Mittwoch , 28. September 2016
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Treffen sie sich wegen des umstrittenen Brunnens noch einmal vor Gericht?  Hausbesitzer Adolf Zelle (l.) und der Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute, Martin Aude.
Treffen sie sich wegen des umstrittenen Brunnens noch einmal vor Gericht? Hausbesitzer Adolf Zelle (l.) und der Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute, Martin Aude.

Warten auf den Brunnen

ca Lüneburg. Der Brunnen vor der Industrie- und Handelskammer sollte längst plätschern, doch noch ist der „Grapengießer“ nicht in Sicht trotzdem soll die Idee nicht versanden: Der Verein Lüneburger Kaufleute hält an seinem Projekt fest. „Wir warten auf eine rechtssichere Baugenehmigung“, sagt Präsident Martin Aude. Liege die vor, soll der Entwurf der Hamburger Künstlerin Doris Waschk-Balz umgesetzt werden. Doch es könnte sein, dass es zuvor einen erneuten Rechtsstreit um den Quell auf dem Sand geben könnte.

Der Verein Lüneburger Kaufleute hatte der Stadt den Brunnen anlässlich seines 100. Geburtstages zum Geschenk gemacht. Doch als die Stadt im Sommer 2012 eine Baugenehmigung erteilte, klagte der Lüneburger Unternehmer Adolf Zelle vor dem Verwaltungsgericht dagegen. Ihm gehört das linke, kleinere Haus im Ensemble der IHK. Zelle sah die Schutzwürdigkeit seines Baudenkmals in Gefahr, kurz gesagt: Der Brunnen würde die Sicht auf die 1229 erstmals erwähnten Häuser stören. Die 2. Kammer beschäftigte sich im Februar in dem Prozess weniger mit der Ästhetik, sondern vor allem mit der Frage, ob durch den „Grapengießer“ erheblich in die Rechte Zelles eingegriffen werde. Das verneinten die Richter. Die von der Stadt erteilte Genehmigung sei in Ordnung.

Eigentlich hatten die Richter in ihrem Urteil festgelegt, dass die Frage durch ihre Entscheidung quasi endgültig entschieden sei. Aber Zelle und dessen Anwältin Elke Sellmann prüfen, ob sie gegen die Entscheidung Beschwerde einlegen. Über die müsste das Oberverwaltungsgericht befinden. Über diesen Umweg könnte es doch zu einer neuen Verhandlung kommen. Zelle hatte nach der ersten Verhandlung gesagt, dass es ihm nicht darum gehe, generell einen Brunnen zu verhindern, aber den geplanten finde er „hässlich“.

Trotzdem will Aude am „Grapengießer“ festhalten. Er beruft sich auf die 14 Jahre andauernde Geschichte, die sich mit dem Brunnen verbindet. Der Entwurf von Doris Waschk-Balz wurde im Jahr 2000 von einer Jury ausgewählt, in der Politiker und Vertreter verschiedener Institutionen saßen. Umgesetzt wurde die Idee nicht, sie geriet in Vergessenheit. Aude erinnerte sich, als der Geburtstag der Kaufleute anstand. Der Verein sammelte von seinen Mitgliedern rund 160000 Euro für die Umsetzung und bekam Unterstützung: Der Kulturausschuss stimmte den modifizierten Plänen zu. Trotzdem gab es Kritik, auch auf den Leserbriefseiten der LZ. Aude und seine Mitstreiter setzten auf Öffentlichkeit, stellten das Konzept vor. Doch so manchen konnten sie nicht überzeugen. So wie Adolf Zelle wünschen sich Kritiker ein anderes Modell.

Doch Aude winkt ab: „Mir ist kein anderes Konzept bekannt, niemand hat was vorgelegt.“ Zudem seien die Kaufleute von mehreren Seiten „bestärkt worden: politisch, konzeptionell, und vom Gericht. Finanziell haben wir alles in trockenen Tüchern“. Der Verein wolle nun juristische Sicherheit haben, um schließlich zu beginnen: „Liegt eine rechtssichere Baugenehmigung vor, können wir anfangen.“ Dazu sagt die Stadt: Die bereits erteilte Baugenehmigung habe durch das Urteil Bestand. Es seien nur noch Formalien wie Sicherungsfragen der Baustelle zu klären, dann könne der Brunnenbau starten.

Aude hofft, dass er den Kaufleuten Mitte Mai bei deren Versammlung den Stand der Dinge genauer darlegen kann. Heute Abend trifft sich der Brunnenverein, ein Untergremium, das die Kaufleute aus rechtlichen Gründen ins Leben gerufen hatten, um 18 Uhr in der IHK zu seiner Jahresversammlung.