Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eine Fläche aus 22 Glasscheiben schützt künftig den Taubenhof im Innern des Lüneburger Rathauses. Gestern legten Mitarbeiter einer  Bardowicker Metallbau-Firma letzte Hand an die tonnenschwere Konstruktion. Foto: t&w
Eine Fläche aus 22 Glasscheiben schützt künftig den Taubenhof im Innern des Lüneburger Rathauses. Gestern legten Mitarbeiter einer Bardowicker Metallbau-Firma letzte Hand an die tonnenschwere Konstruktion. Foto: t&w

Tonnenschwere Leichtigkeit

us Lüneburg. Sie sieht leicht und grazil aus, doch die neue Glasdach-Konstruktion für die Überdachung des sogenannten Taubenhofs im Lüneburger Rathaus ist ein echtes Schwergewicht. Knapp viereinhalb Tonnen wiegen die 22 Glasscheiben, die gestern auf das vorinstallierte Stahlgerüst montiert wurden. In zehn Meter Höhe soll das Dach künftig Schutz vor der Witterung, vor allem aber vor den unliebsamen Hinterlassenschaften der vielen Tauben bieten, denen der Hof seinen heutigen Namen verdankt.

Die Baumaßnahme ist Teil der geplanten Verlegung des Eingangsbereichs zum Rathaus. Während der Zugang gegenwärtig noch durch die „Große grüne Tür“ am Ochsenmarkt direkt über die Ratsdiele erfolgt, sollen Besucher künftig durch die kleinere Tür rechts davon ins Rathaus gelangen. Erstmals stehen dort dann auch Räume für Kasse und Garderobe zur Verfügung, außerdem verspricht sich die Stadt eine Verbesserung des Raumklimas in den historischen Räumen des Rathauses. „Die Öffnung der großen Tür zur Ratsdiele erzeugt durch ständigen Feuchteeintrag raumklimatische Prob­leme“, sagt Inga Reimers vom Bereich Gebäudewirtschaft der Stadt. Betroffen davon seien neben der Ratsdiele auch der Huldigungssaal, das Obere Gewandhaus, die Gerichtslaube, die Alte Kanzlei und der Fürstensaal, aber auch die bedeutende hölzerne Ausstattung in der Großen Ratsstube aus dem 16. Jahrhundert.

„Mit der Verlegung des Eingangsbereichs wird der Innenhof auch seine zentrale Funktion als Verbindungselement wieder aufnehmen“, erläutert Inga Reimers. Mehrere Jahrhunderte hindurch habe der Hof die verschiedenen mittelalterlichen Gebäudeteile des Rathauses miteinander verbunden, selbst die Polizei war mit Gefängniszellen in diesem Teil des Rathauses vertreten. Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring schätzt, dass die Ordnungshüter bis Ende des 19. Jahrhunderts dort Räume nutzten, der letzte Eintrag der Polizeiwache am Markt im Adressbuch der Stadt sei aus dem Jahr 1895. „Deswegen nannte man diesen Innenhof früher auch Polizeihof“, weiß Inga Reimers zu berichten.

Dass sich die Tauben des Innenhofes bemächtigten, bereitete der Stadt seit Langem Sorgen, denn der Kot hinterlässt hässliche Spuren und setzt der Gebäudesubstanz zu. „Wir haben mit verschiedenen Maßnahmen versucht, die Tauben aus dem Innenhof fernzuhalten, genutzt hat es aber alles nichts“, berichtet Inga Reimers. Mit dem neuen Glasdach hofft die Stadt nun, die Vögel endgültig vertreiben zu können. „Die glatte Oberfläche der Glasplatten und die Neigung des Daches mögen die Tiere nicht.“

Die ungetrübte Sicht zum Himmel über Lüneburg soll vom Hof aus künftig auch trotz Dach dauerhaft möglich sein, „das Glasdach ist nämlich selbstreinigend“, verspricht Eva Westphal, die als Architektin des Architekturbüros PMP aus Hamburg das Projekt betreut. Sollte doch einmal eine Reinigung nötig werden, kann das Dach betreten werden, „die Glasscheiben sind mit etwa 30Millimetern Stärke ausreichend dimensioniert, daher auch das hohe Gewicht“.

Eine besondere Herausforderung sei die Berücksichtigung des Denkmalschutzes gewesen, erklärt die Architektin. „Deshalb wurde eine besonders fili­grane Konstruktionsart gewählt, die sich aufgrund ihrer Leichtigkeit in den Baubestand einfügt und nicht vordergründig in Erscheinung tritt.“ Dadurch sei es möglich geworden, nur geringfügig in die vorhandene Bausubstanz einzugreifen.

Bis Ende Juni soll der neue Eingangsbereich fertiggestellt sein, „zumindest streben wir diesen Termin an“, sagt Inga Reimers. Rund 320000 Euro verschlingt die gesamte Baumaßnahme, allein 66000 Euro entfallen davon auf die neue Dachkonstruktion.