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Erschöpft  aber glücklich: Klaus Krönung von der Willkommensinitiative, Student Johann Niedermeier und die Albaner Erguss Abulli, Elidon Metaj und Drisel Molla (v.l.) freuen sich über die selbst gebaute Bank. Foto: t&w
Erschöpft  aber glücklich: Klaus Krönung von der Willkommensinitiative, Student Johann Niedermeier und die Albaner Erguss Abulli, Elidon Metaj und Drisel Molla (v.l.) freuen sich über die selbst gebaute Bank. Foto: t&w

Gärtnern gegen die Vorurteile

lkö Lüneburg. Noch sieht der Eingang von Parzelle 105 recht karg aus. Doch fünf Meter weiter pinseln die Studentinnen Anemone Martine und Carla Rutsch gemeinsam mit Li Ying und Laura Nguyen gerade an einem bunten Eingangsschild. Kunst ist Li Yings Lieblingsfach in der Schule. Die Familie der Achtjährigen kommt aus China. Sie selbst wurde in Deutschland geboren und wohnt im Asylbewerberheim am Meisterweg.

Li Yings Familie und viele andere Bewohner der Flüchtlingsheime sind jetzt zum offiziellen ersten Spatenstich des Kulturgartens in die Kleingartenkolonie Moorfeld gekommen. Der Kulturgarten ist aus einer Initiative von Studenten der Leuphana hervorgegangen. Das Projekt ist noch sehr jung und Teil der Willkommensinitiative, die in Lüneburg bereits viel vorangetrieben hat, um Flüchtlingen die Integration zu erleichtern. „Diese Vernetzung ist sehr wertvoll. Da passiert viel Gutes in Lüneburg“, findet Robin Dirks. Der Student der Umweltwissenschaften ist Teil der Initiative Kulturgarten. Er erklärt das Konzept: „Wir wollen den Garten als Plattform zum Austausch zwischen Lüneburgern und Asylbewerbern nutzen.“ Das Jäten und Ernten soll zu einem funktionierenden Miteinander beitragen. Denn bei manchen gebe es Ängste. „Das Unbekannte wird oft vorschnell abgelehnt. Aber durch den direkten Kontakt zwischen Lüneburgern und Asylbewerbern werden Vorurteile schnell abgebaut“, ist Dirks sicher.

Das ist jetzt schon zu sehen. Alle packen gemeinsam mit an, um den Garten auf Vordermann zu bringen. Die einen bauen eine Bank, andere rupfen Unkraut, buddeln Löcher und bepflanzen Beete. Drisel Molla wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der Albaner schafft gerade Äste aus dem Garten. Er ist seit zwei Monaten in Lüneburg. Seine Heimat habe er verlassen müssen, weil dort sein Leben in Gefahr sei. Es sei nicht leicht gewesen für ihn, Familie und Freunde zurückzulassen. Aber es gefällt ihm in Lüneburg. „Ich mag die Stadt, die Menschen. Alle sind sehr freundlich“, sagt er und lächelt. Das Einzige, was den 26-Jährigen stört, ist, dass er nicht arbeiten darf: „Es ist so langweilig im Asylantenheim, nur essen und schlafen.“ Der Garten sei eine tolle Möglichkeit für den ehemaligen Barkeeper, zu arbeiten und sein Deutsch zu verbessern. „Endlich habe ich wieder was zu tun“, freut sich Molla. Er will ein kleines Gartenhaus in die Parzelle bauen.

Der Kulturgarten lebt von solchen Ideen. „Alle sind hochbegeistert, selbst anzupacken“, freut sich Dirks. Auch der Kleingärtnerverein Moorfeld, der dem Kulturgarten die Parzelle zur Verfügung stellt, unterstützt die neuen Hobbygärtner. „Heute kamen gleich Vereinsmitglieder vorbei und haben uns ihren Rasenmäher gebracht. Es ist toll, dass wir so unterstützt werden“, findet Dirks.

Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch ab 14 Uhr und jeden Sonnabend ab 11 Uhr im Garten. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzugärtnern. Annika Kettenburg wird sicher auch öfter dabei sein. Sie studiert Umweltwissenschaften und ist begeistert von der Idee des Kulturgartens: „Das Gärtnern klappt gut, da braucht man keine Worte. Außerdem vergisst man hier schnell seine eigenen Probleme. Viele hier haben so krasse Lebensläufe, eine Chemieklausur ist doch nichts dagegen.“