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Der Bauboom ist ungebrochen, allerorten hängen Richtkränze in Lüneburg - wie hier beim Wohnpark am Wasserturm
Der Bauboom ist ungebrochen, allerorten hängen Richtkränze in Lüneburg - wie hier beim Wohnpark am Wasserturm

Hamburger Verhältnisse

us Lüneburg. „Verkäufer sollten nicht zu lange warten.“ Joern Olaf Ridder vom Hamburger Immobiliendienstleister Grossmann&Berger ist zwar von Berufs wegen ein optimistischer Mensch, doch angesichts der aktuellen Situation am Lüneburger Immobilienmarkt rät er hiesigen Eigenheimbesitzern, ihre Verkaufsabsichten lieber früher als später in die Tat umzusetzen. „Lüneburg ist super attraktiv, doch die Preise für Wohnimmobilien werden nicht in dem Tempo weiter steigen wie bisher.“

Die aktuellen Daten auf dem Lüneburger Markt für Wohn­immobilien geben indes ein anderes Bild. Nach Erhebungen von Grossmann&Berger sind die Zuwachsraten beim Geldumsatz aller Verträge und der durchschnittliche Kaufpreis pro Vertrag von 2012 auf 2013 sprunghaft angestiegen. So habe der Geldumsatz in diesem Zeitraum von 373 Millionen Euro auf 484 Millionen Euro zugelegt, der Durchschnittskaufpreis notierte 2013 bei 206749 Euro statt 2012 bei 149439 Euro Tendenzen, die auch der Grundstücksmarktbericht 2014 für Lüneburg bestätigt.

Eine ähnlich sprunghafte Entwicklung sieht der Immobiliendienstleister bei Eigentumswohnungen. Während der Durchschnittspreis 2010 noch bei rund 3000 Euro pro Quadratmeter gelegen habe, seien mittlerweile Preise bis zu 4000 Euro pro Quadratmeter möglich, verdeutlicht Ridder, der in diesem Zusammenhang auch von „Hamburg ähnlichen Verhältnissen“ spricht. „Ein Grund für diese Sprünge war sicher die massive Kapitalumschichtung in Immobilien. Gerade Anfang 2013 war die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung des Euros sehr groß, und es mangelte an echten Anlagealternativen“, sagt Ridder.

Weniger attraktiv sehe es hingegen außerhalb des Landkreises aus, „dort sind die Preise im Keller“, betont Ridder. Seine Einschätzung stützt auch der aktuelle Grundstücksmarktbericht des Landes Niedersachsen, der gestern vorgelegt wurde. Danach hätten die Durchschnittspreise zwischen 88000 Euro im Landkreis Lüchow-Dannenberg und 280000 Euro in Osnabrück und Hannover gelegen. Die Durchschnittspreise für Einfamilienhäuser seien in den Speckgürteln um Hamburg, Hannover, Braunschweig-Wolfsburg sowie in den Städten Göttingen und Osnabrück am höchsten. Schlusslicht beim Bauland für Wohnhäuser ist dem Bericht zufolge die Gemeinde Amt Neuhaus. Während der Grundstückspreis im Landesdurchschnitt bei 89 Euro pro Quadratmeter lag, wurden im Amt Neuhaus 17 Euro, auf den Inseln Langeoog und Spiekeroog hingegen Spitzenpreise von bis zu 550 Euro erzielt.

Dass die Zeit der starken Zuwächse bei den Immobilienpreisen vorbei sei und es sich lohne, über einen Verkauf nachzudenken, begründet Ridder mit einem möglichen Anstieg der Kapitalmarktzinsen. „Die Zinsen werden nicht immer auf diesem niedrigen Niveau bleiben“, so der Immobilien-Experte. Auch neue Vorgaben des Gesetzgebers wie die Einführung der Mietpreisbremse oder des Bestellerprinzips bei der Makler-Courtage sowie weiter steigende Anforderungen bei der energetischen Sanierung von Immobilien würden sich im Kaufverhalten niederschlagen.

Als „Immobilien-Blase“ aber will Ridder die aktuelle Situation nicht bezeichnen, auch Sabine Wenzel vom Lüneburger Immobilienmakler Sallier will davon nichts wissen. „Von überzogenen Immobilienpreisen kann man nicht sprechen, wir haben es hier mit einer normalen Wertsteigerung zu tun“, sagt die Immobilien-Maklerin. Die Preissteigerung erkläre sich im Wesentlichen durch gestiegene Herstellungskosten, die auch auf die höheren Anforderungen bei den Energiestandards zurückzuführen seien. Ebenso sei die Anforderung an Ausstattung wie komfortablere Bäder, Aufzüge oder auch überdachte Parkplätze gestiegen. „Rückblickend auf den Nachfrageboom Anfang der 90er-Jahre sind das alles normale Wertzuwächse für Immobilien“, sagt Sabine Wenzel.

Einen deutlich kritischeren Blick auf den Immobilienmarkt hat der Mieterbund. „Die Situation kann man durchaus als Immobilien-Blase bezeichnen. Und sie droht zu platzen“, ist Philipp Aderhold, Vorsitzender des Mieterbunds Lüneburg, überzeugt. Der Markt sei durch die Bereitstellung billigen Geldes „hochgepuscht“ worden, spätestens wenn die Zinsen am Kapitalmarkt wieder stiegen, „schlägt das um“. Hinzu komme, dass viele Objekte nicht langfristig durchgerechnet seien, bei Auslaufen von Darlehensverträgen könne nicht wie selbstverständlich davon ausgegangen werden, Anschlussfinanzierungen zu ähnlich günstigen Konditionen zu erhalten. Außerdem würden Immobilienbesitzer häufig nur auf den Kaufpreis schauen, nicht aber auf mögliche Folgekosten wie beispielsweise Dachreparaturen oder notwendige Energiesparmaßnahmen. „In solchen Situationen kann die gesamte Kalkulation kippen.“

One comment

  1. Was für eine sinnfreie Aussage, wenn hier gesagt wird, dass der „Durchschnittspreis 2010 noch bei rund 3000 Euro pro Quadratmeter gelegen habe“, nun aber „seien mittlerweile Preise bis zu 4000 Euro pro Quadratmeter möglich.“ Da es sich bei der Zahl für 2010 um den Durchschnittspreis gehandelt hat, waren sicher auch hier schon „Preise bis zu 4000 Euro“ möglich. Andererseits kann es auch sein,dass bei einem Spitzenpreis „bis zu 4000 Euro“ ein Durchschnittspreis von 3000 Euro herauskommt. Was will uns der Herr damit sagen? Dass er nicht mit Zahlen umgehen kann ??