Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Schleuse in Bardowick ist sanierungsbedürftig. Doch das notwendige Geld dafür will der Bund nicht ausgeben.
Die Schleuse in Bardowick ist sanierungsbedürftig. Doch das notwendige Geld dafür will der Bund nicht ausgeben.

Lüneburg gibt Schleusen nicht auf

ahe Lüneburg. Stadt und Landkreis geben den Kampf um die Zukunft der Ilme­nau als schiffbaren Fluss noch nicht auf. Gestern reisten Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt nach Berlin, gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze (SPD) und Eckhard Pols (CDU) fühlten sie im Bundesverkehrsministerium vor, ob der Bund von seinen Plänen noch abzubringen ist, dem Fluss den Status als Bundeswasserstraße zu entziehen. Denn damit wäre die Hoffnung, dass Berlin Geld für die Ertüchtigung der drei Schleusen in Wittorf, Bardowick und Fahrenholz gibt, dahin. Die Ertüchtigung wäre aber notwendig, wenn Schiffe und Boote auf der Ilmenau fahren sollen. Nach dem Gespräch fallen die Wertungen unterschiedlich aus. Hiltrud Lotze spricht von einem Erfolg und einer Chance für die Ilmenau, Pols dagegen glaubt nicht, dass sich der Bund noch von seinen Plänen abbringen lässt.

Mädge sowie die rot-grüne Mehrheitsgruppe im Rat hatten vor den Folgen der Pläne gewarnt, weil es Auswirkungen für die Standsicherheit der Häuser im Lüneburger Wasserviertel und für Flora und Fauna geben könne. Tenor: Würden die vorhandenen Wehre nicht ertüchtigt, seien ein Absinken des Wasserspiegels der Ilmenau und des Grundwasserspiegels, Probleme bei der Feldberegnung und die Zerstörung der Kulturlandschaft zu befürchten. Schon heute sei die Brut bei Kiebitzen und Brachvögeln rückläufig, das könnte sich womöglich verstärken. Darüber hinaus könnten auch Gebäude in Bardowick in ihrer Standfestigkeit gefährdet sein. Und für den Tourismus wäre die Entscheidung schlecht, weil ohne intakte Schleusen weder Sportboote noch Ausflugsschiffe auf der Ilmenau fahren könnten. Diese Sorgen haben die Lüneburger Enak Ferlemann, Staatssekretär im Ministerium, vorgetragen.

Hiltrud Lotze bilanziert: „Der Staatssekretär hat unsere Argumente aufgenommen und Verständnis für unsere Sorgen gezeigt. Er hat zugesagt, im Juni zu einem Fachgespräch einzuladen, an dem der Bund, das Land Niedersachsen, die betroffenen Kommunen sowie Verbände teilnehmen sollen. Strittige Fragen, zum Beispiel zu den Auswirkungen auf den Grundwasserstand, sollen noch mal sorgfältig untersucht werden. Auch der Erhalt der Kulturlandschaft wird mit untersucht. Wir waren uns einig, nicht erst den Rechtsweg in einem in ferner Zukunft liegenden Planfeststellungsverfahren abzuwarten, sondern vorher eine Kompromisslösung zu finden.“

Nahrstedt zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Es war gut, dass wir nach Berlin gefahren sind. Alle unsere Fragen kommen nun wieder auf den Tisch.“ Er findet: „Zahlreiche Bürger beobachten die Entwicklung mit Sorge, da durch die Pläne ihre Existenzen gefährdet sind. Sie müssen nun offen und transparent beteiligt und informiert werden.“ Mädge sieht den Bund in der Pflicht. „Es liegt bisher nur eine Machbarkeitsstudie auf dem Tisch. Wir benötigen aber Fachgutachten und detaillierte Berechnungen. Wir haben darum gebeten, die Kosten von etwa 20 Millionen Euro, die in der Machbarkeitsstudie dafür angegeben sind, dass die Schleusen erhalten bleiben und die Ilmenau weiterhin von Sportbooten genutzt werden kann, noch einmal zu beleuchten.“ Das soll nun bis Sommer passieren.

Pols ist pessimistischer, zeigt mehr Verständnis für die Position des Ministeriums. „Der Bund gibt so viel Geld aus für seine Wasserstraßen, der gibt alles ab, was er abgeben kann. Ich kann verstehen, dass man nicht 20 Millionen Euro ausgeben will, wo die Ilmenau doch überhaupt keine wirtschaftliche und touristische Bedeutung mehr hat. Das kann man doch auch der Bevölkerung nicht vermitteln. Früher hat das IBUS-Werk Ware über die Ilmenau bekommen, das ist längst vorbei. Auch Herr Anker fährt mit seinem Ausflugsschiff ja schon lange nicht mehr. Man kann auch fragen, warum sich Stadt und Kreis erst jetzt so für das Thema einsetzen. Die Studie ist ja von 2012.“

Einig ist er sich mit den drei Sozialdemokraten allerdings, dass, egal wie die Zukunft der Ilmenau aussieht, es keine ökologischen Folgeschäden geben dürfe. Doch auch da sieht Pols das Ministerium auf einem vernünftigen Weg, es schlage statt einer kompletten Ertüchtigung vor, die Schleusen in sogenannte Sohlgleiten umzubauen, das sind unter der Wasseroberfläche quer zur Strömung liegende Bauwerke. Das wäre deutlich billiger und würde sicherstellen, dass es keine Folgen für die Natur gebe und die Standsicherheit der Gebäude am Fluss gewährleistet wäre. „Auch kleine Boote oder Kanus könnten dann noch fahren, man müsste sie nur einmal umsetzen“, erklärt Pols.

Bei dem Gespräch ging es auch um die Frage, wer nach einer möglichen Entwidmung vom Bund die Verantwortung für die Ilmenau übernimmt. Aktenkundig ist das Interesse des Wasserverbandes Ilmenau-Niederung mit Sitz in Embsen. Dass Stadt und Landkreis Lüneburg die Regie übernehmen, erscheint fraglich. Zu groß ist die Sorge vor den Folgekosten. Nicht nur für die reguläre Unterhaltung, sondern auch für Unvorhergesehenes, wie jüngst, als an der Altenbrückertorstraße und am neuen Museum die Uferbefestigung erneuert werden musste. Pols hält folgende Variante für praktikabel: Der Bund zahle eine Summe X als Abstand, dafür übernimmt der Wasserverband Ilmenau-Niederung die Verantwortung, die er aus den Zinsen der Abstandszahlung finanzieren könnte.