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Lucy Grimme und Simone Zanjani übergeben den künftigen Eltern-Talk-Moderatorinnen Maria Elena Cosme de Tews, Fozya Jelebi, Amira Harrabi ep Atrio-Rivas, Fahrije Mehmeti, Xiomara Flores Peters die orangefarbene Eltern-Talk-Material-Tasche. Hinten zu sehen ist Ria Salig.
Lucy Grimme und Simone Zanjani übergeben den künftigen Eltern-Talk-Moderatorinnen Maria Elena Cosme de Tews, Fozya Jelebi, Amira Harrabi ep Atrio-Rivas, Fahrije Mehmeti, Xiomara Flores Peters die orangefarbene Eltern-Talk-Material-Tasche. Hinten zu sehen ist Ria Salig.

Eltern sollen zu Medienexperten werden

aja Lüneburg. Sie kommen aus Venezuela, Tunesien, Russland, aus dem Kosovo und El Salvador und verstehen sich prächtig. Acht Frauen sitzen am liebevoll gedeckten Tisch in den Räumen des Migrationsdienstes des Arbeiterwohlfahrt-Standortes Auf dem Meere und sind voller Tatendrang. Für Xiomara Flores Peters aus Venezuela ist die Teilnahme am Moderatorenkursus des Lüneburger Eltern-Talks „ein weiteres Puzzle-Stück ihrer pädagogischen Qualifizierung für Integrationsprojekte“, berichtet sie. Seit zehn Jahren lebt sie in Deutschland und ist mit einem Lüneburger verheiratet. „Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit beim Eltern-Talk.“

Der Eltern-Talk ist eine Ini­tiative der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen, der gezielt Eltern als Experten in Erziehungsfragen anspricht, die sich zum Umgang mit Medien, explizit Fernsehen, Computer, Internet und Handynutzung, ausbilden lassen, um dann mit ihrem Wissen andere Mütter und Väter zu informieren. Unter anderem wolle man sogenannte bildungsferne Schichten und Menschen mit Migrationshintergrund auf diesem Wege erreichen, erläutert Simone Zanjani, Projektkoordinatorin des Jugendschutzes, das ausgeklügelte Moderatoren-Konzept. „Zielgruppe sind überwiegend Eltern, die sich nicht auf den üblichen Informationswegen über den Umgang mit Medien informieren können“, sagt Zanjani, „und dazu gehören eben auch Menschen mit Migrationshintergrund, weil für sie die üblichen Informationsquellen schwer zugänglich sind.“

Lucy Grimme, die Regionalbeauftragte des Projektes, schult und qualifiziert die Interessenten in Lüneburg, die dann als Multiplikatoren, aber auch als ausgebildete Moderatoren in die Familien gehen und dort „quasi vor dem Fernseher die Eltern über den Umgang mit Medien in Deutschland informieren“.

In ihrer Kindheit in Tunesien, berichtet Amira Harrabi ep Atrio-Rivas, zählte das tägliche Fernsehen durchaus zur Bildung. „Meine Mutter sagte immer, Fernsehen macht schlau.“ Und auch in Deutschland wird vielen Menschen aus anderen Kulturen ja durchaus geraten, dass Fernsehen den Erwerb der deutschen Sprache erleichtern kann. „Noch besser ist es, Radio zu hören“, sagt Amira Harrabi ep Atrio-Rivas. „Doch so nützlich Medien sein können, es kommt auf einen sorgfältigen Umgang an“, findet Ria Sallig, die Standortpartnerin des Eltern-Talk-Projektes, die sich „sehr freut, das Thema Medien als einen wichtigen Teil der Erziehung auf diesem Wege in die Fläche tragen“ zu können. „Computer, Handy und das Fernsehen sind unsere Themen, an denen wir langfristig und nachhaltig arbeiten wollen.“

Sie packt das Material auf den Tisch, ein ganzer Stapel Karten kommt zum Vorschein, der die Protagonisten verschiedener Computerspiele zeigt. „Jede Kultur hat ihre eigenen Computer-Helden“, erzählt Lucy Grimme, während sie die Karten mit den zahlreichen Fantasiefiguren über den Tisch verteilt. Den meisten Eltern sind die Bilder aus dem Kinderzimmer ihrer Kinder bekannt. „Mit dem spielt mein Kind oft“, beginnen die meisten Informationsgespräche, beim Griff nach einer der Karten.

144 Moderatorinnen sind inzwischen landesweit ausgebildet worden, um Informationen bei Elternabenden und bei Einzelgesprächen zu verbreiten, berichtet Simone Zanjani über das in Niedersachsen seit 2012 erfolgreiche Projekt, mit dem in Bayern schon seit 2002 gearbeitet werde. Lüneburg ist der elfte Standort in Niedersachsen.