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Sie pfiffen auf das ungemütliche Nieselwetter am Sonnabend und leisteten am Lüneburger Stand nahe der IHK einen Beitrag zum Weltrekord: James Fitz und Julia Busse Rodrigues mit ihren selbstgebauten Spenglerpfeifen.
Sie pfiffen auf das ungemütliche Nieselwetter am Sonnabend und leisteten am Lüneburger Stand nahe der IHK einen Beitrag zum Weltrekord: James Fitz und Julia Busse Rodrigues mit ihren selbstgebauten Spenglerpfeifen.

Abpfiff mit Weltrekord +++ Mit LZplay-Video

emi Lüneburg. Schon von Weitem hört man schrilles Pfeifen in der Lüneburger Fußgängerzone. Am Eingang zur Grapengießerstraße, seitlich von der Industrie- und Handelskammer (IHK), hat sich eine kleine Menschentraube um einen Stand geschart. Unter seinem weißen Zeltdach bauen Klempner aus Bad Bevensen zusammen mit Passanten bunte Pfeifen aus Metall. Ihr selbstgestecktes Ziel: Innerhalb von sechs Stunden 300 Spenglerpfeifen zu fertigen und so zu einem Weltrekord beizutragen. An 40 Standorten in 20 Ländern versuchten am Sonnabend Klempner und Interessierte, 20000 dieser Instrumente herzustellen, um lautstark auf den Klempnerberuf aufmerksam zu machen. Am Ende übertrafen sie alle Erwartungen.

14 Uhr, leichter Nieselregen. Rund 180 Pfeifen hat das Team von „Hermann Bade Dächer“ aus Bad Bevensen seit 10 Uhr zusammen mit Interessierten in der Lüneburger Innenstadt gebastelt. 300 sollen es am Ende der Aktion um 16 Uhr sein. Ein ehrgeiziges Ziel, aber alle sind zuversichtlich und mit Feuereifer dabei.

Egbert Bröker und sein zehnjähriger Sohn Jannes wollen mithelfen, die Vorgabe zu erreichen. Sie halten Zangen in der Hand und biegen unter der Anleitung von Klempner- und Dachdeckergeselle Florian Thieme konzentriert Metallzuschnitte zurecht. Nach wenigen Minuten bläst Jannes mit vollen Backen in sein neues Instrument. „Die Pfeife benutze ich beim Fußballspielen“, sagt der Junge glücklich und zieht mit seinem Vater weiter.

15.30 Uhr, rund 230 gebaute Pfeifen, strahlende Gesichter am Stand vor der IHK. Der Weltrekord ist geschafft und das sogar früher als geplant. Gegen 15 Uhr ist die heiß ersehnte Nachricht über Facebook eingelaufen: „Ihr seid der Wahnsinn wir haben soeben die 20000er Marke überschritten und es werden immer mehr!“ Für Klempner- und Dachdeckermeister Hermann Bade Ansporn, auch in Lüneburg noch mehr Gas zu geben. „Wir halten durch bis 16 Uhr“, kündigt er an, und wendet sich Julia Busse Rodrigues und ihrem Freund James Fitz zu, die gekommen sind, um sich zu informieren.

„Was verstehen Sie unter Klempner?“, fragt Bade die 29-Jährige. „Jemand, der Waschmaschinen und Anschlüsse repariert“, antwortet Julia zaghaft. „Sehen Sie, und genau das ist unser Problem“, entgegnet Bade. „Kaum jemand weiß, was Klempner eigentlich machen.“ Zum Beispiel Dächer und Fassaden aus Metall herstellen. Busse Rodrigues ist beeindruckt: „Das ist eine lustige Aktion. Ich finde es nett, wenn man selber etwas basteln und das dann mit nach Hause nehmen kann.“

16 Uhr, Ende der Aktion. Über Facebook verbreitet sich die freudige Kunde: „Wir haben es mehr als geschafft 50000 Pfeifen an einem Tag!“ Hermann Bade in Lüneburg zieht ein positives Fazit: „Wir haben zwar ein bisschen Regen gehabt, aber dafür sind wir sehr zufrieden. Wir sind total stolz, dass wir einen Beitrag zum Rekord geleistet haben.“ Die Aktion habe aber vor allem eines gezeigt: „Niemand wusste, was wir Klempner machen.“ Vermutlich hat der Weltrekord also noch ein viel wichtigeres Ziel erreicht: Aufmerksam zu machen auf ein Handwerk, in dem akuter Nachwuchsmangel herrscht. Bei „Hermann Bade Dächer“ ist übrigens noch eine Lehrstelle frei.