Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | ,,Heiko war und ist der gute Geist“
Dicht umlagert von ehemaligen Schülern der Hauptschule Kaltenmoor waren die Kisten mit Fotos aus alten Schulzeiten, die Heiko Dierks mitgebracht hatte und an denen sich jeder bedienen durfte.
Dicht umlagert von ehemaligen Schülern der Hauptschule Kaltenmoor waren die Kisten mit Fotos aus alten Schulzeiten, die Heiko Dierks mitgebracht hatte und an denen sich jeder bedienen durfte.

,,Heiko war und ist der gute Geist“

as Lüneburg. Das gerahmte Schwarz-Weiß-Foto birgt für Klaus-Dieter Heimke Erinnerungen an seine Schulzeit, die nicht nur vom Pauken geprägt war. ,,Der da mit den Wuschelhaaren, das bin ich. Und der daneben, das ist Martin. Das muss 1979/1980 gewesen sein. Das Disco-Pult war gemauert, wie man sieht, und wir haben alles aufgelegt, was damals gerade angesagt war“, erzählt Heimke über den Schulze Club.

Die Disco fand viele Jahre im Keller der ehemaligen Hauptschule Kaltenmoor statt. Eine Institution, die regelmäßig 500 jugendliche Besucher und mehr aus allen Stadtteilen zog. Dort fanden auch zweimal pro Jahr die Ehemaligen-Treffen der Hauptschule Kaltenmoor statt. Knapp drei Jahre, nachdem die Hauptschule geschlossen wurde, hatte der ehemalige Konrektor Heiko Dierks zum ,,wohl letzten Ehemaligen-Treffen“ getrommelt. Mehr als 200 junge und ältere Ehemalige kamen am Sonnabend und schwelgten bis in die frühen Morgenstunden in alten Zeiten.

Im Schein der bunten Lichtanlage stand einer im Mittelpunkt: Heiko Dierks. ,,Er war der Aller-Coolste unter den Lehrern, die alle toll waren. Das waren Lehrer, aber auch echte Kumpels“, sagt Jutta Wilcke, die bis 1986 an der Hauptschule Kaltenmoor lernte.

Mit ihrer Tochter Romina, die bis 2011 die Schule besuchte, ist sie gekommen, um alte Schulfreunde zu treffen. Die Deutsch Evernerin kramt in Kisten nach alten Fotos, die Dierks gemacht, gesammelt und digitalisiert hat. Die Tische mit Kisten sind dicht umringt. Ob von Klassenfahrten oder Ausflügen, ,,da sind viele lustige Bilder dabei“, schwärmt nicht nur Jutta Wilcke.

In den Schulze Club ist sie wie viele andere früher häufiger gegangen. Initiator war Dierks, der 1971 mit dem Wechsel der Hauptschule vom Standort Werder nach Kaltenmoor dorthin kam. 1974 hätten ihn Schüler angesprochen, ob man nicht zu Rosenmontag in den Kellerräumen eine Party feiern könnte. ,,Daraus entwickelte sich dann eine regelmäßige Disco“, erzählt er. Immer montags von 16 bis 21 Uhr war es proppenvoll. ,,500 Leute, da lief das Wasser an den Wänden runter“, erinnert Klaus Franke, der mit Klaus-Dieter Heimke, Martin Petersmann und Matthias Soltau neben dem ehemaligen Konrektor steht.

Für die „hochprofessionelle“ Lichtanlage an diesem Abend haben die vier, die sich von Anfang an über Jahre für die Disco-Abende engagierten, nur ein müdes Lächeln. ,,Bei Schulze, das steht für Schulzentrum, war alles handmade“, sagt Soltau, also handgemacht Lampen haben sie erst aus Ofenrohren hergestellt, später aus Wurstdosen. Die Boxen waren natürlich auch Marke Eigenbau, erinnert Petersmann, der wie Soltau den DJ machte und später in ganz Deutschland in Großraum-Discos aufgelegt hat. Und das Trockeneis für die Nebelmaschine organisierte Dierks über den Vater eines Schülers.

,,Hallo, Du bist doch…“, sagt Michael Zemke zu Soltau ein Satzanfang, der an diesem Abend oft fällt. Die beiden besuchten zwar nicht dieselbe Klasse, aber man kannte sich eben von der Disco und tauscht nun Erinnerungen aus. Dass die Veranstaltungen immer ein Renner waren, Jugendliche aus ganz Lüneburg kamen. Es wurde abgetanzt, Krach und Prügeleien gab es kaum. Drogen blieben draußen, das kontrollierten Dierks und Disco-Helfer streng. Ab 1978 fanden in den Kellerräumen auch die ersten Ehemaligen-Treffen statt, Initiator: Heiko Dierks. Der führt an diesem Abend nicht nur durchs Programm, lässt Bilder aus vergangenen Schultagen auf die Wand projezieren, sondern ist auch Gesprächspartner an vielen Tischen und von Gruppen, die gemeinsam zurückblicken und sich über das Gestern und Heute austauschen. Dierks war und ist ,,nicht nur der Chef vom Ganzen, sondern auch der gute Geist“, wie ein Ehemaliger sagt. Wenn er an diesem Abend Ankündigungen macht, dann gibts Gejohle und Applaus.

Beste Schulfreundinnen waren einst Anke Wallschläger und Sonny Kranjcina, die 1974 ihre Schulzeit in der Hauptschule Kaltenmoor beendeten. Mit ihren ehemaligen Klassenkameraden Ruth Svensson, Roland Kaeding, Norbert Bruns und Rüdiger Jahns sitzen sie zusammen und schauen sich Fotos von damals an. Nach ihrer Schulzeit haben sie zweimal an Ehemaligen-Treffen teilgenommen, zuletzt vor 15 Jahren. ,,Damals haben wir Fotos bei Heiko bestellt, die holen wir jetzt ab“, sagt Anke Wallschläger. Aber man sei auch gekommen, ,,um Heiko noch einmal zu treffen“. Seit ihrer letzten Klassenfahrt nennen sie ihn beim Vornamen. ,,Kann das sein, dass ich das bin?“, sagt Sonny Kranjcina in die Runde. ,,Es ist total faszinierend, weil man vergessen hat, wie man war.“ Und dann reden sie darüber, was sie in der Schulzeit alles erlebt haben, was seither in ihren Leben alles passierte. Als Sonntagmorgen gegen 3 Uhr die Lichtanlage ausgeht, dicker Zigarettenrauch durch den Raum wabert, und die Letzten gehen, denkt mancher: Schade, dass es das wohl letzte Ehemaligen-Treffen mit Heiko gewesen sein soll.