Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Dieses Konzept einer verschwenkten Landebahn, die über den Sportplatz des Kasernengeländes führt, und des Ausbaus des Flugplatzes präsentierte die Verwaltung im Rat. Die Süderelbe AG hat das Konzept laut Oberbürgermeister Mädge ohne Rücksprache erarbeitet.
Dieses Konzept einer verschwenkten Landebahn, die über den Sportplatz des Kasernengeländes führt, und des Ausbaus des Flugplatzes präsentierte die Verwaltung im Rat. Die Süderelbe AG hat das Konzept laut Oberbürgermeister Mädge ohne Rücksprache erarbeitet.

Turbulenzen über der Landebahn

ca Lüneburg. Manchmal wird man mit Geschenken konfrontiert, über die man sich nicht recht freuen mag. So ging es Donnerstag im Rat zu. Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellte ein Konzept der Wirtschaftsfördergesellschaft Süderelbe AG und eines Planungsbüros für den Lüneburger Flugplatz vor. Befestigte Landebahn, „Flugzeugwerft“, Gewerbeansiedlung sowie eine neue Bleibe für den Luftsportverein. Laut Mädge müsste der Tower dann zeitweise durchgängig besetzt werden. Zu erwarten wären mehr und wohl auch größere Flugzeuge. Genug Zündstoff für den Rat. Denn die Landebahn ist seit Jahren ein Streitpunkt in Lüneburg. Ratsmitglieder sorgen sich um Anwohner wegen Lärm und Gefahren. In der Vergangenheit hatte es Flugzeugabstürze gegeben, die relativ glimpflich endeten. Eine Bürgerbewegung kämpft gegen die Flieger.

Mädge zeigte sich irritiert, dass die Süderelbe AG ihre Studie ohne Rücksprache mit dem Rathaus, das dem Ganzen schon vor Wochen eine Abfuhr erteilt hat, erarbeitet habe. Dazu war von Vorstandschef Jochen Winand gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Über die neuen Ideen hatte der Rat am Morgen bereits in der LZ lesen können. Dort hatten sich Mädges CDU-Konkurrent ums Oberbürgermeisteramt, Eckhard Pols, und der Vorsitzende des Luftsportvereins, Richard Meier, zu den Süderelbe-Ideen geäußert: Pols plant den großen Wurf mit Stadion für den LSK, der seine Heimat in Wilschenbruch verloren hat. Er könnte auf dem Kasernengelände, das an den Flugplatz anschließt, eine neue Heimat finden. Ein Fußballplatz ist vorhanden. Auch der künftige Volleyball-Bundesligist SVG Lüneburg könnte dort in einer Halle auflaufen. Parkplätze seien gemeinsam nutzbar. Dritter im Bunde wäre der Luftsportverein. Ein Investor, dem Luftsportverein verbunden, hätte laut Pols Interesse an Kauf und Entwicklung des Areals.

Doch alles basiert auf dem Prinzip Hoffnung: Noch hat die Bundeswehr die überplanten Flächen in der Theodor-Körner-Kaserne nicht geräumt. Die Stadt hat gerade eine Arbeitsgruppe unter Leitung des ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten Jens Kaidas eingerichtet, die ausloten soll, welche Bereiche im Rahmen der Bundeswehrreform und der Verkleinerung des Standortes wann zu haben wären.

Das Süderelbe-Konzept würde aber bedeuten, dass die Landebahn des Flugplatzes auf das TKK-Gelände und damit in Richtung Ebensberg verschwenkt wird. Mädge prophezeit: Damit wäre die bisher durch Ratsbeschluss entwickelte Planung für den sportlichen Bereich hinfällig. Die verschwenkte Rollbahn würde durch das Sportgelände führen. Auch würden dort Hallen und Bereiche überplant, welche die Bundeswehr nach bisherigem Wissensstand der Stadt nicht freigeben wolle.

Pols war nicht im Rat, von der LZ mit den Bedenken konfrontiert, widerspricht er Mädge: Die Entwürfe ließen sehr wohl eine Nutzung für den Sport zu. Die Landebahn könne entsprechend angelegt werden. Zudem sei sie kürzer, da die Maschinen auf Asphalt schneller abheben könnten, die Flugbahn gehe nicht über Wohngebiete.

Widerspruch zu der Erweiterung des Flugplatzes kam nicht nur von SPD-Fraktionschef Heiko Dörbaum, der auch Ortsvorsteher am Ebensberg ist: Er fürchtet Belastungen für die Einwohner des Stadtteils. Auch Ulrich Blanck (Grüne), er ist in Hagen zu Hause, erteilte den Plänen eine Absage. Er machte auf den Widerstand gegen den Flugplatz aufmerksam. Er forderte Mädge auf: „Planen Sie ohne Wenn und Aber weiter mit dem Sport.“ Und auch in der CDU schreien nicht alle Hurra. Bürgermeisterin Regina Baumgarten war in Sachen Flieger immer kritisch, nennt die Pläne auf LZ-Nachfrage „hochgradigen Schwachsinn“, es laufe auf eine Hochstufung zum Verkehrslandeplatz hinaus. „Den braucht niemand.“

Rat in Kürze

Die Ilmenau soll schiffbar bleiben, Wehre und Schleusen sollen instand gesetzt werden. Das war Konsens im Rat. Bekanntlich will der Bund dem Fluss den bis zur Abtsmühle geltenden Status Bundeswasserstraße entziehen. Da wenige Schiffe über die Ilmenau fahren, ergebe es keinen Sinn, 18 Millionen Euro für notwendige Arbeiten zu investieren. Sogenannte Sohlgleiten wären Alternativen. Die Lokalpolitiker machen sich Sorgen, dass der Wasserstand des Flusses sinkt und das Folgen für Häuser etwa im Wasserviertel haben könnte. Auch könne die Ilmenau größere Bedeutung für den Tourismus erlangen, bliebe der Fluss für Freizeitkapitäne nutzbar. Einstimmig beschlossen die Fraktionen, Mitglied im Förderverein Historische Ilmenau zu werden.

Die städtische Stiftung Hospital Zum Großen Heiligen Geist hat, wie berichtet, ihr Erbpachtgrundstück der alten St.-Ursula-Schule an die städtische Gesellschaft Lüwobau veräußert. Die baut dort Seniorenwohnungen. Auf Anfrage der Linken erklärte die Verwaltung, der Stiftung sei kein Schaden entstanden, sie habe als Ersatz Grund und Boden im Hanseviertel erworben, den sie in Erbpacht geben oder selber bebauen wolle.

Ein Schild zur Orientierung für Reisende möchte Birte Schellmann (FDP) am Busbahnhof anbringen, damit Kunden wissen, welchen Bus sie nehmen müssen. Dazu erklärte die Verwaltung, entsprechende Pläne gebe es. So ein Informationssystem koste 10000 Euro.

One comment

  1. Der Erhalt e des Geländes für den Sport ist wichtig für Lüneburg. Dabei können Luftsport, Fußball und die geschäftliche Luftfahrt sehr gut miteinander Koordiniert werden und Lüneburg behält die Ökologisch wichtige grüne Lunge.