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Mit einem großen Holzkreuz zogen die Jugendlichen gemeinsam mit Helmut Strentzsch und Carsten Menges durch Kaltenmoor zu Orten, an denen Menschen auch heute noch leiden müssen.
Mit einem großen Holzkreuz zogen die Jugendlichen gemeinsam mit Helmut Strentzsch und Carsten Menges durch Kaltenmoor zu Orten, an denen Menschen auch heute noch leiden müssen.

Orte des Leidens

heu Lüneburg. Was hat die Friedrich-Ebert-Brücke in Lüneburg mit den Leiden Jesu zu tun? Dieser Frage widmete sich jetzt der Ökumenische Kreuzweg der Jugend. Organisiert von den Gemeinden des Ökumenischen Zentrums St. Stephanus in Kaltenmoor, nahmen etwa 15 Jugendliche daran teil.

Jedes Jahr am Freitag vor Palmsonntag gedenken Tausende junge und alte Menschen der Leiden Jesu. Das Ereignis wird bundesweit organisiert durch eine Initiative aus katholischen und evangelischen Jugendarbeitsgemeinschaften, die jährlich neue Materialien bereitstellen. Außerdem wird immer ein anderer Künstler ausgewählt, dessen Bilder den Jugendkreuzweg begleiten. „Wir hatten auch schon sehr schräge Künstler dabei. Diesmal wurde ein ganz alter ausgegraben“, sagt Diakon Helmut Strentzsch von der evangelischen St. Stephanus-Gemeinde. Er spricht vom berühmten Werk des Künstlers Matthias Grünewald, dem Isenheimer Altar aus dem 16. Jahrhundert, das für den Jugendkreuzweg ausgesucht wurde.

Besonders wichtig ist den beiden Organisatoren, Carsten Menges und Helmut Strentzsch, mit dem Jugendkreuzweg eine Verbindung ins Heute zu schaffen. „Die Jugendlichen sollen sich fragen: Wo gibt es das heute, dass Menschen leiden, dass sie ein Kreuz zu tragen haben?“, erklärt Dechant Menges.

Auch die bundesweiten Initiatoren wollen sichergehen, ihre Zielgruppe zu erreichen. Die besprochenen Bilder haben sie mit Instagram in Szene gesetzt, einer Handy-App, mit der man seine Bilder bearbeiten kann. Menges hat nichts gegen diese Art der Kommunikation einzuwenden: „Wenn das die Form ist, wie Jugendliche heute erreicht werden können, dann müssen wir das eben machen.“ Er erzählt, wie wichtig es sei, die Jugendlichen auf ihren Medien anzusprechen: „Wir erreichen sie heute teilweise nicht mal mehr per E-Mail, die lesen sie nicht nur noch bei Facebook.“

Bei der Prozession wechseln sich die Teilnehmer ab mit dem Tragen eines großen Holzkreuzes, während sie verschiedene „Orte des Leidens“ passieren. Da sind zunächst einmal offenkundige Orte der Trauer, beispielsweise der Waldfriedhof oder die Gedenkstätte im Tiergarten, wo den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird. Doch die Gruppe steuert auch eher unkonventionelle Plätze an, wie die Schienen, über die der Castortransport nach Dannenberg geleitet wird. Oder eben die Friedrich-Ebert-Brücke, unter der die Gruppe stoppt, um Menschen zu gedenken, die sich an dieser Stelle das Leben genommen haben.

Es gibt viele solcher Orte des Trauerns oder des Innehaltens, mal mehr, mal weniger deutlich erkennbar auch in Kaltenmoor. Auf diese Orte hinzuweisen, darin liegt die Stärke des Jugendkreuzwegs. Das kommt auch bei den jugendlichen Teilnehmern gut an. „Gefällt mir gut, ist mal ein etwas anderer Gottesdienst“, sagt ein 14-jähriger Junge. Auch das Tragen des großen Holzkreuzes scheint den Mädchen und Jungen nichts auszumachen. Doch wenn die Prozession alle zwei Jahre in der Innenstadt Lüneburgs unterwegs ist, sei es den Jugendlichen manchmal schon unangenehm, Klassenkameraden zu treffen, erzählt Menges. Diesmal bleibt das aus. Und so gelingt es beim Jugendkreuzweg, die Erinnerung an den Weg, den Jesus gegangen ist, in die aktuelle Zeit zu übertragen. Besser, als es Instagram hätte tun können.