Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Helfende Engel entlasten Mütter
4191955.JPG

Helfende Engel entlasten Mütter

rast Lüneburg. Mütter werden nach der Geburt eines Kindes heute meist nach wenigen Tagen aus der Klinik entlassen. Zu Hause beginnt trotz aller Freude über das Neugeborene der normale Wahnsinn einer Wochenbett-Familie: Das Baby schreit, Einkäufe wollen organisiert werden, Geschwister sind eifersüchtig. Auch die Lüneburgerin Melanie Gohr-Mellersh räumt ein: ,,Als Anouk, mein drittes Kind, vor drei Jahren zur Welt kam, geriet ich ganz schön ins Schwimmen, war in den ersten drei Monaten überfordert.“ In einer Hebammen-Praxis sah sie eine Broschüre des Hilfsprojekts ,,Wellcome“. Als sie vor acht Monaten Juna bekam, fiel ihr das Faltblatt wieder ein, sie meldete sich bei der Evangelischen Familien-Bildungsstätte: ,,Ich hatte ein nettes Gespräch mit Frauke Hahnemann, die das Projekt fürs Stadtgebiet koordiniert. Wenig später kam die E-Mail, dass sie eine Frau gefunden hatte.“ Seither kommt Patricia Willers als helfender Engel montags in die Familie, kümmert sich um die dreijährige Anouk es ist die 100. Familie, die in dem Projekt betreut wird.

,,Wellcome“ steht für Wellness und Ankommen und ist ein vom Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis über die Familien-Bildungsstätte und vom Diakonieverband über MaDonna getragene Hilfe für junge Familien. Die Finanzierung erfolgt seit 2007 über Zuschüsse von Land, Stadt und Landkreis. Ziel ist es, junge Familien zu entlasten und sie vor Überforderung zu schützen. In der Stadt gibt es aktuell sieben Helferinnen, vier davon sind im Einsatz. Im Landkreis betreuen von zwölf Helfern sieben je eine Familie. Für die Familien ist das Angebot kostenfrei, Helferinnen wie Patricia Willers aus Brietlingen erhalten eine Kostenpauschale fürs Benzin.

Die Liebe zog die Hamburgerin Melanie Gohr-Mellersh (41) vor dreieinhalb Jahren nach Lüneburg, ihr aus England stammender Mann Justin Mellersh arbeitet als Lektor für einen wissenschaftlichen Verlag im Landkreis. ,,Wir sind eine Patchwork-Familie“, sagt die Frau, die Svenja (heute 17) und Levin (10) mit in die Beziehung brachte. Sie selbst hat Ökonomie studiert, gerade ihren Master gemacht, als Anouk zur Welt kam: ,,Wir wollten aber noch ein zweites gemeinsames Kind Juna.“ Gerne würde die Mutter, die freiberuflich als Autorin im Internetbereich wirkt, wieder intensiver arbeiten.

Für die Wellcome-Hilfe ist die vierfache Mutter nicht nur deshalb dankbar: ,,Wenn die beiden Älteren montags in der Schule sind, kann ich mich intensiv um den Haushalt kümmern.“ Dann ist Patricia Willers für Anouk da: ,,Es war anfangs eine schwierige Situation, denn Anouk sollte nicht eifersüchtig auf Juna werden.“ Das passierte nicht, weil Patricia Willers mit der Dreijährigen im Haus spielt. ,,Oder wir gehen zum Spielplatz oder in den Schrebergarten“, sagt die 63-Jährige. ,,Oder wir machen einen Stadtbummel, kürzlich waren wir beim Friseur.“ Für die engagierte Frau ist es die erste Familie, die sie betreut: ,,Ich war Fitnesstrainerin und wollte danach meine Freizeit ehrenamtlich verbringen, auf jeden Fall was mit Kindern machen.“ In einem Sportstudio fiel ihr die Wellcome-Info in die Hände: ,,Ich rief bei der Familien-Bildungsstätte an, wurde zu einem Gespräch mit der Familie gebeten uns allen war klar: Das passt.“ Sie selbst habe zwei Töchter, die mittlerweile studieren: ,,Daher weiß ich, dass so eine Hilfe willkommen ist.“ Dass sie lediglich die Benzinkosten erstattet bekommt, ist kein Problem für Patricia Willers: ,,Das mache ich ja ehrenamtlich.“ Und das Lächeln von Anouk sei der schönste Lohn.

Familien und Helferinnen vermitteln Frauke Hahnemann von der Evangelischen Familien-Bildungsstätte unter %44211 für das Stadtgebiet und Anja Schweimer von MaDonna unter Tel.35535 für den Landkreis.

One comment

  1. Sorry, für mich ist das nicht ehrenamtliche Arbeit, sondern perfide Ausbeutung. Frau Willers lediglich die Benzinkosten zu bezahlen ist eine Zumutung. Und dann dieses Modell hier in der LZ zu preisen, ist ja wohl das Letzte…