Dienstag , 27. September 2016
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Hässlich und noch dazu kaputt: Der Zaun im Kurpark muss weg, findet der grüne Ratsherr Ernst Bögershausen. Foto: t&w
Hässlich und noch dazu kaputt: Der Zaun im Kurpark muss weg, findet der grüne Ratsherr Ernst Bögershausen. Foto: t&w

„Der Zaun muss weg“

ahe Lüneburg. Ernst Bögershausen ist jeden Tag im Lüneburger Kurpark unterwegs. Auf Anraten seines Arztes, der ihm nach einem Herzinfarkt im vorigen Jahr täglich eine Stunde flottes Gehen empfohlen hatte. So schön er die Grünanlage auch findet, eine Sache stört ihn gewaltig: der Zaun am Pfarrer-Kneipp-Weg. Weil Bögershausen nicht nur Stammgast im Park, sondern auch Lokalpolitiker ist, hat er sich jetzt vorgenommen, den Zaun zu kippen. Der erfülle keinerlei Funktion, sondern sorge nur für Umwege und sei zudem „hässlich“. Für die nächste Sitzung des Grünflächenausschusses hat er einen entsprechenden Vorstoß vorbereitet. Kurios: Selbst die Stadt weiß offenbar nicht, welchen Zweck der Zaun erfüllt.

Bei seinen täglichen Touren durch den Park falle ihm so manches auf, erzählt Bögershausen, den Zaun empfinde er dabei als störend für die Sichtachse, er trenne den Park regelrecht. Und der grüne Ratsherr wähnt sich mit diesem Urteil nicht allein: „Ich spreche häufig mit anderen Parkbesuchern, die sehen das ganz ähnlich“, erzählt der 69-Jährige. Er habe auch schon mit der AGL gesprochen, die für die Pflege der städtischen Grünanlagen zuständig ist, ebenso mit dem Chef der Kurmittel GmbH. „Die wären auch glücklich, wenn der Zaun endlich verschwände.“ Auch die Neue Arbeit, die das kleine Café im Park betreibt, hätte laut Bögershausen kein Problem damit, wenn der Zaun fallen würde.

Der Lüneburger sieht sich darüber hinaus auch durch andere Fachleute bestätigt, er verweist darauf, dass ein elf Jahre altes gartenhistorisches Gutachten für den Kurpark, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Darin heißt es: „Störend ist die starke Trennung des nördlichen und südlichen Teils durch eine asphaltierte Straße und einen unbegrünten Drahtzaun.“ Dadurch entstehe eine „starke Barriere“. Bögershausen findet: „Am schlimmsten sind die beiden Industrietore, die sind völlig untypisch für eine Grünanlage und passen überhaupt nicht in einen Park.“ Er ist überzeugt, dass sich der Abbau schnell und ohne zusätzliche Kosten realisieren ließe. Deshalb fragt er: „Wann wird der Rückbau des Zauns vorgenommen, wie er im Gutachten aus dem Jahr 2003 vorgesehen ist?“

Die Stadt mauert, will zu der Anfrage vor der Sitzung nicht viel sagen. Warum der Zaun dort steht? „Der steht da ja schon lange. Wir prüfen das jetzt“, sagt Pressesprecher Daniel Steinmeier. Ob die Verwaltung sich vorstellen kann, den Zaun zu entfernen? Wieder nur: „Wir prüfen das.“ Die nächste Sitzung des Grünflächenausschusses steht am 8. Juli im Terminkalender. Bleiben also sieben Wochen Zeit für die Stadtverwaltung, um zu ergründen, warum da ein Zeun im Kurpark steht.

3 Kommentare

  1. Der Zaun ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Wenn ich es richtig erinnere sprach man damals von dem alten und dem neuen Teil des Kurparks. Der alte Teil bei den Tennisplätzen war frei zugänglich und auch weniger gepflegt. Im neuen Teil gab es zumindest in den fünfziger und sechziger Jahren Tage oder Tageszeiten, an denen der neue Kurpark nur gegen eine Eintrittsgebühr betreten werden konnte. Zudem fanden vorwiegend Sonntags Konzerte und andere Aufführungen in der Musikmuschel statt, deren Besuch Kostenpflichtig war. Um nicht ohne Bezahlung zu diesen Veranstaltungen kommen zu können, wurde der neue Teil des Kurparks eingezäunt und an den Eingängen standen kleine Kassenhäuschen.
    Dafür wurde der neue Kurpark auch entsprechend gepflegt. Es gab einen speziellen Rosengarten und viele Beete wurden je nach Jahreszeit bepflanzt. Auch die Gastronomie lud zu einem Besuch ein und so gab es manches Wochenende regen Betrieb vor der Musikmuschel.

