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Jan-Erik Mullikas, Grandsegnieur der Modeindustrie, wird für die perfekte Inszenierung der Modenschau im neuen Museum am 27. April sorgen.
Jan-Erik Mullikas, Grandsegnieur der Modeindustrie, wird für die perfekte Inszenierung der Modenschau im neuen Museum am 27. April sorgen.

Der Mann, der Wolfgang Joop entdeckte

as Lüneburg. 80 Meter lang wird der Laufsteg sein, der sich am Sonntag, 27. April, durch drei Räume des neuen Museums zieht. 32 Profi-Models werden bei der Veranstaltung ,,Lüneburg goes Fashion Mode trifft Kultur“ jeweils sechs Outfits aus Frühjahrs- und Sommerkollektionen von 30 lokalen Anbietern präsentieren. Geplant sind drei Durchgänge: um 13, 16 und 19 Uhr. Dazu kommen historische Gewänder aus der Zeit der Jahrhundertwende. Regisseur der Inszenierung ist Jan-Erik Mullikas. Ein Mann, der sich als Trendsetter und Macher in der Modeszene über Jahrzehnte einen Namen gemacht und zahlreiche Top-Modenschauen organisiert hat.

Mullikas wird häufig als Grandseigneur der Modeindustrie tituliert. Seine Meinung hat auch Gewicht als ehrenamtliches Jurymitglied des Frankfurter Style Award, wo junge Talente der Modebranche entdeckt werden. Titulierungen und Beifall wischt er selbst gern mit einem charmanten Lächeln beiseite. Was ihm wichtig ist: ,,Ich habe immer Freude an der Sache gehabt.“ Die Sache, das ist die Mode.

Dabei kam der gebürtige Schleswig-Holsteiner Mullikas eigentlich aus der Autobranche, machte dort auch eine Ausbildung. Der Vater war Inhaber eines großen Busunternehmens, das sollte der Sohn übernehmen. Der Vater war aber auch mit Arthur A. Erlhoff, Inhaber des Modeunternehmens Erle, befreundet. Die Herren kamen auf die Idee, dass Jan-Erik in die Modebranche hineinschnüffeln sollte. Das tat der ausgiebig, unter anderem im Stammsitz des Modekonzern in Ellrau. ,,Dadurch wurde ich Mode-affin“. Mullikas leitete schließlich viele Jahre das Unternehmen, dazu mehrere Geschäfte in Köln, Düsseldorf und Aachen. Verkauft wurde dort eher ,,konservative Mode“, wie Mullikas umschreibt. Doch er hatte einen Riecher dafür, wie man neue Kundenkreise anzieht. Damals, in den 60er-Jahren, war internationale Designermode von Armani, Versace, Byblos und Roberto Cavelli mit dem ihn noch heute eine Freundschaft verbindet in Deutschland noch kein Thema. Mullikas holte sie in seine Läden und setzte Trends. Beseelt von der Idee, Neues zu bieten, ging er dabei auch ungewöhnliche Wege wie Anfang der 70er. ,,In der Zementmischmaschine eines befreundeten Bauunternehmers habe ich Jeansjacken so präpariert, dass sie den Charakter von stonewashed hatten. Auf der Modemesse in München haben mir die Kunden die aus den Händen gerissen.“ Modenschauen, die er organisierte, waren immer große Inszenierungen, die zum Erfolg seiner Unternehmungen beitrugen.

Dann war da die Sache mit Joop. Anfang der 80er-Jahre trifft Mullikas den damals unbekannten Designer zufällig auf einem Flughafen in Italien. An der Bar sitzend, weil sich der Start des Flugzeugs aufgrund von Nebel verzögerte, beoachtete Mullikas einen jungen Mann, ,,der unentwegt zeichnete, die Blätter dann zerknüllte und zu Boden warf“. Er spricht den Mann an, der stellt sich vor als Wolfgang Joop. Kurze Zeit später produziert und vermarktet der Modeunternehmer erste Pret-à-Porter-Kollektionen des Labels Joop!. Um die Marke bekannt zu machen, engagiert er den renommierten Fotografen Helmut Newton für eine Fotostrecke, die dann in der deutschen Ausgabe der Vogue erscheint. 1000 Exemplare des Hochglanzmagazins kauft Mullikas, verteilt sie in den besten deutschen Hotels und Friseurläden. Ein kluger Schachzug, denn das sorgte für große Nachfrage bei Kunden. Zehn Jahre arbeiteten Mullikas und Joop zusammen, dann gingen sie getrennte Wege. Es kam zum Rechtsstreit, für Mullikas, der sich finanziell engagiert hatte, blieb ein schlechter Nachgeschmack.

Inzwischen ist er im ,,Unruhezustand“, wie er es lächelnd umschreibt. Die Aufgabe, die Modenschau im Lüneburger Museum zu organisieren, habe er gern übernommen. Sie bedeutet Arbeit auf einem Parkett, das er liebt. Zurzeit castet er in Hamburg Models für die Show, ,,gemeinsam mit dem Choreographen Jamel El Chamir“. Der ist Tänzer und arbeitet für ,,Stage“, Veranstalter für Musicals in Hamburg. Insgesamt 120 männliche und weibliche Models nehmen die beiden in den Blick. ,,Meine Augen fahren ab, ob Konfektionsgröße und Alter zu den Outfits passen, die im Museum präsentiert werden sollen.“ Mullikas schätzt Naturtalente auf dem Laufsteg. Wichtig sei auch, dass die Chemie unter den Models stimme, denn die müssen als eingespieltes Teams über den 80 Meter langen Laufsteg gehen, ,,damit alle Gäste visuell beschäftigt sind“. Generalprobe ist am Sonnabend, 26. April. Bis dahin soll auch das ,,Entertainment“ stehen, was dahinter steckt, verrät Mullikas noch nicht. Auch das gehört zur perfekten Inszenierung dazu.