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Frank Schade übt mit dem Rollator den Einstieg in einen Bus. Fahrer Holger Denecke gibt ihm und seiner Frau Sonja Schade Tipps. Foto: t&w
Frank Schade übt mit dem Rollator den Einstieg in einen Bus. Fahrer Holger Denecke gibt ihm und seiner Frau Sonja Schade Tipps. Foto: t&w

Trainingseinheit für Senioren +++ Mit LZplay-Video

ca Lüneburg. Die Dame ist ungnädig. Wie soll sie das denn nun machen? Vorwärts rein, rückwärts raus in den Bus? Erst einmal verhakt sich ihr Rollator in einem anderen Vehikel. Die Rentnerin sieht so aus, als würde sie am liebsten gegen das vermaledeite Ding treten. Tut man nicht, macht die Seniorin natürlich auch nicht, so viel Benimm muss sein. Aber es nervt, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist und eine Gehhilfe benötigt was für ein bescheuertes Wort für die eigene Unfähigkeit. Puhhh. Doch Busfahrer Holger Denecke hat Geduld, er erklärt, dass seine Kollegen Fahrgästen helfen können, indem sie den Bus hydraulisch absenken, eine Rampe für Rollstuhlfahrer ausklappen oder einfach zur Sicherheit hinter dem Fahrgast mit dem Handicap stehen. Denecke, ein Mann wie ein Bär mit einem gemütlichen Bauch, wirkt wie Entspannung pur.

Rollator-Training am Kreideberg. Der Stadtteiltreff Kredo in der Paulusgemeinde, das Büro Parlü des Paritätischen am Thorner Markt, Verkehrsexperte Uwe Schröder von der Polizei, das Busunternehmen KVG und das Sanitätshaus Lappe haben eingeladen. 30 vor allem ältere Frauen und Männer sind gekommen, aber auch die Adendorfer Sonja und Frank Schade, die beide an Multipler Sklerose leiden, einer Erkrankung des zentralen Nervensystems, die unter anderem die Bewegungsfähigkeit immer weiter einschränkt. Die 49-Jährige sagt: „Ich habe zwar Erfahrung im Umgang mit dem Rollator.“ Aber hier habe sie noch einmal Tipps erhalten, wie sie ihr Wägelchen beispielsweise ankippt, um die Vorderräder in den Bus zu setzen, um dann einsteigen zu können. Auch ihrem Mann Frank gefällt das Angebot. So weiß er nun, dass es neben der hinteren Tür des Busses und im Inneren Signalknöpfe gibt, die dem Fahrer anzeigen: „Jemand benötigt Hilfe.“

Die auch einzufordern, wenn man Unterstützung benötigt eben das falle nicht jedem Senior leicht, erzählt Busfahrer Denecke: „Die Leute müssen sich mal trauen.“ Er betreut immer wieder Trainingseinheiten zum Busfahren. Vor allem für Schulkinder. Doch ob alt oder jung, manches ähnelt sich, die Ungeduld etwa. Denecke weiß aus Erfahrung, dass sich manche Senioren in vollen Bussen schnell überfordert fühlen: Weil sie sich nicht ganz standsicher glauben, haben sie Angst, keinen Sitzplatz zu ergattern oder dass der Chauffeur zu schnell Gas geben könnte und sie auf der Nase liegen. Denecke beruhigt: „Meine Kollegen und ich fahren oft dieselben Linien, wir kennen die meisten Fahrgäste und können Rücksicht nehmen.“ Ein weißhaariger Herr protestiert: „Das machen aber nicht alle.“ Denecke grinst und bricht eine Lanze für die Fahrer. Am Ende einigen sich die beiden, dass fast 99 Prozent der „Kutscher“ ihren Job gut machen.

Organisiert hat das Treffen Kathrin Wolter vom Parlü. Ihr geht es um praktische Hilfe für ältere Menschen und um ein grundsätzliches Anliegen: Auf dem Kreideberg leben viele, welche die 65 überschritten haben. Sie sollen möglichst lange eigenständig in ihren Wohnungen etwa in den Blocks aus den 60er- und 70er-Jahren leben können. Das geht aber nur, wenn sie mobil sind. Und dabei kann der Rollator eine Hilfe sein. Daher plant sie schon die nächste Trainingseinheit für die Älteren. Im Herbst könnte es so weit sein.

One comment

  1. Super Artikel, vielen Dank dafür!