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Auszubildende der DRK Augusta-Schwesternschaft und des Städtischen Klinikums setzten sich gestern für Verbesserungen in der Pflege ein. Foto: t&w
Auszubildende der DRK Augusta-Schwesternschaft und des Städtischen Klinikums setzten sich gestern für Verbesserungen in der Pflege ein. Foto: t&w

Wenn die Pflege zum Pflegefall wird

us Lüneburg. Nicht nur die Zeiger der Rathaus-Uhr, auch dunkle Wolken über dem Lüneburger Marktplatz kündigten die Aktion der DRK Augusta-Schwesternschaft Lüneburg gestern Mittag bedeutungsvoll an: Beim Thema Pflege ist es fünf vor zwölf. „Wir können pflegen, und wir wollen pflegen, aber die Bedingungen sind alles andere als optimal“, sagte Elisabeth Börner-Gleiß, Oberin der Schwesternschaft. Ihre Einrichtung beteiligte sich am deutschlandweiten Aktionstag, zu dem der Dachverband der DRK-Schwesternschaften aufgerufen hatte.

Zu wenig Zeit, zu wenig Personal, zu wenig Geld. „Die Arbeit in der Pflege ist wenig attraktiv“, führte Elisabeth Börner-Gleiß aus. Zu spüren bekämen das vor allem die zu Pflegenden, die Entwicklung drohe angesichts der demographischen Entwicklung, sich sogar noch zu verschlechtern. „Wir wollen mit unserer Aktion die Gesellschaft wachrütteln und die Politik auf die Missstände aufmerksam machen.“

Der Verband der DRK-Schwesternschaften fordert vor allem Verbesserungen bei der Personalausbildung und Personalausstattung. „Der Personalschlüssel in Altenheimen ist zu niedrig bemessen und die Finanzierung des Pflegepersonals mit kompetenten Mitarbeitern nicht gesichert“, kritisierte Elisabeth Börner-Gleiß. „Mein größtes Ärgernis aber ist: Jeder meint, er könne pflegen.“ Hilfspersonal sei aber nur bedingt für die Aufgaben geeignet.

Geht es nach den Augusta-Schwestern, könnten die Missstände mit einem Fünf-Punkte-Programm abgebaut werden. Dazu zählen die Errichtung von Pflegekammern „für eine gemeinsame, starke Stimme“, die Verabschiedung eines Pflegeberufegesetzes, eine verbindliche Personalausstattung und leistungsgerechte Vergütung, die grundlegende Reform der Pflegeausbildung und Sicherstellung der Ausbildungsfinanzierung sowie die Umsetzung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

Dass der Bedarf an professionellen Pflegekräften steigen wird, davon ist auch Hiltrud Lotze überzeugt. „In den kommenden 20 bis 30 Jahren werden bundesweit 150000 bis 250000 Pflegekräfte fehlen“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete, die sich für eine bessere Finanzierung des Pflegesektors im Rahmen einer Bürgerversicherung aussprach.

Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols ist die Pflege „ein Zukunftsthema“, das die Bundesregierung mit einem Sechs-Milliarden-Euro-Programm angehen wolle. Er plädierte gestern dafür, einen Fonds anzulegen, damit die Pflege auch in 2035 oder 2040 gesichert ist: „Wir müssen uns demographiefest aufstellen.“

Als „absolutes Minimum“ bezeichnete Andrea Schröder-Ehlers, SPD-Landtagsabgeordnete, die kürzlich erfolgte Abschaffung des Schulgeldes für die Pflegeausbildung. Sie forderte darüber hinaus eine Umlagefinanzierung und die Durchführung einer Image-Kampagne, um die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern.

Auf die Situation in Lüneburg ging Oberbürgermeister Ulrich Mädge ein. Er kündigte an, gemeinsam mit der Gesundheitsholding eine Pflegeeinrichtung zu schaffen, die auch in den neu entstehenden Lüneburger Stadtteilen verankert werden soll.