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Mit seinem Lumpenball erinnert Robin daran, dass Kinder armer Familien sich früher einen Fußball selber basteln mussten.
Mit seinem Lumpenball erinnert Robin daran, dass Kinder armer Familien sich früher einen Fußball selber basteln mussten.

Der Museumsrucksack

us Lüneburg. „Wenn man kein Geld hatte, wurde ein Fußball eben aus Lumpen gemacht“, erklärt Robin und zeigt den von ihm aus Stoffresten und Schnüren gebastelten Ball. Sein „Lumpenball“ ist eines von zehn Projekten, die jetzt in den noch geschlossenen Räumen des Lüneburger Museums vorgestellt wurden. Zehn Jugendliche von 11 bis 14 Jahren waren zu Beginn der Osterferien zusammengekommen, um sich Gedanken zu machen, wie der Besuch eines Museums für Kinder spannender werden könnte.

„Museumsführungen sind für Kinder meistens langweilig“, sagt Museumspädagogin Dr. Kerstin Batzel. Mit der Volkshochschule und dem Jugendzentrum an der Katzenstraße hatte sie deshalb Schüler eingeladen zum Workshop mit dem Titel „Museumsrucksack gesucht“. „Den Rucksack sollen Kinder während ihres Besuchs unseres Museums bekommen, was er enthält, das sollten die Ideen aus dem Workshop ergeben“, sagt Dr. Heike Düselder, Leiterin des Museums.

Sieben Tage lang nahmen die Jugendlichen das Museum unter die Lupe, recherchierten in den Depots, machten Pläne vom Grundriss des Neubaus, brachten ihre Ideen und Vorstellungen zu Papier und präsentierten schließlich ihre Projekte.

Einen Schriftführer für Fraktur-Schrift hat sich Elisabeth ausgedacht. „Viele alte Texte im Museum sind in dieser alten Schrift geschrieben, die kann aber nicht mehr jeder lesen“, erklärt die Elfjährige. In einem Heft hat sie einzelne Schriftzeichen abgebildet und die Erklärungen in „für uns lesbare Schrift übesetzt“. Long Vu und Philipp haben einen Führer für jeden Raum ausgearbeitet. „Vom Eingang bis zur Cafeteria sind alle Räume beschrieben“, sagt Long Vu. Die Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule haben sich am Workshop beteiligt aus Sorge, „dass uns in den Ferien etwas langweilig wird.“

Nikolas präsentierte für den Rucksack ein Museums-Quiz. Von den Exponaten, die er am spannendsten fand, hatte er Fotos gemacht und dazu Fragen formuliert. Fedaa hat sich mit Holzfiguren aus der Zeit der Reformation beschäftigt. Die aus der Michaeliskirche stammenden Figuren symbolisieren die Begriffe Hoffnung, Treue und Gerechtigkeit, Fedaa fand passende Gedichte dazu, „auf Englisch, weil ich die Sprache am besten beherrsche“, ergänzt die 13-Jährige. Und Felina möchte, dass man Museum auch riechen sollte. „Ich habe mittelalterliche Rezepte erforscht und Gewürze in eine kleine Schachtel gelegt.“

„Der Rucksack ist das Ziel, aber wir stehen noch am Anfang“, erläutert Batzel. „Bevor echte Rucksäcke angeschafft werden, müssen wir noch ein bisschen arbeiten.“ Der nächste Workshop sei in Planung.