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Almut Beitze (r.) engagiert sich im Freundeskreis Hospiz, seitdem dieser vor 20 Jahren gegründet wurde. Geleitet wird der Verein von Manon von Flotow. Foto: t&w
Almut Beitze (r.) engagiert sich im Freundeskreis Hospiz, seitdem dieser vor 20 Jahren gegründet wurde. Geleitet wird der Verein von Manon von Flotow. Foto: t&w

Begleiten ist bereichernd

as Lüneburg. Als zwei junge Menschen in ihrer Familie starben, fühlte sich Almut Beitze hilflos. ,,Du weißt nichts über Sterben und Tod“, habe sie damals gedacht. Als Irene von Oertzen, Mitbegründerin des Freundeskreises Hospiz, sie angesprochen habe, ob sie sich als Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung engagieren möge, sagte Almut Beitze mit der Überlegung zu: ,,Vielleicht lernst Du etwas über das Sterben und den Tod.“ Gelernt habe sie inzwischen viel, sagt die Adendorferin. ,,Aber eher über das Leben. Denn Leben und Tod gehören eng zusammen, und in der letzten Phase verdichtet sich noch einmal der Blick aufs Leben.“ Das Begleiten ist für sie in all den Jahren eine wertvolle Erfahrung gewesen und hat sie bereichert.

Almut Beitze gehört zu den ersten zehn aktiven Mitgliedern des Freundeskreises Hospiz, der am 9. Mai sein 20-jähriges Bestehen feiert. ,,Gegründet wurde er auf Initialzündung von Prof. Dr. Paul Georg Lankisch, Johanna Gerhard und Irene von Oertzen, die auch 18 Jahre lang die Vorsitzende war“, sagt Manon von Flotow, die seit acht Jahren im Vorstand ist und seit zwei Jahren den Freundeskreis leitet. Damals gab es in Niedersachsen nur noch einen weiteren ambulanten Hospizverein in Celle, in Deutschland gerade mal elf Vereine. ,,Heute zählen wir mit 80 Ehrenamtlichen zu den aktivsten Einrichtungen bundesweit. Und wir wünschen uns, dass uns die Ehrenamtlichen die Treue halten, denn sie sind die Stütze des Freundeskreises.“ Und der ist von einem wertvollen Gedanken getragen: Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, in Würde zu sterben und auf seinem letzten Lebensweg nicht alleine sein.

Liebe, Nähe und Zuwendung, das alles empfange einen neugeborenen Menschen. ,,Aber wenn jemand stirbt, braucht er genau das auch. Dafür sind wir gerne da“, umschreibt Almut Beitze ihr Engagement. Das sei umso wichtiger in Zeiten, in denen es immer mehr alleinstehende Menschen gebe oder Angehörige nicht vor Ort sein könnten. Ihre Ausbildung zur Sterbebegleiterin hat sie bei einer Krankenschwester gemacht, die dem Celler Verein angehörte. ,,Dabei habe ich gelernt, dass der Sterbende im Vordergrund und der Begleiter in der zweiten Reihe steht, Ideen und Impulse des Sterbenden aufnimmt und einfach für ihn da ist.“ Die Medizin könne physische Schmerzen gut lindern, aber der Sterbende müsse auch seelische aushalten. ,,Da ist es gut, wenn ihn jemand begleitet.“ Sie sei immer voller Hochachtung vor der Leistung desjenigen, der gehe. Oft würden dann nochmal Dinge angesprochen, die weit zurück liegen. Manchmal ist es möglich, in dieser Phase, Angehörigen oder Freunden die Hand zu reichen, nach Jahren der Distanz. Die Dinge des Alltags sind nicht mehr wichtig etwas, was auch Begleitende wie Almut Beitze und Manon von Flotow als Bereicherung an- und mitnehmen.

Eine Begleitung kann in der Familie, im Altenheim, auf der Palliativstation des Klinikums oder auch im Obdachlosenheim erfolgen da, wo jemand zu Hause ist. ,,Wir kommen auf Wunsch des Sterbenden oder wenn wir von Angehörigen angefragt werden. Die gilt es in vielen Fällen zu entlasten“, wissen die beiden Frauen. Angehörige sind emotional sehr eingebunden, da brauche es Pausen zum Durchatmen. Dann sind die Ehrenamtlichen da, die eine gewisse Distanz haben. Für den Sterbenden oft eine Voraussetzung, um über Dinge zu sprechen, mit denen man Angehörige nicht belasten möchte.

Allein 2013 haben die 80 Ehrenamtlichen 250 Menschen begleitet. Manche einige Tage, andere Monate oder ein Jahr. Für ihren Einsatz werden sie 100 Stunden ausgebildet, inklusive 20-stündigem Praktikum. Voraussetzung sei die Offenheit, sich den Fragen des Lebens und Sterbens zu stellen und der Wunsch, für andere da zu sein. Der Freundeskreis leistet nicht nur ambulante Hospizarbeit, er hat darüber hinaus federführend dazu beigetragen, dass 2004 die ersten beiden Palliativzimmer im Klinikum eingerichtet wurden. ,,Inzwischen sind es acht Zimmer, sodass es eine eigene Palliativstation gibt“, berichtet Manon von Flotow. Außerdem hat der Verein in den vergangenen Jahren die Ausbildung einer Palliativ-Pflegekraft pro Jahr getragen sowie 50 Prozent der Kosten für eine Musiktherapeutin gezahlt. Das Klinikum stellt im Haus an der Bögelstraße ein Büro zur Verfügung, wo zwei hauptamtliche Kräfte des Freundeskreises den Einsatz der Ehrenamtlichen koordinieren. ,,All das ist nur möglich, weil uns passive Mitglieder sowie Sponsoren finanziell unterstützen“, unterstreicht die Vorsitzende. Das größte Pfund seien aber die Ehrenamtlichen. Almut Beitze kommentiert das mit einem ihr so eigen warmen Lächeln. ,,Wenn jemand in Ruhe und Frieden gehen kann, dann ist das ein Glück. Ich habe dann das Gefühl, es hat alles seinen Sinn.“