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Zahlreiche Schulkinder queren täglich die Einmündung der Straße Am Wildgehege in den Ochtmisser Kirchsteig. Ein Verkehrsspiegel könnte den kritischen Bereich entschärfen, meint Ratsherr Jens Kiesel. Foto: nh
Zahlreiche Schulkinder queren täglich die Einmündung der Straße Am Wildgehege in den Ochtmisser Kirchsteig. Ein Verkehrsspiegel könnte den kritischen Bereich entschärfen, meint Ratsherr Jens Kiesel. Foto: nh

Die unendliche Geschichte des Verkehrsspiegels

us Lüneburg. Es war bereits der fünfte Anlauf, den Ratsherr Jens Kiesel (Rentner) unternahm, um Zustimmung für sein Anliegen zu bekommen, doch wieder war ihm der Erfolg nicht vergönnt. Seinem Antrag, zur Sicherheit der Radfahrer im Ochtmisser Kirchsteig gegenüber der Straße Am Wildgehege einen Verkehrsspiegel aufzustellen, wollte der Rat der Stadt nicht folgen. Er sieht sich für das Thema nicht zuständig und verwies es zuständigkeitshalber zurück nach Ochtmissen, wo sich der Ortsrat nun erneut um eine abschließende Lösung bemühen soll.

„Für Kröten werden Schilder aufgestellt, für Kinder nicht“, suchte Kiesel zuvor die Ratsmitglieder von der Notwendigkeit eines Verkehrsspiegels zu überzeugen. Letztere seien in Ochtmissen aber deutlich mehr gefährdet, vor allem an der Einmündung der Straße Am Wildgehege in den Ochtmisser Kirchsteig. Schlechte Sichtverhältnisse hätten dort bereits mehrfach zu brenzligen Situationen geführt, da Autofahrer die vorfahrberechtigten Radfahrer vor allem Schulkinder nicht rechtzeitig erkennen könnten. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dort ein Unfall passiert“, warnte Kiesel.

Die Stadtverwaltung räumt ein, dass die Sichtbedingungen dort „nicht optimal“ seien, weshalb bereits ein Stopp-Schild aufgestellt und eine Haltlinie aufgebracht worden seien. Ein zusätzlicher Verkehrsspiegel aber würde nach Erfahrungen der Polizei nicht automatisch zu mehr Sicherheit führen, vielmehr würden sich Autofahrer in einer „Scheinsicherheit“ wiegen, da der Spiegel durch Vandalismus oder witterungsbedingte Einflüsse ein falsches Bild vermitteln könnte. Straßenverkehrsbehörde und Polizei hätten sich zudem vor Ort davon überzeugt, dass ein „langsames gefahrloses Einfahren“ in den Ochtmisser Kirchsteig möglich sei.

„Der Spiegel soll ja auch nicht den Verstand ersetzen, sondern zusätzliche Hilfe leisten“, hielt Kiesel dagegen. Auch den Vandalismus-Hinweis der Stadt könne er nicht nachvollziehen, „damit könnte man schließlich jede Maßnahme unterlassen.“

Halbe Unterstützung erhielt Jens Kiesel von Claudia Schmidt (Grüne). Zwar schloss sie aus, dass es zu einem Verkehrsspiegel kommen werde „die Polizei ist dagegen“ , regte aber an, die Radwegebenutzungspflicht an der Stelle zu überdenken und die Situation durch Fahrbahnmarkierungen zu entschärfen. Sie plädierte für gegenseitige Rücksichtnahme und ein stärkeres Miteinander der Verkehrsteilnehmer.

Michèl Pauly, Fraktionschef der Linken, konnte der Argumentation der Stadt „inhaltlich und logisch nicht folgen.“ Selbst wenn der Spiegel witterungsbedingt gelegentlich ausfalle, würde er in der übrigen Zeit immerhin noch einen Sicherheitsgewinn darstellen. Ihm fehlten in der Stellungnahme der Stadt zudem konkrete Zahlen über mögliche Unfallsituationen an der Einmündung. Die gäbe es nicht, entgegnete Markus Moßmann, Verkehrsdezernent der Stadt, musste sich aber von Jens Kiesel korrigieren lassen, der auf drei Blechschaden-Unfälle verwies, die durch „schreckhaftes Zurücksetzen von Autofahrern gegen ihren Hintermann“ verursacht seien.