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Zu begehrten Fotomotiven zählten gestern Vormittag die neue Wachtglocke (links) und die Gebetsglocke. Zusammen mit drei weiteren Glocken wurden sie von der Kirchengemeinde St. Johannis und zahlreichen Lüneburgern freudig in Empfang genommen. Foto: t&w
Zu begehrten Fotomotiven zählten gestern Vormittag die neue Wachtglocke (links) und die Gebetsglocke. Zusammen mit drei weiteren Glocken wurden sie von der Kirchengemeinde St. Johannis und zahlreichen Lüneburgern freudig in Empfang genommen. Foto: t&w

Ankunft der Schwergewichte

us Lüneburg. „Es geht unter die Haut“, bemerkte Dietrun Freiesleben, als sie vor den fünf Glocken stand. Die Lüneburgerin war gestern Vormittag eine der vielen Schaulustigen, die zum Empfang des himmlischen Geläuts auf den Platz am Sande gekommen waren. Sie wollten es sich nicht entgehen lassen, einen Blick auf die Klangkörper und ihre Inschriften zu werfen, bevor diese in den nächsten Tagen dauerhaft im Turm von St. Johannis verankert werden. Die Kirchengemeinde hatte den Guss von drei neuen Glocken Wacht-, Gebets- und Taufglocke – in Auftrag gegeben, zwei ältere die Probeglocke und die Kleine Schelle waren gerissen und mussten repariert werden. Nach mehr als einem Jahr kehrten sie gestern nach Lüneburg zurück, mit dabei ihre neuen, großen Schwestern, in deren noch frischem Bronzeglanz sich am Morgen die Sonne spiegelte.

Die Ankunft der fünf schwergewichtigen Klangkörper wurde feierlich mit Vorläuten von St. Johannis kund getan. Um 10 Uhr kam die Kirchengemeinde, angeführt von Superintendentin Christine Schmid, Dekan i. R. Dieter Eisenhardt, Pastor Ingo Reimann und Oberbürgermeister Ulrich Mädge, vom Kirchenvorplatz aus den Ankömmlingen entgegen, die vor der IHK auf einem Tieflader blumengeschmückt auf ihren Empfang warteten. Gemeinsam ging es dann begleitet von hell klingenden Handglöckchen, die zuvor an Kinder und Erwachsene der Kirchengemeinde verteilt waren zurück zu St. Johannis.

„Glocken sind Wächterstimmen, sie erinnern uns daran, dass wir nicht allein gelassen werden“, sagte Pastor Ingo Reimann beim anschließenden Gottesdienst. Superintendentin Schmidt ging auf die Bedeutung der Gebetsglocke ein, die künftig an jedem Werktag zwei Mal erklingen wird, um 12 und um 18 Uhr. Ihre horizontal und vertikal verlaufende Inschrift, bestehend aus dem Vaterunser, bilde ein Kreuz, „damit verbindet es uns untereinander und mit Gott“. Oberbürgermeister Ulrich Mädge würdigte das „hohe Maß an Identifikation“, das die Mitglieder der Kirchengemeinde und Bürger der Hansestadt auszeichne und das die Vervollständigung der Glocken mit ermöglicht habe.

Doch bevor die Glocken erstmals erklingen, ist noch Präzisionsarbeit gefordert. Heute werden die Schwergewichte abgeladen und zunächst im Turm platziert. Die Wachtglocke als größte von ihnen wiegt stattliche 6925 Kilogramm, die Gebetsglocke 2700 Kilogramm, die restaurierte Probeglocke kommt auf 1723 Kilogramm, die Taufglocke wiegt 1411 Kilogramm und die Kleine Schelle 770 Kilogramm. In den nächsten Tagen werden sie dann von Fachleuten an ihre vorgesehenen Positionen gebracht.

Rund 400000 Euro werden Guss und Reparatur der Glocken, aber auch die Vorbereitung des Glockenstuhls mit Aufhängung und neuer Technik kosten, berichtet Dr. Harald Grürmann. „Es waren zuvor auch umfangreiche schwingungstechnische Untersuchungen erforderlich, um zu prüfen, ob die Statik den acht Glocken auch standhalten wird“, sagte der Vorsitzende des Kirchenvorstands.

Am 22. Juni, dem letzten Tag des Stadtfestes, will die Gemeinde die Glockenweihe feiern, zwei Tage später wird in St. Johannis Max Bruchs Oratorium „Das Lied von der Glocke“ aufgeführt. Wann sämtliche acht Glocken zum ersten Mal gemeinsam erschallen werden, konnte Dr. Grürmann noch nicht sagen, „ganz sicher aber stets an den hohen Festtagen und in der Neujahrsnacht.“