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Mit Mai-Schmuck verziert wartet der Maibaum auf dem Hof von Bauer Wilfried Sielemann  im Hintergrund zusammen mit Ortsvorsteherin Carmen Maria Bendorf  auf den Transport zum Festplatz in Rettmer. Foto: be
Mit Mai-Schmuck verziert wartet der Maibaum auf dem Hof von Bauer Wilfried Sielemann  im Hintergrund zusammen mit Ortsvorsteherin Carmen Maria Bendorf  auf den Transport zum Festplatz in Rettmer. Foto: be

Der Allzweckbaum von Rettmer

us Lüneburg. Bauer Sielemann ist ein praktisch denkender Mann. „Den Baum nehmen wir auch für Erntedank und im Advent“, sagt der 83-Jährige, „aber in erster Linie natürlich als Maibaum.“ Rund zehn Meter misst das gute Stück, für den großen Tag am 1. Mai in Rettmer ist er bereits geschmückt, eine sattgrüne Girlande wickelt sich um den kräftigen, weiß gestrichenen Stamm. Noch ist er eingelagert in der Scheune von Wilfried Sielemann, wo bis vor Kurzem auch der Maikranz noch unterm Dach hing, auch er bereits mit grünen Girlanden und bunten Fahnenstreifen verziert. Morgen ist es dann so weit, kurz vor 11 Uhr startet Sielemann seinen alten Deutz, mit dem Baum und Krone auf dem umgebauten Düngestreuer zum Festplatz am alten Feuerwehrhaus gezogen werden.

„In Rettmer hat der Maibaum schon Tradition“, berichtet Carmen Maria Bendorf. Das erste Maibaumfest in Rettmer fand vor 20 Jahren statt, die Idee kam vom damaligen Ortsvorsteher Wilhelm Brandenburg, „umgesetzt hatte sie dann der Verein Altes Feuerwehrhaus Rettmer“, erzählt die heutige Ortsvorsteherin. Der Verein sei gegründet worden, um das alte Feuerwehrhaus erhalten zu können, nachdem die Kameraden in die neue Wache an der Lüneburger Straße umgezogen waren.

„Der erste Baum eine richtige Birke, aber auch etwas krumm machte es dann irgendwann nicht mehr“, sagt Bauer Sielemann. Er entschloss sich deshalb, für Ersatz zu sorgen und spendierte Rettmer den stattlichen Baum, der morgen mit Traktor- und Muskelkraft in die Senkrechte gebracht werden soll. „Wir haben dafür eine stabile Halterung auf dem Platz angebracht, die schont auch das Holz“, sagt Wilfried Sielemann mit einem kritischen Blick auf die untersten Partien des rund zehn Meter langen Maibaums. Die sind in den letzten Jahren feucht geworden und mussten entfernt werden, „aber das dürfen wir nicht zu oft machen, sonst bleibt nachher nichts mehr nach“, sagt Sielemann mit einem Augenzwinkern.

Ortsvorsteherin Bendorf freut sich über die Aktivitäten im Ort, sie arbeitet daran, Alteingesessene und neu Hinzugezogene weiter zusammenzubringen. „Feste wie dieses sind dafür besonders geeignet“, sagt sie. Sie hofft, bei der geplanten Feier zum 700-jährigen Bestehen des Ortsteils am 26. Juli auch die vielen verschiedenen Vereine, die es im Dorf gibt, mit einbinden zu können. „Viele kennen sich noch gar nicht, das wäre ein schöner Anlass für alle, sich präsentieren zu können.“

Am Donnerstag wird, sobald der Baum steht, erst einmal gemeinsam gesungen, kündigt Carmen Bendorf an. Danach gibt es Getränke und Gegrilltes und eine Mai-Bowle, die von den Damen des Feuerwehrhaus-Vereins angesetzt wird, sie haben auch für den Baumschmuck gesorgt.

Bauer Sielemann schaut unterdessen, dass die lackierte Holzspitze, die auch den Maikranz halten soll, keinen Schaden nimmt. „Die Spitze nehmen wir für den Transport ab, dafür kommt da dann ein Haken rein, mit dem wir Baum und Krone ziehen können.“ Wie gesagt, Bauer Sielemann ist ein praktisch denkender Mann.

Brauchtum

Seit dem 13. Jahrhundert tanzen Menschen in Deutschland um einen mit Kränzen und bunten Bändern geschmückten Baum – ein Fruchtbarkeitssymbol. Aufgestellt auf einem zentralen Platz, wird er oft gut bewacht, denn auch der Maibaumklau ist eine Tradition. In einigen Gegenden wird bei Kletterwettbewerben am glatten Stamm ein Maikönig ermittelt.
Der allseits verbreitete Tanz in den Mai hat seinen Ursprung in der Walpurgisnacht als traditionelles nord- und mitteleuropäisches Fest. In der Nacht zum 1. Mai treffen sich nach altem Volksglauben Hexen auf dem Brocken (Blocksberg), um mit dem Teufel zu tanzen und zu feiern. Benannt ist die Walpurgisnacht nach der Äbtissin Walburga (8. Jahrhundert), der Schutzpatronin gegen Pest, Tollwut und böse Geister. Als „Tanz in den Mai“ hat sie wegen der Gelegenheit zu Tanz und Geselligkeit am Vorabend des Feiertags als modernes Fest­ereignis Eingang in private und kommerzielle Veranstaltungen gefunden.