Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Barbara Kröger (l.) und Meibrit Ahrens gehen in ihrem Büro die letzte Fassung eines Drehbuchs durch. Von der Idee bis zur ersten Klappe für jeweils fünf Folgen dauert es zehn Wochen.
Barbara Kröger (l.) und Meibrit Ahrens gehen in ihrem Büro die letzte Fassung eines Drehbuchs durch. Von der Idee bis zur ersten Klappe für jeweils fünf Folgen dauert es zehn Wochen.

Die Köpfe hinter den Rosen-Storys

rast Lüneburg. Schreibt einer die Geschichten des Lüneburger TV-Hits ,,Rote Rosen“ allein? Gibt es für jede Figur für Johanna, Thomas oder Gunter jeweils einen eigenen Autor? Fragen, die der Produktion und den Schauspielern häufig gestellt werden. Hinter der Erfolgsstory steht eine riesige Autorenschaft. Allein im Studio an der Lilienthalstraße sitzen ständig 13 Mitarbeiter, hinzu kommen rund 30 Autoren von außerhalb, die überall in Deutschland schreiben. Ihre Chefinnen als Headautoren sind aktuell Barbara Kröger und Meibrit Ahrens, zwei Rosen-Pioniere, die wenn auch zunächst in anderen Funktionen seit Beginn an dabei sind.

Das Chefinnen-Duo aus der Autoren-Etage entwickelt das grobe Konzept, eine Drehbuch-Kurzform, im Fachjargon Treatment genannt. ,,Es gilt, eine Geschichte für jede 200 Folgen dauernde Staffel zu entwickeln. Dann plotten wir mit unseren Autoren im Studio fünf Folgen“, erläutert Barbara Kröger. Plotten meint die Vorgabe der Handlung, die wird dann noch gesplittet für jeweils 144 Szenen, bei denen rund 20 Schauspieler eingesetzt werden. Dabei wird vorgegeben, wie viele Teile draußen und wie viele im Studio gedreht werden. Das Ergebnis wird dem Lektorat übergeben, Meibrit Ahrens: ,,Redaktion und Produktion machen einen Realitätscheck, schauen, ob die Ideen umsetzbar sind. Eine Szene mit einem Erntedankfest, wo rund 300 Schauspieler und Statisten mitspielen müssten, ist nicht machbar zu aufwändig und zu teuer.“ Ist diese Hürde genommen, gehen die Geschichten an fünf auswärtige Autoren, die die Storyline entwickeln, die detaillierten Dialoge schreiben. In der Regel erhalten die Dialogautoren freitags abends die Geschichten, sprechen Details montags mit den Headautoren telefonisch ab und schicken ihre Dialogbücher am jeweils nächsten Freitag zurück. Diese Dialogbücher werden laut Barbara Kröger im Studio noch einmal geprüft: ,,Ist die Sprache für die jeweilige Figur zu modern oder zu altmodisch?“ Der Prozess von der ersten Idee bis zum Dreh der erdachten Szene dauert zehn Wochen.

,,Die Arbeit vor Ort ist stressig. Jeden Tag muss eine Folge erdacht werden, die 48 Minuten füllt“, sagt Kröger: ,,Das ist über einen Zeitraum von einem Jahr kaum machbar.“ Daher pausieren zwischendurch immer wieder Autoren im Wechsel. Um in der Serie ein breites Feld des Lebens und viele Perspektiven widerzuspiegeln, ist das Autorenteam vielfältig zusammengesetzt, besteht aus Frauen und Männern, aus Jüngeren und Älteren.

Eine spezielle Ausbildung zum Headautor gibt es nicht, die Schreiber kommen aus unterschiedlichen Branchen. Ein Zufall ist, dass es bei Barbara Kröger und Meibrit Ahrens Parallelen gibt. Die beiden Hamburgerinnen haben Theaterwissenschaft studiert. Barbara Kröger wirkte danach als Regieassistentin am Thalia Theater und als freie Regisseurin, ging zu den Bavaria Studios und zu Grundy UFA. Bei den Rosen gehörte sie vom Start an zum Autorenteam. Meibrit Ahrens arbeitete nach ihrem Studium unter anderem mit Regiestars wie Peter Zadek und Jürgen Flimm zusammen, wechselte dann zu Film und Fernsehen, drehte viel mit Alexander Kluge und schrieb Konzepte für Computerspiele, bevor sie als Autorin bei den Rosen anfing.

An der Lüneburger Produktion reizt beide nicht nur, dass anders als bei anderen TV-Produktionen die meisten Autoren unter einem Dach sitzen, sondern auch die Spannung. Kröger: ,,Es ist Alarm, wenn einer der Darsteller erkrankt. Dann gehts bei uns in die Eisen, wird auch nachts und an den Wochenenden gearbeitet, um die Bücher umzuschreiben.“ Unvergessen die Phase, als gleich mehrere Schauspielerinnen schwanger wurden, Ahrens: ,,Das änderte das komplette Konzept. Aber das macht unsere Arbeit spannend und schön.“