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Professor Dr. Josef Sonntag hat allen Grund zur Freude: Weil Lüneburg Zuzugsregion ist und das Haus seinen Einzugsbereich erweitert hat, schreibt die Lüneburger Kinderklinik schwarze Zahlen.
Professor Dr. Josef Sonntag hat allen Grund zur Freude: Weil Lüneburg Zuzugsregion ist und das Haus seinen Einzugsbereich erweitert hat, schreibt die Lüneburger Kinderklinik schwarze Zahlen.

Kinderklinik ist gesund

as Lüneburg. Kinderkliniken sehen sich vielerorts in der Bredouille aufgrund der schlechten finanziellen Ausstattung. Denn obwohl sie das komplette Leistungsspektrum samt Ausstattung und Personal jederzeit bereitstellen müssen, werden diese Fixkosten durch das Vergütungssystem der Fallpauschalen nicht berücksichtigt, beklagen Kritiker. Schließungen könnten die Folge sein. Auf diese Situation macht die bundesweite Aktion ,,Rettet die Kinderstation“ aufmerksam, die von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit acht weiteren Verbänden der Kinder- und Jugendheilkunde angeschoben wurde. Die Kinderklinik im Lüneburger Klinikum hingegen schreibt schwarze Zahlen und versorgt seit 2007 zunehmend mehr kleine Patienten.

Das grundsätzliche Problem, das viele Kinderkliniken in eine schwierige Finanzlage bringe, sei die Entwicklung der Kinderzahlen, sagt Prof. Dr. Josef Sonntag, Chefarzt der Lüneburger Kinderklinik. ,,Seit 2007 verzeichnen Kliniken 15 Prozent weniger junge Patienten, bis 2020 geht man aufgrund des Geburtenrückgangs von 23 Prozent aus.“ Da nach Fallzahlen bezahlt werde, seien die Erlöse geringer bei konstant bleibendem Aufwand. ,,In Lüneburg haben wir eine Situation, die es uns leichter macht. Stadt und Landkreis verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs. In Niedersachsen sind wir neben Vechta die einzige Region mit zunehmenden Kinderzahlen.“

Darüber hinaus sei es der Lüneburger Kinderklinik gelungen, ihr Einzugsgebiet bis ins südliche Hamburg zu erweitern. Als Gründe nennt Sonntag unter anderem das breite Leistungsangebot und die gute Erreichbarkeit. So seien die Fallzahlen der stationären Behandlung von 2700 im Jahr 2007 auf 3400 im Jahr 2013 gestiegen. ,,Daher treffen uns die hohen Vorhaltekosten bei der Versorgung unserer Patienten nicht so stark. Wir schreiben schwarze Zahlen.“ Für viele Regionen in Deutschland sei es aber notwendig, dass auf die Fallpauschalen ein Sicherstellungszuschlag von 15 Prozent wie im Rahmen der Kampagne gefordert hinzukomme, ,,da es sonst zu Versorgungsengpässen oder sogar zu Schließungen von Kinderkliniken wie vor zwei Jahren in Soltau kommt“.

Gut abgedeckt sei in Lüneburg auch die spezialärztliche Versorgung von jungen Patienten durch niedergelassene Kollegen, zum Beispiel Kinderärzte mit Spezialisierungen für Lungen- oder Herzerkrankungen. So müsste die Kinderklinik diese teuren Vorhaltungen nicht erbringen. Als positiv bewertet der Chefarzt eine neue Richtlinie für Frühgeborenen-Stationen des Gemeinsamen Bundesausschusses, in dem Vertreter von Krankenhäusern, Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen sitzen. Danach wird für Perinatalzentren, also Einrichtungen zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen, eine deutlich höhere Personalausstattung gefordert. ,,Das ist sinnvoll und notwendig, allerdings ist die finanzielle Ausstattung dazu noch völlig ungeklärt.“ Auch mangele es vielerorts an speziell ausgebildetem Fachpersonal. Die Lüneburger Kinderklinik ist auch da in einer komfortablen Situation, sie bildet selbst aus.