mit möglichst wenig Zügen eine Pyramide umstapelt, lernen Schüler bei der Talentförderung Mathematik an der Wilhelm-Raabe-Schule. Zehntklässlerin Lilith  kennt die Lösung.
Wie man mit möglichst wenig Zügen eine Pyramide umstapelt, lernen Schüler bei der Talentförderung Mathematik an der Wilhelm-Raabe-Schule. Zehntklässlerin Lilith kennt die Lösung.

Mathe-Asse suchen die Herausforderung

mm Lüneburg. An der Wilhelm-Raabe-Schule ist an diesem Montag eigentlich schon Schulschluss, der Nachmittag fortgeschritten. Doch 29 Schüler harren wieder mal im Klassenzimmer aus freiwillig. Sie sind Teilnehmer der Talentförderung Mathematik. Und sie kommen nicht nur aus Lüneburg, sondern nehmen auf der Suche nach neuen mathematischen Herausforderungen auch längere Strecken auf sich.

Einer von ihnen ist Timon, der 13-Jährige lernt in der siebten Klasse der Gesamtschule Winsen-Roydorf. Jeden zweiten Montag setzt er sich nach Schulschluss in Bus und Bahn, um nach Lüneburg zu eilen. Hier erwarten ihn und seine jungen Mitstreiter der Turm von Hanoi eine Matheaufgabe für Fortgeschrittene. „Wir sollen eine Pyramide umstapeln“, erklärt Timon die Aufgabenstellung. Und wie? „Mit möglichst wenig Zügen.“ Noch stehen die Siebtklässler dabei vor einem Rätsel, doch lösen werden sie es – wie fast immer fast alle Aufgaben. Dabei hilft Lilith aus der zehnten Klasse. Das Mädchen mit seinen blonden Haaren entspricht auf den ersten Blick so gar nicht dem Klischee eines Mathecracks. Doch sie hat Talent, sonst wäre sie nicht hier. Und sie kommt gerne her. „Ich kann mit Leuten arbeiten, die genauso denken wie ich“, sagt die 16-Jährige. Genauso denken heißt bei Matheassen anders denken. Für die Schüler ist der reguläre Matheunterricht meist eine Spur zu langsam, „manches wird fünf bis sechs Mal erklärt, das wird dann schon mal langweilig“, findet Timon.

Für die Matheförderung an der Wilhelm-Raabe-Schule zuständig ist seit knapp 13 Jahren Lehrer Christian Bethke. Dass sich Schüler anderer Gymnasien abhetzen müssen, um in den Nachmittagsstunden für die AG rechtzeitig in Lüneburg zu sein, ist für ihn ein Missstand des Turbo-Abiturs: „Wegen des Ganztagsunterrichts bleiben solche Arbeitsgemeinschaften oft auf der Strecke, am ehesten interessieren sich die Schüler dann noch für Sport- oder Musikangebote“, beklagt Bethke. 37 Schüler beanspruchen das Förderangebot der Landesschulbehörde an der Wilhelm-Raabe-Schule, sie treffen sich turnusmäßig alle zwei Wochen. An einem Montag kommen die Jüngeren aus den Jahrgängen sieben bis neun, an dem anderen die älteren Oberstufenschüler. Bei der Matheförderung sollten nicht nur neue Themengebiete beschritten und die Schüler auf ein Hochschulstudium vorbereitet werden, im Vordergrund stehe auch das soziale Miteinander, verdeutlicht Bethke. Dafür wird alljährlich auch eine Mathefahrt für eine Woche organisiert. „Die wird immer gut angenommen“, sagt Bethke. Lilith bestätigt das, sie fährt dieses Jahr schon das vierte Mal mit.

Die Arbeitsgemeinschaften finden noch an zwei weiteren niedersächsischen Schulen statt, in Hittfeld und Achim. Wer teilnehmen will, muss einen Einstellungstest meistern. Der Test wird an der Universität Hamburg abgegelegt, eine Anmeldung ist möglich über ein Bewerbungsformular unter http://mathetalente.de/index.php/talentsuche im Internet.