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Fundort, aber kein Tatort: In dem kleinen Wald zwischen Kaltenmoor und Neu Hagen wurde der verkohlte Leichnam von Karl-Paul S. vor knapp zwei Wochen von Spaziergängern gefunden. Foto: be
Fundort, aber kein Tatort: In dem kleinen Wald zwischen Kaltenmoor und Neu Hagen wurde der verkohlte Leichnam von Karl-Paul S. vor knapp zwei Wochen von Spaziergängern gefunden. Foto: be

Der lange Tod des Karl-Paul S.

ca Lüneburg. Karl-Paul S. dürfte vor seinem Tod ein Martyrium durchlitten haben. Die Spurensicherung der Polizei hat im Wohnblock an der Wilhelm-Leuschner-Straße in Kaltenmoor offenbar in mehreren Wohnungen Blut und andere Spuren gefunden. Das deutet darauf hin, dass das Opfer in mehreren Wohnungen in dem Block malträtiert wurde, bevor es starb, danach dann von den Tätern aus dem Haus in den nahen Wald gebracht und angezündet wurde. Doch was genau wo geschah, ist den Beamten in der Mordkommission noch nicht klar, Ergebnisse soll die Auswertung der Spuren bringen. Die Polizei geht aber davon aus, jetzt die mutmaßlichen Mörder gefasst zu haben. Das Amtsgericht erließ Haftbefehl gegen die 30 und 40 Jahre alten Männer. Sie schweigen bisher zu den Vorwürfen.

Die Pressestelle der Polizei gibt eine dürre Mitteilung heraus. Darin heißt es knapp, dass die dringend Tatverdächtigen „Karl-Paul S. in der Nacht zum 4. Mai gemeinsam und arbeitsteilig getötet und in der Folge in einem Waldstück bei Neu Hagen verbrannt“ haben sollen. Zu Einzelheiten schweigt Polizeisprecher Kai Richter aus „ermittlungstaktischen Gründen“.

Aus Polizeikreisen heißt es, dass nicht auszuschließen sei, dass weitere Personen mit dem Tod des 34-Jährigen zu tun haben könnten. Die beiden Verdächtigen kommen so wie auch S. aus dem Drogen- und Alkoholmilieu, beide sollen wie er in dem gewaltigen Wohnkomplex zu Hause sein, in dem viele leben, die den Boden unter den Füßen verloren haben. Angeblich soll das Duo S. in der Vergangenheit bedroht haben. Doch über das Motiv für die Tat herrscht bislang keine Klarheit.

Wie berichtet, galt S. als aufbrausend. Er soll ausgeteilt und reichlich eingesteckt haben. Manche Prügelei ließ er nicht auf sich beruhen, sondern rief die Polizei, das sorgte für Ärger in der Szene. Nachdem S. einen Schlaganfall erlitten hatte, war er körperlich eingeschränkt. Zudem befand er sich im Methadonprogramm, bekam regelmäßig einen Drogenersatzstoff.

Am Montag hatten Chefermittler Klaus Fröchtenicht und ein Dutzend Kollegen die Bereitschaftspolizei zu Hilfe gerufen. Mit 120 Beamten durchkämmten sie Teile des Gebäudes und das Umfeld. Dabei machten die Ermittler manchen Fund, der jetzt zur Festnahme der Beschuldigten führte. Die Stärke der Polizei soll angeblich auch deshalb so hoch gewesen sein, weil Verdächtige aus einem anderen Verfahren etwas hätten missverstehen und mit Gewalt reagieren können. Hintergrund soll dem Vernehmen nach die Schlägerei vor einer Diskothek in Adendorf gewesen sein, wo am Wochenende rivalisierende Gruppen aufeinander losgegangen waren.

One comment

  1. Hendrik Siewert

    Ich finde es bitter, das so etwas unter den Augen einiger Anwohner geschehen konnte. Kann doch nicht sein das von diesem Vorfall keiner etwas mitbekommen haben möchte. Es muss doch zeitweise recht laut zu gegangen sein, bei den Gewalt Exzessen bzw den Dingen die ihm angetan wurden.
    Ich finde es einfach nur schrecklich und es macht mich betroffen, wie man einen Menschen so entmenschlichen kann.