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Heike Pätzold, katholische Leiterin der Ehe- und Lebensberatung, und Albrecht von Bülow, evangelischer Leiter.
Heike Pätzold, katholische Leiterin der Ehe- und Lebensberatung, und Albrecht von Bülow, evangelischer Leiter.

Wenn das Alleinsein beschwert

as Lüneburg. Der Anteil der älteren Menschen in der Gesellschaft nimmt stetig zu. Speziell für Senioren jenseits des 60. Lebensjahres bietet die ökumenische Ehe- und Lebensberatung seit November eine Gesprächsgruppe an. Es ist ein Projekt der Einrichtung, die jetzt ihren Jahresbericht 2013 vorstellte.

Im vergangenen Jahr nutzten 314 Klienten die Einrichtung zur Beratung, 192 Personen kamen zu Paargesprächen, 114 zu Einzelgesprächen, acht Personen suchten Unterstützung bei Familiengesprächen. Von den Problemen der Eltern betroffen waren 182 minderjährige Kinder. ,,Die Zahlen sind fast identisch zum Vorjahr“, erläutert Heike Pätzold, katholische Leiterin der Ehe- und Lebensberatung. Konflikte in der Partnerschaft, ständiges Streiten und nicht mehr miteinander reden können sind die Gründe, warum Paare Hilfe suchen. Die Ehe- und Lebensberatung begleitet, bietet Raum zum Reden und zeigt auf, „wie man aus alten Mustern aussteigen und neue Wege des Miteinanders ausprobieren kann“, erläutert Heike Pätzold. Die schöne Erfahrung sei, wenn Paare wieder aufeinander zugehen.

In manchen Fällen kämen Partner auch zu dem Punkt: Es geht nicht weiter. Die Berater können nur begleiten, Patentrezepte gibt es nicht. Positiv im Gespräch bleiben, sich den Stärken der Beziehung bewusst werden, sich über Veränderungen in der Partnerschaft bewusst werden und gemeinsam neue Ziele formulieren, dabei soll ein Kommunikationstraining helfen, das am 20./21. Juni und am 25./26. Juli stattfindet. Heike Pätzold: „Jedes Paar trainiert dabei die Grundlagen einer positiven Gesprächsführung, das geschieht in separaten Räumen. Die Trainer unterstützen dabei die Paare.“ Sie machen bewusst, wie Gespräche geführt werden sollten, damit beide auf einer Ebene kommunizieren. Der evangelische Leiter Albrecht von Bülow erläutert: ,,In einer Konfliktsituation kann zum Beispiel der Satz fallen: Du hörst mir nie zu.“ Das hat den Beigeschmack von abkanzeln. Vielmehr gelte es, den Blick auf die aktuelle Situation zu richten und das Anliegen so zu formulieren: ,,Ich habe den Eindruck, Du hörst mir gerade nicht zu.“

Gesprächsbedarf zu verschiedenen Themen haben auch Senioren. Raum bietet die Gruppe, die als Kooperationsprojekt der Ehe- und Lebensberatung mit der drobs und der Kreuzkirchengemeinde entstanden ist. Bis zu acht Teilnehmer im Alter von 60 bis 85 Jahren haben sich in den vergangenen Wochen im Gemeindehaus der Kreuzkirche getroffen. ,,Die meisten der Teilnehmer sind alleinstehend“, berichtet Albrecht von Bülow. Thema in der Gruppe ist zum Beispiel der Umgang mit Einsamkeit und wie man neue soziale Kontakte knüpfen kann. Nicht immer sei das Zugehen auf neue Menschen von Erfolg gekrönt, weiß von Bülow. Mit Zurückweisungen oder ,,fantasierten“ Zurückweisungen sei für manchen nur schwer umzugehen. ,,Da ist es hilfreich, wenn andere Teilnehmer von ihren Erfahrungen und dem Umgang mit Situationen berichten.“ Das gelte auch für den Umgang mit Konflikten in der Familie oder mit Nachbarn. Zwar unterstützt von Bülow die einzelnen Teilnehmer bei der Bearbeitung ihrer Probleme, er sagt aber auch: ,,Es ist gut, wenn andere aus der Gruppe von draußen drauf schauen und über ihre eigenen Erfahrungen berichten. Das kann entlastend sein.“ Mögliche weitere Themen der Gesprächsgruppe für Senioren sind die Auseinandersetzung mit Kindheits- oder Kriegserfahrungen sowie der Umgang mit Verlust und Tod von Partnern oder Freunden. Die offene Gruppe trifft sich immer montags von 10 bis 12 Uhr, aufgrund der Osterferien ist der nächste Treff erst am 5. Mai. Anmeldung: % 684460. Mehr Infos bei der Ehe- und Lebensberatung unter 48898 oder unter www.ehe-lebensberatung-lueneburg.de.