    Doch das alles ist längst vergangene Nostalgie. So hat auch der Zaun schon seit Jahrzehnten überhaupt keinen Sinn mehr. Ebenso wie die hässlichen Schiebetore, die nachts den Kurpark Lückenlos schlossen. Aber nichts fällt Politik und Verwaltung schwerer, als sich von etwas, dass es „schon immer gab“, zu trennen. Auch wenn es nicht mehr den geringsten Sinn macht.

    Der Kurpark ist kein gut bürgerlicher Wochenendflanierpark mehr. Er ist längst (zum Glück!) ein freier Bürgerpark geworden. Deshalb darf er aber dennoch weiter gepflegt werden, denn auch dafür zahlen wir Abgaben und Steuern.

  2. Mir fallen eine Menge guter Gründe ein, warum dieser Zaun sehr wohl eine Funktion hat:
    1. Meine Kinder waren mal klein und wir waren sehr oft im nördlichen Kurpark. Der Zaun hat sie vor dem Radweg, auf dem aufgrund des Gefälles Radler mit erheblicher Geschwindigkeit fahren, geschützt. Für mich war das beruhigend, wenn wir zum Beispiel beim Ententeich waren (und ich genug damit zu tun hatte, aufzupassen, dass sie nicht ins Wasser fallen). Ich fand es auch extrem beruhigend zu wissen, dass die freilaufenden Hunde auf der anderen Seite des Zauns waren.
    2. Der Zaun bietet natürlich auch den Wasservögeln Schutz, die so ebenfalls vom Radweg und Hunden abgegrenzt sind.
    3. Inzwischen habe ich selbst einen Hund. Der südliche Teil des Kurparks ist eine der letzten Freilaufflächen für Hunde, nachdem der gesamte Wald rund um Lüneburg mit Verbotschildern zugepflastert worden ist. Über den Tag verteilt nutzen das Gebiet hunderte Hundebesitzer, um ihren Hund mal richtig frei rennen lassen zu können. Die meisten Hunde „verstehen“, dass ihr Toberevier beim Zaun zu Ende ist. Wie soll das denn ohne Trennung geregelt werden? Es wäre weder wünschenswert und verantwortbar, freilaufende Hunde im ganzen Park zuzulassen noch wäre es den (tausenden!) Hundebesitzern und Hunden zumutbar, Leinenzwang im gesamten Park (und damit in fast ganz Lüneburg) zu akzeptieren.
    4. Außerdem: Es ist doch für jedermann/-frau leicht erkennbar, dass der Charakter zwischen dem Kurpark Nord und Süd ein völlig unterschiedlicher ist: Auf der einen Seite sind gepflegte Blumenbeete, der Brunnen, das Cafe, der Konzertplatz, Kinderspielplätze, das Grenadierwerk, eben Plätze zum Verweilen, …, auf der anderen ist relativ viel Wildwuchs, Wald, Sportler und Sportplätze und eben viele freilaufende Hunde.

    Ich finde die Trennung des Parks sehr gelungen. Jeder findet dort sein Plätzchen entsprechend seinem Geschmack und seinen Bedürfnissen. Natürlich muss es nicht unbedingt ein Zaun sein, eine dichte Hecke täte es auch; aber eine Grenze macht aus vielerlei Gründen, insbesondere aber wegen der freilaufenden Hunde, absolut Sinn.

  3. Da stellt sich doch eher die Frage, ob tausende (!) Hunde in einer Mittelstadt wie Lüneburg nicht langsam zur allgemeinen Belästigung werden. Erst recht, wenn die „Herrchen“ sich offen zum Rechtsbruch bekennen…. Man sollte versuchen, die ausufernde Zahl der Hunde über die Hundesteuer wirksamer als bisher zu begrenzen.