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Der angeklagte Karsten L. (r.) vor Prozessbeginn mit Verteidiger Jörg Salzwedel. L. gestand zwar die Attacke, Eifersucht sei aber nicht der Grund gewesen, mit seiner Ex-Freundin habe er längst abgeschlossen gehabt. Foto:aja
Der angeklagte Karsten L. (r.) vor Prozessbeginn mit Verteidiger Jörg Salzwedel. L. gestand zwar die Attacke, Eifersucht sei aber nicht der Grund gewesen, mit seiner Ex-Freundin habe er längst abgeschlossen gehabt. Foto:aja

,,Er wollte das Glück zerstören“

rast Lüneburg. ,,Sie hatte ihn als Beschützer engagiert, ihre Freundinnen erzählten mir, da sei nichts“, erzählte der 25 Jahre alte Karsten L. gestern vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg. Am 5. Januar 2014 frühmorgens hatte L. die Balkontür zur Wohnung seiner Ex-Freundin mit einer Spitzhacke eingeschlagen: ,,Ich habe die Bettdecke hochgerissen, beide lagen nackt im Bett. Ich war geschockt, dass ich verarscht wurde.“ Der „Typ“ habe ihm auch noch gesagt, dass ,,es nicht so ist, wie es aussieht“. Was dann passierte, wertet die Staatsanwaltschaft als zweifachen versuchten Mord, die Opfer waren seine ehemalige Freundin und deren neuer Partner, auf die L. mit einer Spitzhacke und Messern losging.

Der angeklagte Straßenbauer aus Hambühren bei Celle will vom versuchten Mord allerdings nichts hören. Er erzählte, dass er 17 Monate lang mit der jungen Frau liiert war, größtenteils mit ihr und ihren beiden Kindern in ihrer Wohnung lebte, sich vor allem um die vierjährige Tochter kümmerte, sie täglich in die Kita brachte, mit ihr einkaufen ging: „Abends musste ich auf die Kinder aufpassen, weil sie mit ihren Freundinnen feiern ging.“ Nur zögernd räumte L. ein, dass es immer wieder zu lautstarken Streitigkeiten kam, er sogar handgreiflich wurde. Laut einer Polizeinotiz stand er schon während dieser Zeit mal auf ihrem Balkon und drohte, sie „abzustechen“. Ähnliche Drohungen folgten. Schließlich setzte sie ihn vor die Tür.

Ihr späterer Partner sagte gestern: Da L. der Frau auch nach der Trennung drohte, ständig bei ihr auftauchte und sie anpöbelte, habe sie eine Einstweilige Gewaltschutzanordnung gegen L. erwirkt, nach der L. sich ihr nur bis auf 50 Meter nähern durfte, und ihn quasi als Beschützer um Hilfe gebeten. Der 24-Jährige: ,,Sie schrieb mir, sie habe Angst vor ihm.“ Er selbst sei einer ihrer Ex-Freunde gewesen, darum habe sie ihn um Hilfe gebeten, er habe auf sie aufgepasst, mal hätten sie bei ihm, mal bei ihr geschlafen: ,,Ich war ihr Bodyguard, daraus entwickelte sich wieder eine Beziehung.“

Während L. beteuerte, er habe die Frau am Tatmorgen nur zur Rede stellen wollen, warum er die Kinder nicht mehr sehen dürfe, die Spitzhacke zufällig vor ihrem Haus gesehen, geht die Anklage davon aus, dass L. das Paar „aus niederen Beweggründen und heimtückisch“ töten wollte. Das Motiv: ,,Starke Eifersucht, er konnte nicht ertragen, dass sie eine neue Beziehung hatte. Er wollte das Glück zerstören.“ In alkoholisiertem Zustand habe er sich den 54 Zentimeter langen Metallkopf einer Spitzhacke gegriffen, sei auf den Balkon gestiegen, habe die Tür zertrümmert und das Paar ,,in schlaftrunkener, hilfloser Lage“ auf einem Sofabett angetroffen. Mit der Hacke habe er die Frau am Knie getroffen, die sich allerdings ins Bad habe retten und den Notruf wählen können.

Schließlich habe er mit der Hacke mehrfach auf den Mann eingeschlagen, dessen linken Unterarm gebrochen. Danach sei L. in die Küche gelaufen, habe sich ein Brotmesser gegriffen und sei mit ihm auf den ,,Bodyguard“ losgegangen. Der habe den Angriff abwehren können, dabei sei die Klinge abgebrochen. So habe sich L. zwei spitze Fleischmesser aus einer Küchenschublade gegriffen und sei erneut auf den Nebenbuhler los, habe aber abgelassen, als er registrierte, dass die Vierjährige im Kinderzimmer schrie. Als eine vom Lärm alarmierte Nachbarin dann an der Wohnungstür pochte, ,,hielt er die Tötung nicht mehr für möglich“ und sei geflüchtet.

Die Anklage deckt sich mit den Aussagen, die die Opfer, die keine lebensgefährlichen Verletzungen bei der Attacke erlitten, machten. Der Prozess wird fortgesetzt.