Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Prof. Dr. János Winkler untersucht auf Cebu ein Kind. Der Lüneburger Mediziner hat auf den Philippinen ehrenamtlich auch Menschen behandelt, die im Müll leben müssen.
Prof. Dr. János Winkler untersucht auf Cebu ein Kind. Der Lüneburger Mediziner hat auf den Philippinen ehrenamtlich auch Menschen behandelt, die im Müll leben müssen.

Hilfseinsatz auf der Mülldeponie

ca Lüneburg. Die Familien leben auf einer Müllhalde. Kommen die Laster mit neuem Abfall, turnen Kinder an den Wagen empor, schütten die Fahrer den Unrat ab, können die Schnellsten unter ihnen sich vermeintliche Schätze he­rausziehen: Essensreste, ein paar Tropfen Saft aus einer Flasche, ein Stück Draht, das sich zu Geld machen lässt. Über allem liegt ein gewaltiger Gestank. Der Lüneburger Mediziner Prof. Dr. János Winkler sagt: „Der erste Impuls in mir war, sofort Essen dorthin zu bringen.“ Doch das würde kaum etwas verändern, hat er auf Cebu, einer Insel der Philippinen, gelernt. Das Leitmotiv für Helfer dort sei: „Gib ihnen nicht den Fisch, sondern die Angel.“

Der 48-Jährige ist nach Asien geflogen, um dort zehn Tage ein Projekt zu begleiten, an dem die Dekeyser&Friends-Stiftung maßgeblich beteiligt ist. Dekeyser ist Chef der Lüneburger Möbel-Firma Dedon, sie unterhält auf dem Eiland einen Produktionsstandort, Einheimische beherrschen eine besondere Flechttechnik, die bei der Herstellung etwa für hochwertige Liegen und Sessel zum Einsatz kommt. Nicht nur in dem Werk herrschen vorbildliche Arbeitsbedingungen, die in der Region ihresgleichen suchen, Dekeyser engagiert sich darüber hinaus für die Menschen in der Umgebung.

„Ich wollte nicht nur anonym Geld spenden“, sagt Winkler, „sondern direkt helfen.“ So hat er auf der Deponie und in einem Dorf, welches die Stiftung gegründet hat, als Arzt gearbeitet, zusammen mit einem Mediziner, der für die Hilfsorganisation German Doctors im Einsatz war. Infektionskrankheiten beispielsweise der Atemwege und Hauterkrankungen seien an der Tagesordnung. Bei einer Reihenuntersuchung von 250 Grundschülern habe er katastrophale Gebisse gesehen, Zähne seien bei fast allen Kindern zerstört. Das liege an der Ernährung: „Die Menschen sind arm, billig sind Reis und Zucker die Folgen sieht man in den Mündern der Mädchen und Jungen. Gerade mal vier Schüler hatten ein halbwegs gutes Gebiss.“

Die Stiftung, sagt Winkler, verfolge zwei Ansätze. Sie helfe, eine Art Dorfstruktur auf der Deponie zu schaffen. Ein „Platz“, sofern man das so nennen kann, soll eben auch dazu führen, dass sich eine Gemeinschaft entwickelt.

Wer hier weg will und auch die Voraussetzungen mitbringt, kann umziehen in ein Tal. Dort hat die Stiftung einfache Häuser errichtet und unterstützt 50 Familien, die eine Landwirtschaft und etwas Handwerk betreiben. Zwei Standbeine, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Auf dem Dorfplatz steht eine Tafel, auf der Einnahmen aufgeführt sind, die Einzelne erzielen, aber allen zugute kommen. „Dieses Projekt soll noch wachsen“, sagt der Arzt. Darin liege auch die Chance, dass Menschen auch außerhalb des Dorfes in Betrieben Arbeit finden könnten.

Winkler, der in Lüneburg auch Mitarbeiter des Dedon-Standortes im Hafen medizinisch betreut, ist überzeugt von der Arbeit der Stiftung und sieht, dass auf den Philippinen weiterhin ärztliche Hilfe benötigt wird. Im kommenden Jahr will er wieder nach Cebu fliegen, um die Ärmsten der Armen ehrenamtlich zu behandeln.