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Michael Raykowski (l.) weist den Container ein. Jobsozial nutzt ihn als Werkstatt für das Projekt.
Michael Raykowski (l.) weist den Container ein. Jobsozial nutzt ihn als Werkstatt für das Projekt.

Werkstatt am Haken

ca Lüneburg. Am Salzmuseum haben sie die Boote Ewer und Prahm gebaut, doch jetzt zieht die Werkstatt von Jobsozial um: An der Wittenberger Bahn sollen in den nächsten Monaten zwei alte Eisenbahnwaggons aufgearbeitet werden: einer für die Arbeitsgemeinschaft der Verkehrsfreunde, die unter anderem Fahrten für Touristen nach Bleckede und in die Heide veranstaltet und einen Wagen für Fahrräder an den Museumszug hängen möchte. Der andere Wagen soll vor dem Museum am Wandrahm stehen und an das Sterben von KZ-Häftlingen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf dem Güterbahnhof erinnern.

Projektleiter Michael Raykowski berichtet, dass die Werkstatt aus zwei Gründen umzieht: Die Flächen am Salzmuseum waren Jobsozial vom benachbarten Supermarkt überlassen worden. Doch bekanntlich bestehen für das Areal Umzugs- und Baupläne, dafür spielt die Fläche eine Rolle. Zudem ergebe es Sinn, die Waggons an den Gleisen aufzuarbeiten, weil dort mehr Platz sei.

Bis Ende März kommenden Jahres sollen bis zu 20 Teilnehmer die Wagen restaurieren. Sie lernen Holz- und Metallbearbeitung, können Computerkenntnisse erwerben, sich weiter qualifizieren, etwa einen Führerschein für einen Bagger oder einen Schweißerschein erwerben. Die meisten der Männer haben seit Langem keinen Job. So wie der 53-Jährige, der seinen Namen lieber nicht nennen mag, weil ihm seine Lage peinlich ist: Seit 13 Jahren sei er arbeitslos, erzählt der gelernte Maurer. Er räumt ein, sein Können sei begrenzt, daher hoffe er, nun auch Tischlerarbeiten zu erlernen, um so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Ein anderer ist von Hamburg nach Lüneburg gekommen. Er sei obdachlos gewesen, habe den Boden unter den Füßen verloren. Zuvor habe er altes Metall entrostet, jetzt wünscht sich der 35-Jährige, auch die „Oberflächenbearbeitung zu erlernen“.

Zwei Handwerksmeister, ein Sozialpädagoge sowie Raykows­ki betreuen die Teilnehmer. Aktuell sind es 15, zwei haben bereits einen Arbeitsplatz gefunden. Denn das ist natürlich das Ziel des Vorhabens, das mit 200000 Euro vom Europäischen Sozialfonds und dem Jobcenter gefördert wird. Geld geben auch Stadt und Sparkassen-Stiftung, das sind noch einmal 30000 Euro. In der Vergangenheit haben Raykowski und seine Kollegen eine Erfolgsgeschichte geschrieben: Beim Schiffbau, aber auch beim Wiederherrichten der Eisenbahnstrecke nach Bleckede haben sich die Teilnehmer so gut gemacht, dass einige von ihnen reguläre Arbeitsplätze gefunden haben.

Wer mehr erfahren oder eine Stelle anbieten möchte, erreicht Raykowski unter Tel. 6996072.