Donnerstag , 29. September 2016
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Wilfried Seimetz (l.) gratuliert seinem Nachfolger Waldfried Elvers an der Spitze des Stadtfeuerwehrverbandes. Beide wünschen sich, das der Förderverein der Feuerwehr nun in ruhigeres Fahrwasser zurückkehrt.
Wilfried Seimetz (l.) gratuliert seinem Nachfolger Waldfried Elvers an der Spitze des Stadtfeuerwehrverbandes. Beide wünschen sich, das der Förderverein der Feuerwehr nun in ruhigeres Fahrwasser zurückkehrt.

Das Ende der Querelen

ca Lüneburg. 196 der gut 600 Mitglieder des Stadtfeuerwehrverbandes sitzen am Freitagabend im großen Saal der Wache an der Lise-Meitner-Straße, und manchem geht es auch nach gut einer halben Stunde so wie der FDP-Ratsfrau Birte Schellmann. Sie sei als förderndes Mitglied immer zufrieden mit der alten Vereinsführung gewesen, nun lese und höre sie von Querelen, von Rücktritten. Deshalb will sie wissen: „Worum geht es eigentlich?“ Vorsitzender Wilfried Seimetz spricht von Zuwendungen, die nicht rechtzeitig weitergeleitet wurden, von persönlichen Angriffen. Dann steht Heiko Eggers auf, einer von 29 Feuerwehrleuten, die einen Antrag auf Abwahl des Vorstandes und eine Neuwahl gestellt haben: Es drehe sich nicht nur um eine Spende, sondern um mehrere, die seien erst auf Forderung der einzelnen Abteilungen an diese überwiesen worden, obwohl klar gewesen sei, dass dieses Geld zum Beispiel an die Taucher fließen und und nicht im allgemeinen Etat untergehen solle. Doch auch er räumte ein, inzwischen seien die Beträge richtig verbucht worden.

Es ist ein Konflikt, der schon über Monate in den Reihen der Brandbekämpfer schwelt. Die LZ hatte berichtet, allein diese Tatsache hatte nicht jedem gefallen, und so sagte Seimetz gleich zu Beginn der Debatte, der Artikel „ist inhaltlich richtig“. Er steht seit 17 Jahren an der Spitze des Verbandes. Der Vorsitzende und sein Team waren in einem internen Netzwerk attackiert worden, jetzt erklärten sie sichtlich getroffen bis auf Kassenwart Matthias Gsuck ihren Rücktritt. Gsuck übt seinen Posten noch ein Jahr aus. Es gab Ehrenerklärungen für das alte Team, unter anderem von Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft, der sich für die gute Arbeit bedankte, und vom ehemaligen Kassenwart des Verbandes, Heinz-Georg Werner, der sich wunderte, warum der Konflikt solche Wellen schlage, denn der Anlass liege bereits gut zwei Jahre zurück, nämlich in seiner Amtszeit. Alles sei lange geklärt: „Ich bin erschrocken, was hier gerade passiert.“

Doch der Riss im Förderverein, der aus seinem 100000-Euro-Etat zum Beispiel Zelte für die Jugendfeuerwehr und Getränke nach Einsätzen finanziert, setzt sich auch in den Reihen der Aktiven fort. Doch darüber wird lieber hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Mancher kritisiert die Feuerwehrführung, mancher das Verhalten zwischen den Kameraden der Wache in der Mitte und der südlichen Wehren Oedeme, Rettmer, Häcklingen.

Auch im Rathaus weiß man um die kleinen, immer wieder aufflackernden Glutnester. Wohl auch deshalb appellierte Oberbürgermeister Ulrich Mädge, zum Miteinander zurückzukehren. Man sitze hier gemeinsam, ohne Unterteilung in Ortsteile und Einheiten: „Ich hoffe, dass Sie auch künftig an einem Strang ziehen.“ Man möge die Gemeinschaft hochhalten, hart nach innen diskutieren, aber nach außen geschlossen auftreten: „Sie gehen in Kameradschaft raus. Bösartig ist hier keiner unterwegs.“

Am Ende stand ein Neuanfang. Die Feuerwehrführung konnte einen alten Fahrensmann gewinnen, Verantwortung zu übernehmen: Waldfried „Paddel“ Elvers, Jahrzehnte als Einsatzführer respektiert und schon einmal Chef des Verbandes, wurde einhellig gewählt. Es dauerte, den Vorstand zu komplettieren. Das Amt des Stellvertreters mochte von den Kritikern keiner übernehmen. Das stieß einigen übel auf. „Erst große Klappe, dann kommt nix“, murrte es aus den Reihen.

Nun steht Elvers Erich Hansen zur Seite, er hat unter anderem den Neubau der Wache im Lünepark mitgeplant. Weiterhin engagieren sich René Büch, Christian Schlagmann, Matthias Gsuck, Rolf Finke und Joachim Bodendieck. Elvers forderte: Wer Kritik habe, möge offen reden, nicht hintenrum bei Facebook mäkeln. „Dann kann ich demjenigen eine vernünftige Antwort geben.“ Er hofft, dass nun wieder das alte Motto der Feuerwehr trägt: „Einer für alle, alle für einen.“